Gute Nachrichten kurz vor Ostern: Der trockene und warme Frühling im vergangenen Jahr hat den Feldhasen gut getan. 2018 haben sich die Langohren in Baden-Württemberg so stark vermehrt wie seit 15 Jahren nicht mehr. Das geht aus Zahlen des Agrarministeriums und des Landwirtschaftlichen Zentrums (LAZBW) für Baden-Württemberg hervor.

Der Feldhasen-Bestand im Land ist im Lauf des vergangenen Jahres um rund ein Viertel gewachsen: Im Frühjahr wurden pro Quadratkilometer noch etwa 12 Tiere gesichtet, im Herbst waren es dann rund 16 Hasen. Deutschlandweit stieg der Bestand von 12 auf 14 Feldhasen pro Quadratkilometer.

Weil sie keinen schützenden Bau haben, sind junge Feldhasen dem Wetter direkt ausgesetzt. Vergangenes Jahr profitierten die Jungtiere von langer Trockenheit und Wärme. Viele Hasen dürften zudem den milden Winter überlebt haben, sagt Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. Feldhasen kämen in verschiedenen Lebensräumen zurecht - sogar in Wäldern oder Siedlungen, erklärt Kinser. Sie gelten nicht als vom Aussterben bedroht. „Andere Arten, die nicht so gut mit Veränderungen zurechtkommen, geht es deutlich schlechter.“

Von den Feldhasen-Zahlen von vor 30 oder 40 Jahren sei man dennoch weit entfernt, sagt Klaus Lachenmaier vom Landesjagdverband (LJV). Die Bestände verharrten seit Jahren auf niedrigem Niveau. Kinser schätzt die Zahl der Tiere in Baden-Württemberg auf 300 000.

Hauptgrund für den Rückgang ist nach Angaben der Experten die Landwirtschaft, die den Langohren kaum noch Platz lasse. Jungtiere fänden nicht mehr ausreichend Verstecke - etwa vor Füchsen -, oder sie fielen Landmaschinen zum Opfer.

Das Landwirtschaftliche Zentrum und der Landesjagdverband wollen das ändern. Mit der Initiative Allianz für Niederwild wollen sie Bauern helfen, mehr Rückzugsflächen wie Blühstreifen zu schaffen. Das komme auch Insekten und Vögeln zugute, sagt Kinser.

Damit wieder deutlich mehr Hasen über Felder und Wiesen hoppeln, müsse die Politik jedoch mehr tun - hier sind sich Naturschützer und Jäger einig. Beide fordern, dass sich Artenschutz für Landwirte mehr lohnt. Hier ist laut dem Naturschutzbund (Nabu) die EU gefragt - und die Bürger bei den bevorstehenden Europawahlen. Klaus Lachenmaier fordert, dass die Politik rasch handelt: „Ansonsten werden wir nicht nur das Rebhuhn und die Feldlerche verlieren, sondern sogar tatsächlich noch den Feldhasen.“

Wildtierbericht Baden-Württemberg

Allianz für Niederwild

Deutsche Wildtier Stiftung zum Feldhasen