Fußball-WM Fan-Forscher: Weniger Interesse am Public Viewing

WM 2006: Public Viewing vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Foto: Miguel Villagran
WM 2006: Public Viewing vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Foto: Miguel Villagran © Foto: Miguel Villagran
Hannover / Interview: Christian Brahmann, dpa 06.06.2018

Wenn am 14. Juni die Fußball-WM in Russland beginnt, stellen sich viele Fans die Frage, wie sie die Spiele der deutschen Mannschaft verfolgen. Alleine zu Hause oder inmitten von Tausenden Fans auf großen Plätzen, in Stadien oder auf der Berliner Fanmeile?

Der hannoversche Fan-Forscher Gunter Pilz erwartet, dass viele Menschen sich die Spiele eher im kleineren Kreis anschauen.

Frage: Strömen bei der WM die Fans wieder in Massen in die Städte und auf Plätze, um die Spiele vor Großleinwänden zu schauen?

Antwort: Ich gehe davon aus, dass das Interesse deutlich reduziert sein wird. Es wird wohl keine Massen vor Großleinwänden geben und viele werden die Spiele lieber im kleinen Kreis anschauen.

Frage: Woran liegt das gesunkene Interesse?

Antwort: Im Vergleich zur WM 2006 liegt das auch an den technischen Möglichkeiten, die viele private Haushalte mittlerweile haben. Außerdem gab es 2006 eine Identifikation des ganzen Landes mit dem Turnier. Die Public Viewings waren ein volksverbindendes Element. Auch weil viele Fans ohne Karten nach Deutschland kamen und die Übertragungen so verfolgten. Das war damals ein Selbstläufer, der sich nicht eins zu eins übertragen lässt.

Frage: Was zieht die Fans vor die großen Leinwände?

Antwort: Wenn die WM nicht im eigenen Land stattfindet, hängt das Interesse vor allem davon ab, wie weit das deutsche Team kommt. Viele schauen dann hauptsächlich die Spiele des eigenen Teams. Daraus ergibt sich aber ein hohes Risiko für mögliche Veranstalter von Public Viewings. Außerdem gibt es hohe Sicherheitsanforderungen, die zusätzlich verunsichern.

Frage: Also funktioniert Public Viewing nur bei deutschen Erfolgen?

Antwort: Ja. Oder es gibt wieder ein großes Turnier bei uns. Bekommt Deutschland den Zuschlag für die EM 2024, kann sich das alles ganz schnell wieder ändern. Durch die Public Viewings gab es 2006 eine Identifikation im ganzen Land, die das Turnier besonders gemacht haben. Darauf weist der DFB in seiner Bewerbung für 2024 sicher auch hin.

Zur Person: Gunter Pilz (73) zählt zu den renommiertesten deutschen Fan-Forschern. Er studierte Soziologie, Psychologie und Volkswirtschaftslehre. Zu Pilz' Arbeitsschwerpunkten gehören unter anderem Gewalt in der Gesellschaft und im Sport sowie Fankultur und Fanverhalten.

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