Noch fließt der klimaneutrale Treibstoff nur tröpfchenweise aus der Versuchsanlage bei Karlsruhe. Doch in der Zukunft soll der E-Fuel genannte synthetische Kraftstoff - massenweise hergestellt aus Luft und Ökostrom - Lastwagen, Schiffe und Flugzeuge antreiben.

Erstmals hat jetzt eine kompakte Anlage zur Erzeugung von E-Fuel, die alle Produktionsschritte zusammenfasst, im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die Arbeit aufgenommen. Professor Thomas Hirth vom KIT sprach bei der offiziellen Inbetriebnahme der Anlage in Größe eines Schiffscontainers am Mittwoch von der Veredelung erneuerbarer Energien. Die Anlage auf dem KIT-Gelände in Eggenstein-Leopoldshafen am Karlsruher Stadtrand sei weltweit die erste dieser Art, betonten die Projektpartner unter dem Dach des von der Bundesregierung mit Millionen Euro geförderten Kopernikusprojekts.

Der CO2-neutrale Kraftstoff wird in vier Schritten unter Einsatz von Ökostrom hergestellt: Zunächst filtert die Anlage Kohlendioxid (CO2) aus der Luft. Dann werden CO2 und Wasserdampf in Wasserstoff und Kohlenmonoxid gespalten. In der dritten Phase entstehen lange Kohlenwasserstoffketten. Diese werden im vierten Schritt so aufgespalten, dass daraus Benzin, Diesel oder Kerosin hergestellt werden kann.

Die kleine Versuchsanlage hat während der ersten Erprobungen zwar schon ein Fass mit E-Fuel gefüllt, mehr als ein paar Liter am Tag kommen aber nicht zusammen. Das soll sich nach Angaben von Professor Roland Dittmeyer, einem der Macher des Projekts am KIT, schon bald ändern. Die nächste Stufe soll schon 200 Liter am Tag schaffen. Die industrielle Reife wird innerhalb von zehn Jahren angestrebt.

Ein großer Vorteil der verwendeten Technologie sei es, CO2 aus der Luft zu nehmen. „Das hat den Vorteil, dass die Anlagen überall auf der Welt stehen können“, sagte Dittmeyer. So könnte auch abseits der herkömmlichen Versorgungsinfrastruktur mit Solaranlagen Treibstoff erzeugt werden. In Deutschland könnte überschüssiger Ökostrom verwendet werden. Bei kräftigem Wind und Sonnenschein erzeugen Windräder und Photovoltaikanlagen oft viel mehr Strom als gerade verbraucht wird.

Über die zu erwartenden Kosten pro Liter E-Fuel wollen die Projektpartner mit Verweis auf den Beginn der Technologie noch nicht sprechen. Der wichtigste Faktor sei der Strompreis. Peter Müller-Baum vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau sprach von einer industriepolitischen Chance. Es sei wichtig, nicht nur technologisch Weltmarktführer zu sein. Solche Anlagen müssten in Deutschland auch gebaut und betrieben werden. Um E-Fuel zum Durchbruch zu verhelfen, sei ein Preis für CO2 deutlich über den von der Bundesregierung vorgesehenen zehn Euro pro Tonne nötig.

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