Kommentar Mathias Puddig zum European Song Contest Europa von seiner unterhaltsamsten Seite

Mathias Puddig, Autorenfoto
Mathias Puddig, Autorenfoto © Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Berlin / Mathias Puddig 14.05.2018

Wenn eine dicke Israeli sich einen Kimono in beißenden Rottönen anzieht, wie ein Huhn tanzt und damit einen der wichtigsten Popmusikwettbewerbe der Welt gewinnt, kann man das für schönen Quatsch halten. Das ist es ja auch. Wenn aber der ESC eines bestätigt, dann, dass er eben doch mehr ist.

Gewonnen hat nicht nur eine Sängerin. Vielmehr liefert Netta auch einen fröhlichen Kommentar zur MeToo-Debatte, indem sie für starke Frauen wirbt und dafür, so akzeptiert zu werden, wie man ist. Zudem hat sie im Vorbeigehen jenen Anti-Israel-Aktivisten  den Stinkefinger gezeigt, die sie als Agentin Israels diskreditieren wollten und zum Boykott aufgerufen hatten.

Auch wenn die Veranstalter es immer wieder beteuern, der ESC ist nicht unpolitisch. Immer und immer wieder fand in der Vergangenheit waghalsige Lieder-Diplomatie vor Dutzenden Millionen Zuschauern statt. Zahlreiche Siegertitel der vergangenen Jahre waren zugleich auch Statements: meist für Freiheit, Offenheit und Toleranz – Werte also, für die Europa sowieso in der ganzen Welt wirbt. Einfacher (und unterhaltsamer) kann diese Werbung kaum sein.

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