Sydney Facebook scheitert an Model Tess Holliday

XXL-Model Tess Holliday.
XXL-Model Tess Holliday. © Foto: afp
BARBARA BARKHAUSEN 25.05.2016
Keine Brüste, Skelette, Fette: Facebook legt fest, was gesund sei und gepostet werden darf. Ein Foto des Übergrößen-Models Tess Holliday fiel erstmal durch.

Eigentlich will Facebook einfach nur krampfhaft korrekt sein. Deswegen sind nackte Brüste ein Tabu, egal ob sie von indigenen Frauen stammen, die eben einfach „oben ohne“ durchs Leben gehen, oder von Frauen, die auf ihr Stigma nach einer Brustkrebsoperation aufmerksam machen wollen.

Auch zu dicke oder zu dünne Menschen passen nicht ins Gesundheits- und Fitnessregelwerk von FB, das unter keinen Umständen „falsche Gedanken“ aufkommen lassen will, wie zum Beispiel den des extremen Abnehmens. Werbung auf Facebook darf deswegen keinesfalls „einen Gesundheitszustand oder ein Körpergewicht als perfekt oder extrem unerwünscht darstellen“.

Mit dieser Begründung hat das Netzwerk jetzt ein Foto des Plus-Size-Models Tess Holliday abgelehnt. Mit dem hatte die australische Feministengruppe Cherchez la Femme für eine Veranstaltung zum positiven Selbstimage werben wollen.

Die Gruppe, die monatlich eine feministische Talkshow veranstaltet, veröffentlichte die Worte, mit denen FB das Foto abgelehnt hat: „Werbungen wie diese sind nicht erlaubt, da sie dem Zuschauer ein schlechtes Gefühl über sich selbst vermitteln.“ Stattdessen schlug Facebook das Foto einer „einschlägigen Aktivität“ wie Fahrradfahren vor. Dazu schrieben die Frauen: „Wir sind hier alle super verärgert – zum einen, da Facebook wohl keine Ahnung hat, dass plus-sized, sich selbst als ,fett’ bezeichnende Frauen, sich trotzdem toll fühlen können, und zum anderen, da wir unseren ursprünglichen Veranstaltungshinweis so nicht extra bewerben konnten.“ Als Reaktion veröffentlichten die Frauen später das Foto einer fettleibigen Frau auf einem Fahrrad auf ihrer Seite.

Nachdem internationale Medien über die Ablehnung des Bildes und die Cherchez-la-Femme-Veranstaltung berichteten, machte Facebook die Zensur rückgängig. Es schrieb diese Woche, dass das Foto nun doch den Richtlinien des Unternehmens entspreche.

„Unser Team bearbeitet Millionen an Werbebildern jede Woche und in manchen Fällen verbieten wir Werbungen fälschlicherweise“, schrieb Facebook. Das sei auch in diesem Fall passiert. „Wir entschuldigen uns für den Irrtum und haben den Werbeschaltenden mitgeteilt, dass ihre Werbung nun genehmigt ist.“

Für Cherchez la Femme hat sich die Kontroverse als optimale Werbung für ihre Veranstaltung herausgestellt. So schreibt Kathryn Mallow auf Facebook: „So habe ich euch überhaupt entdeckt.“