Der Vorfall sorgt für Diskussion: Am Wochenende war es bei einem Wintertreffen der Motorradfahrer auf Schloss Augustusburg zu einem unschönen Zwischenfall gekommen. Zwei Teilnehmer waren bei der Veranstaltung mit einem armeegrünen Gespann vorgefahren. Der Fahrer trug Militärkleidung und einen Stahlhelm, der Mann im Beiwagen war offensichtlich als Adolf Hitler verkleidet. Auf einem Video beim Kurznachrichtendienst Twitter ist das alles dokumentiert. Kommentiert ist der Post folgendermaßen: „#augustusburg #Sachsen da wo sich auch die @PolizeiSachsen daran erfreut, wenn ,Adolf H.’ mit dem #Motorrad vorfährt.“

Polizei lässt Hitler-Imitator gewähren

Darauf zu sehen ist auch, wie das Motorradgespann neben einem Polizeiauto parkt. Die Beamten schreiten aber nicht etwa ein und verhindern das Geschehen. Einer von ihnen lacht und filmt die Szene mit seinem Handy. Auch die umstehenden Besucher sind begeistert.

Polizei Sachsen antwortet auf Twitter

Die Polizei Sachsen hat inzwischen auf das Verhalten ihrer Beamten reagiert. Ebenfalls auf Twitter schreibt sie: „Das Verhalten des Kollegen ist nicht zu akzeptieren. Diesbezüglich wird eine eingehende Auswertung mit ihm erfolgen. Ein Einschreiten und Unterbinden in der Szenerie wäre einzig richtig gewesen.“

Der Auftritt als Massenmörder sei mehr als geschmacklos, schrieb Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) am Montag auf Twitter. Er sei sich mit dem Augustusburger Bürgermeister Dirk Neubauer (SPD) darüber einig, dass sie sich das 50. Bikertreffen im kommenden Jahr wünschen. „Zuvor muss klar sein: So ein Verhalten ist nicht akzeptabel & wird sich nicht wiederholen“, schrieb Kretschmer.

Staatsschutz ermittelt gegen Hitler-Imitator

Bei dem als Hitler-Abbild aufgetretenen Mann stehen der Verdacht des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen oder auch Volksverhetzung im Raum. Laut Polizei prüft das Dezernat Staatsschutz der Chemnitzer Kriminalpolizei den Fall. „Es ist bei einem derartigen Auftreten in Verkleidung als Adolf Hitler immer eine genaue Einzelfallprüfung von Nöten“, teilte ein Polizeisprecher mit. Daher werde der Prüfvorgang zeitnah auch an die Staatsanwaltschaft Chemnitz zur abschließenden juristischen Bewertung übergeben.

Veranstaltung des Biker-Treffens verurteilt Aktion

Der Veranstalter des Treffens im Schloss hat die Aktion verurteilt und Konsequenzen für das kommende Jahr angekündigt. Der inoffizielle Auftritt eines Mannes, der sich zum Wintertreffen am vergangenen Wochenende als Hitler-Kopie verkleidet hatte, sei absolut intolerabel, sagte Patrizia Meyn, Geschäftsführerin der Augustusburg-Scharfenstein-Lichtenwalde Schlossbetriebe gGmbH.

Es sei nicht mehr nachvollziehbar, wie er am Sicherheitspersonal vorbeigekommen sei. „Wäre der Mann aufgefallen, hätten die Schlossbetriebe von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und den Mann nachdrücklich und unmissverständlich gebeten, das Gelände zu verlassen“, betonte die Geschäftsführerin. Sie kündigte an, dass für das 2021 geplante 50. Wintertreffen Vorkehrungen getroffen werden, um eine Wiederholung eines solchen oder ähnlicher Vorfälle auszuschließen.

Zum 49. Wintertreffen waren 1800 Motorradfahrer und rund 7500 Besucher auf zum Schloss Augustusburg gekommen.