Adel Ex-König Juan Carlos wird 80: Der gefallene Held

Zum Privatmann geworden: Juan Carlos.
Zum Privatmann geworden: Juan Carlos. © Foto: Foto: dpa
Madrid / Martin Dahms 05.01.2018
Spaniens Ex-König Juan Carlos wird 80. Affären der späten Jahre haben seine großen Erfolge fast vergessen lassen.

Hin und wieder lässt sich Juan Carlos de Borbón y Borbón noch mit seiner Frau Sofía de Grecia in der Öffentlichkeit blicken. Im Mai 2016 reiste das alte spanische Königspaar  nach Oslo, um den 80. Geburtstag von Norwegens König Harald V. mitzufeiern. Es war ein großes Fest mit 300 Gästen, darunter etlichen Gekrönten. Eingeladen hatte die norwegische Regierung, die ihren Monarchen aller Ehren wert fand. Juan Carlos würde wohl auch gerne gefeiert werden.

Juan Carlos, der vor dreieinhalb Jahren seinen Rückzug vom Thron zugunsten seines Sohnes Felipe erklärt hatte, aber weiter den Titel eines Königs trägt, wird am Freitag ebenfalls 80 Jahre alt. Doch auf öffentliche Huldigungen muss er verzichten.

Immerhin soll es im Zarzuela-Palast bei Madrid ein Essen im Kreise der Familie geben – was schon erstaunt. Wenn stimmt, was aus dem verschwiegenen Königshaus hin und wieder nach außen dringt, vertragen sich die Borbóns nur mäßig gut. Außer zu seiner ältesten Tochter Elena und deren Kindern hat Juan Carlos offenbar nicht mehr viel Kontakt zu Angehörigen.

Juan Carlos war mal ein großer König, einer, an dem kein Geschichtsbuch über Spanien im 20. Jahrhundert vorbeikommen kann. Sein späterer Ruhm war ihm nicht an der Wiege gesungen worden. Er kam am 5. Januar 1938 im Rom zur Welt, wohin sich seine Familie ins Exil zurückgezogen hatte, nachdem sein Großvater, König Alfonso XIII., sechs Jahre zuvor in Madrid aus dem Amt gejagt worden war.

Als Juan Carlos geboren wurde, wütete in Spanien seit anderthalb Jahren ein Bürgerkrieg, angezettelt von rechten Militärs unter General Francisco Franco. Sie zwangen die spanische Republik schließlich mit Hitlers und Mussolinis Unterstützungin die Knie. Franco erklärte sich nach seinem Sieg im April 1939 zum Alleinherrscher, der er bis zu seinem Tod am 20. November 1975 blieb.

Für seine Nachfolge benannte  Franco Juan Carlos. Der damals 38-jährige „Prinz von Spanien“ wurde am 22. November 1975 auf den jahrzehntelang verwaisten spanischen Thron gehoben. Was dem jungen König von Francos Gnaden damals kaum einer zutraute: Er half kräftig, Spanien auf den Weg zur Demokratie zu bringen. Mit der Verabschiedung der Verfassung 1978 war das Werk vollbracht.

Einmal noch musste Juan Carlos eingreifen, als er am 23. Februar 1981 entscheidend dazu beitrug, einen Putschversuch von Militärs und Guardia-Civil-Polizisten zu stoppen. Juan Carlos war der König der Demokratie.

Die Spanier mochten ihren Monarchen und sahen ihm vieles nach: vor allem, dass er als Jugendlicher beim Spiel mit einer Waffe seinen jüngeren Bruder erschossen hatte und trotzdem sein Leben lang gern auf die Jagd ging, am liebsten auf Großwild. Auch von seinen außerehelichen Eskapaden wollten sie nichts wissen.

Erst als Spanien 2008 in eine schwere Wirtschaftskrise stürzte, änderte sich der Blick auf den König. Eine inopportune Elefantenjagd in Botswana 2012, bei der sich der König von seiner „innigen Freundin“, der Deutschen Corinna zu Sayn-Wittgenstein, begleiten ließ, ärgerte viele Spanier so nachhaltig, dass Juan Carlos im Juni 2014 abdankte.

Seitdem ist von ihm in Spanien nicht mehr viel zu hören. Von seiner Frau, Königin Sofía, lebt er angeblich getrennt, eine offizielle Bestätigung dafür gibt es aber nicht. Im Juli 2016 ließ er sich bei einem Ausflug nach Irland in Begleitung einer langjährigen Freundin aus Mallorca fotografieren. Es kümmert kaum noch jemanden.

Gesundheitlich geht es ihm offenbar wieder besser als noch vor ein paar Jahren, die Freizeit verbringt er mit Segeln. Die Politik „verfolge ich aus der Nähe“, sagte er vor kurzem einem Reporter der Zeitung „El País“, aber Einfluss nimmt er allem Anschein nach nicht mehr. Nichts wäre bekannt davon, dass König Felipe noch auf den Rat seines Vaters hörte. Juan Carlos ist ein fast vergessener Privatmann. Einer, der mal König war.