Bonn Flüchtling vor Gericht

Bonn / CHRISTOPH DRIESSEN, DPA 20.09.2016
Weil er seine drei Kinder aus dem Fenster einer Flüchtlingsunterkunft in Rheinland-Pfalz geworfen haben soll, steht ein Syrer heute vor Gericht.

Ein Syrer muss sich vom heutigen Dienstag an in Bonn vor Gericht verantworten, weil er im Februar seine drei Kinder aus dem Fenster einer Flüchtlingsunterkunft geworfen haben soll. Seine sieben Jahre alte Tochter und sein fünfjähriger Sohn erlitten durch den Sturz aus dem ersten Stock Schädeldachfrakturen und weitere Knochenbrüche. Die einjährige Tochter fiel auf ihren Bruder und kam deshalb vergleichsweise glimpflich mit Prellungen und einem Bluterguss an der Leber davon.

Dem 36 Jahre alten Vater wird versuchter Mord an seinen drei Kindern zur Last gelegt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat er die Tat gestanden. Das Drama ereignete sich in Lohmar bei Bonn. Dort war die Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in einem ehemaligen China-Restaurant untergebracht.

Das Motiv für die Tat war laut Anklage, dass den Mann das Verhalten seiner Frau frustrierte. Diese wollte demnach „in Deutschland nicht mehr das aus der Heimat gewohnte Rollenverständnis akzeptieren und sich nicht mehr von ihm alles gefallen lassen“.

Deshalb war es unter den Eheleuten bereits mehrfach zu Streitigkeiten gekommen, so auch am Tag der Tat, dem 1. Februar dieses Jahres. An diesem Tag soll der Mann seiner Frau einen Kochtopf ins Gesicht geschlagen haben, weshalb er auch noch der gefährlichen Körperverletzung angeklagt ist.

Bereits Anfang Januar hatte der Mann seine Frau angegriffen und war dafür angezeigt worden. Zehn Tage lang durfte er die gemeinsame Wohnung nicht mehr betreten. Mit dem Einverständnis seiner Frau zog er allerdings nach wenigen Tagen wieder ein.

Der Angeklagte hatte Syrien im vorletzten Jahr verlassen, seine Frau kam mit den Kindern später nach. Über die Türkei und Bulgarien ging es zunächst nach Frankreich und im vergangenen Jahr dann nach Deutschland.

Für die Verhandlung vor dem Landgericht Bonn sind sechs Verhandlungstage bis zum 12. Oktober angesetzt.

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