Wenn Flüge viel Verspätung haben oder sogar ganz ausfallen, ist das für die Passagiere sehr ärgerlich. Und: teuer. Denn oft haben ausgefallene oder verspätete Flüge für die Reisenden Konsequenzen, von verpassten Anschlüssen, zusätzlichen Hotelkosten bis hin zum Totalausfall einer Reise. Hier erfahrt ihr, welche Rechte ihr als Passagiere habt:
  • Flug verspätet: Gibt es eine Entschädigung? Bekommt man das ganze Geld zurück?
  • Flug annulliert: Gibt es eine Entschädigung? Bekommt man das ganze Geld zurück?
  • Die Airline verweigerte eine Entschädigung - was tun?

Entschädigung bei Flugverspätung: Das sind die Rechte

In den ersten Bundesländern stehe die Herbstferien vor der Tür und bei der Lufthansa-Tochter Eurowings wollen die Piloten erneut die Arbeit niederlegen. Welche Rechte haben Fluggäste bei Ausfall oder Verspätung?
Die Rechte der Passagiere regelt in der EU die EU-Fluggastrechteverordnung. Demnach haben Fluggäste, die in der EU landen, in folgenden Szenarien diese Ansprüche:

Bei Verspätung ab 2 Stunden

Bei einer Verspätung ab zwei Stunden haben Fluggäste ein Recht auf Dienstleistungen. Die Airline muss Essen und Trinken bereitstellen oder Gutscheine dafür aushändigen.

Bei Verspätung ab 3 Stunden

Grundsätzlich können Fluggäste bei Flügen aus oder in die EU bei mehr als dreistündiger Verspätung eine pauschale Ausgleichszahlung (250, 400 oder 600 Euro) verlangen. Es muss sich dabei um einen Flug handeln, der aus der EU startet oder von einer europäischen Airline mit einem Ziel in der EU durchgeführt wird. Daneben sind weitere Erstattungen möglich. Berechnet wird die Entschädigung je nach Distanz des Fluges.

Bei Verspätung ab 5 Stunden

Bei mehr als fünfstündiger Verspätung hat man als Passagier das Recht auf vollständige Erstattung des Flugpreises, wenn man vom Flug zurücktreten möchte. Wenn das der Fall ist, muss die Airline den Rückflug zum Ursprungsort bezahlen. Möchte man die Reise weiterhin antreten, muss die Airline den Passagier auf einen vergleichbaren Flug zu vergleichbaren Bedingungen buchen. Alternativ müssen alle Kosten - z.B. Busse, Taxis, Bahnkarten - zum Endziel bezahlt werden. Zusätzlich hat der Fluggast Anspruch auf Entschädigungsgeld (wie bei Verspätung von 3 Stunden).

Bei Verspätung mit Abflug am nächsten Tag

In diesem Fall ist es egal, wie viele Stunden die Verspätung beträgt: Die Airline muss die Hotelübernachtung bezahlen.

Haftet die Airline immer?

Aber: In manchen Fällen haben Passagiere kein Recht auf Entschädigungsgeld. Denn: Die Fluggesellschaft haftet nur, wenn sie die Verspätung hätte verhindern können. Liegen sogenannte "außergewöhnliche Umstände" vor, haftet die Airline nicht.
Bietet die Airline trotz Nachfrage keine Verpflegung oder Übernachtung an, darf man sich selbst darum kümmern. Die Kosten bekommt man in solchen Fällen im Nachhinein von der Airline erstattet. Die ADAC Clubjuristen raten: Alle Belege als Nachweise aufbewahren.

Flugverspätung und Anschluss verpasst: Gibt es eine Entschädigung?

Ja, Passagiere haben Anspruch auf Entschädigung, wenn sie durch die Verspätung eines Fluges eine Anschlussverbindung verpassen. Aber dafür gibt es besondere Voraussetzungen:
  • Die Flugverspätung muss dazu geführt haben, dass man das Endziel mit mindestens 3 Stunden Verspätung erreicht hat
  • Bei verpasstem Anschlussflug müssen beide Flüge gemeinsam gebucht worden sein
Wenn der Flug Verspätung hat oder annulliert wird, sollte man sich entweder direkt vor Ort oder telefonisch bei der Airline Informationen besorgen und sich den Grund und die Dauer der Verspätung schriftlich bestätigen lassen. Von nun an sollten außerdem alle Belege für anfallende Verpflegungskosten aufbewahrt werden. Wenn man eine Pauschalreise gebucht hat, sollte man umgehend den Reiseveranstalter kontaktieren.

Flug ausgefallen: Diese Rechte haben Fluggäste

Grundsätzlich können Passagiere bei kurzfristiger Annullierung (weniger als 14 Tage vor dem Abflug) eine pauschale Ausgleichszahlung verlangen. Die Höhe richtet sich nach der Flugstrecke: 250 Euro bei Flügen bis 1500 Kilometer, 400 Euro bis zu 3.500 Kilometer und 600 Euro ab einer Flugstrecke von über 3.500 Kilometern.
Daneben besteht die Möglichkeit auf verschiedene Unterstützungsleistungen. Zum einen können Betroffene vom Vertrag zurücktreten, in diesem Fall kann der Ticketpreis von der Airline erstattet werden. Möchte man die Reise jedoch nach wie vor antreten, kann man von der Airline eine Alternativbeförderung verlangen.
Laut Fluggastrechteverordnung haben Reisende ein Wahlrecht zwischen der vollständigen Erstattung des Ticketpreises und einer Umbuchung durch die Airline. Was man beachten sollte: In der Regel bucht die Airline den Fluggast um. Ansonsten sollte man sich auf jeden Fall das Einverständnis für die eigenständige Alternativbuchung von der Airline holen, damit es bei der Erstattung keine Probleme gibt.

Flug storniert: Was ist mit Hotel- oder Pauschalreisebuchungen?

Wenn der Flug storniert wurde und man aus diesem Grund von einer Hotelbuchung oder ähnlichem zurücktreten will, gibt es einiges zu beachten. So muss man meistens die Hotelrechnung trotzdem bezahlen. Nur wenn die Geschäftsbedingungen (AGB) des Ferienhaus- oder Hotelbetreibers eine Stornierung vorsehen, kann man sein Geld zurückverlangen. Sonst bleibt nur das Hoffen auf Kulanz.
Im Fall von Pauschalreisen ist der Veranstalter zuständig. Er muss für eine Ersatzbeförderung sorgen. Und der Reisepreis darf sich durch die neue Flugverbindung nicht erhöhen, auch wenn der Veranstalter aufgrund der Streichung kurzfristig teurere Flüge einkaufen muss.
Bei einem annullierten Flug im Rahmen einer Pauschalreise kommen Ansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter in Betracht - auf Minderung des Reisepreises oder sogar Schadenersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit.

Rechte bei Flugentschädigung: Was, wenn die Airline verweigert?

Wenn eine Fluggesellschaft sich weigert, die Entschädigungen auszuzahlen, kann ein langer Prozess folgen. Viele Airlines wetten darauf, dass der Stress dem Fluggast am Ende das nicht wert ist. Denn: Man muss die Airline zunächst anschreiben und ermahnen, Unterlagen als Beweise sammeln und in letzter Instanz vielleicht sogar mit einem Anwalt vor Gericht ziehen. Das birgt ein Risiko. Manche Portale bieten daher einen Service an, um diese Aufgaben zu übernehmen. Das Portal „Myflightright“ schreibt, dass rund 50 Prozent der von ihnen gewonnenen Fälle nur gerichtlich durchgesetzt werden konnten.
Mit Material von dpa und AFP.