Stockholm Familiendrama in Norwegen

Stockholm / ANDRE ANWAR 08.05.2014
Der Traum einer deutschen Auswandererfamilie im Norwegen endete in einer Katastrophe. In einem Fjord fand man die Leiche der 36-jährigen Mutter.

Drei Tage hatte Thomas M. (34) Mitte April gewartet - erst dann meldete er seine Frau Agnes Elisabeth bei der Polizei in Norwegen als vermisst: Er habe sie zur Fähre gebracht. Danach habe er nichts mehr von ihr gehört. Ihre Familie in Deutschland informierte der Deutsche erst gar nicht.

Nur zufällig erfuhr Agnes Vater neun Tage später vom Verschwinden seiner Tochter am 16. April. Jetzt kam die grausame Gewissheit. Die Leiche der Hamburgerin wurde zusammengeschnürt in einer Plane 70 Meter tief am Grund des westnorwegischen Lysefjord mithilfe von Tauchern und einem Schleppkran geborgen. Dabei kam auch ein blaues Gummiboot zum Vorschein. Es soll mit der Straftat zu tun haben.

Agnes M. wurde nur 36 Jahre alt. Sie hinterlässt zwei Kinder im Alter von sieben und elf Jahren. Der norwegischen Polizei war das Verhalten ihres Mannes seltsam erschienen, als er Anzeige wegen ihres Verschwindens erstattete. Sie nahm ihn in U-Haft. Bereits seit einer Woche wird er verdächtigt, seine Frau ermordet zu haben. Doch tagelang leugnete er die Tat. Vom Facebook-Konto der Ehefrau soll er sich gar die vermeintlich entlastende Nachricht "Ich liebe dich!" selbst geschrieben haben, wird vermutet.

Erst das unerwartet schnelle Auffinden der Frauenleiche soll ihn am Mittwoch aus dem Konzept gebracht haben. Er gestand. "Mein Mandant hat zugegeben, seine Ehefrau umgebracht und sie im Lysefjord versenkt zu haben", sagte sein Anwalt. "Soweit ich verstanden habe, hielt er es nicht mehr aus, alles für sich zu behalten."

Die Polizei bestätigte das Geständnis wenig später auf einer Pressekonferenz in Stavanger. "Die offizielle Identifizierung ist noch nicht abgeschlossen. Aber wir sind sicher, dass es Agnes ist." Die Kinder sollen morgen befragt werden. "Der Verdächtige hat der Polizei ausführlich über sein Mordmotiv berichtet, aber wir möchten damit derzeit noch nicht an die Öffentlichkeit gehen", hieß es. Thomas M. soll die Tat im Detail geplant haben.

Das Motiv der Tat ist unklar. Kollegen der 36-Jährigen, die in Hamburg als Friseurin gearbeitet und dort auch ihren Mann kennen gelernt hatte, erzählten norwegischen Medien, dass sie sich von ihrem Mann habe trennen wollen.

Die vierköpfige deutsche Familie lebte seit 2009 in Norwegen. Sie hatte sich in Forsand, einem Ort mit tausend Einwohnern östlich von Stavanger, ihren Traum von einem Eigenheim erfüllt. Dann muss etwas sehr schief gelaufen sein.

Nun wird sich die Anwältin Kjersti Jaeger als Rechtsbeistand um die beiden Kinder kümmern. "Nun ist es wichtig für die Kinder, in Ruhe Vertrauen zu den Menschen aufzubauen, die in Zukunft für sie sorgen werden", sagte sie.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel