Umfrage der EU Abschaffung der Sommerzeit – Bürger sind gefragt

Sommerzeit - ja oder nein?
Sommerzeit - ja oder nein? © Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Brüssel / swp/dpa 08.07.2018
Im Frühling eine Stunde weniger schlafen, im Herbst eine mehr: Die Diskussion über Sinn und Unsinn der Zeitumstellung entbrennt immer wieder. Bürger können sich jetzt in Brüssel einschalten.

Europäische Bürger können in den kommenden Wochen der EU-Kommission zur Abschaffung der Zeitumstellung ihre Meinung sagen. Bis zum 16. August sei ein Online-Fragebogen (Link zur Umfrage) freigeschaltet, teilte die zuständige Brüsseler Behörde am Donnerstag mit. Die Bürger könnten darin auch angeben, ob sie im Fall einer Abschaffung Winter- oder Sommerzeit bevorzugten.

Doch eine Abstimmung war zunächst nicht möglich: Vermutlich unter dem Ansturm der Nutzer brach die Seite mit der Online-Abstimmung zusammen und war nicht mehr abrufbar. Am Freitagmorgen hielten die Serverprobleme an.

Das Europaparlament hatte die EU-Kommission im Februar aufgefordert, die entsprechende Richtlinie unter die Lupe zu nehmen. Sollte die Behörde zu dem Schluss kommen, dass die Nachteile der Zeitumstellung überwiegen, könnte sie den EU-Staaten und dem Parlament einen Vorschlag zur Gesetzesänderung unterbreiten.

Zeitumstellung weltweit

Zum ersten Mal auf Sommerzeit umgestellt wurden die Uhren in Deutschland 1916 im Deutschen Reich. In der Weimarer Republik wurden die Versuche wieder verworfen, bevor die Nationalsozialisten die Sommerzeit wieder einführten. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmten die Siegermächte die Zeit in den Besatzungszonen, was zu einem regelrechten Zeit-Chaos führte. In der sowjetischen Besatzungszone orientierte man sich beispielsweise an Moskau. Dort galt von Ende Mai 1945 bis September 1945 die Hochsommerzeit mit einer Zeitdifferenz von zwei Stunden zur mitteleuropäischen Zeit. 1950 wurde diese dann wieder ausgesetzt.

Die Uhrenumstellung in heutiger Form wurde in Deutschland 1980 eingeführt. Nach den Schrecken der Ölkrise 1973 sollte das Tageslicht besser genutzt und Energie eingespart werden.

Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor (von 2 Uhr auf 3 Uhr) und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück (von 3 Uhr auf 2 Uhr).

Auch manche Nicht-EU-Mitgliedstaaten (z.B. Albanien, Schweiz oder Vatikanstadt) und Länder außerhalb Europas (darunter u.a. Marokko, jedoch nicht während des Fastenmonats Ramadan), haben sich verschiedene Staaten der Umstellung der Sommerzeit nach europäischem Vorbild angeschlossen.

Weltweit gibt es keine einheitliche Regelungen, ob und wann in den einzelnen Ländern eine Zeitumstellung stattfindet. Die USA, Kanada und Mexiko haben ihre eigene Sommerzeit, Teile Südamerikas, Afrikas und Asien wenden keine Zeitumstellung an, Neuseeland wiederum schon, sowie einzelne Bundesstaaten in Australien.

Nutzen umstritten

Der Nutzen der Zeitumstellung ist jedoch umstritten. Laut Umweltbundesamt knipsen die Deutschen wegen der Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends seltener das Licht an - im Frühjahr und Herbst wird jedoch morgens mehr geheizt. Das hebt sich gegenseitig auf.

Mediziner sehen zudem Gesundheitsrisiken in der Zeitumstellung. Schlafforscher warnen, empfindsame Menschen könnten Probleme mit dem zeitlichen Hin und Her haben - samt Schlafstörungen und Appetitlosigkeit.

Auch in anderen Bereichen hat die Zeitumstellung Auswirkungen: Beispielsweise brauchen Milchkühe in der Landwirtschaft einige Tage, um sich auf die neuen Melkzeiten einzustellen. Züge, die während der Zeitumstellung unterwegs sind, fahren entweder mit einer Stunde Verspätung zum Zielbahnhof oder werden eine Stunde lang angehalten. Da sich die Luftfahrt nach der Koordinierten Weltzeit (UTC) richtet, sind Flüge von der Umstellung nicht betroffen. Lediglich die Ein- und Aussteigezeit der Passagiere verschiebt sich um eine Stunde.

Umfragen kamen in der Vergangenheit häufig zu dem Ergebnis, dass sich eine Mehrheit der Deutschen die Abschaffung der Zeitumstellung wünscht. In einer repräsentativen Studie des Forsa-Instituts im Auftrag der Krankenkasse DAK sprachen sich erst im März 73 Prozent der Befragten gegen das Umstellen der Uhren aus.

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