Massenstrandung Erneutes Walsterben in Neuseeland

Hilflos waren die Helfer angesichts der am Strand verendenden Grindwale.
Hilflos waren die Helfer angesichts der am Strand verendenden Grindwale. © Foto: Jose Watson/Department of Conservation/dpa
Wellington / Rebecca Jacob/dpa 06.04.2018

Auf der Südinsel Neuseelands sind mehr als drei Dutzend Grindwale gestrandet und zumeist qualvoll verendet. Die 38 Tiere waren an einem einsamen Strand in der Nähe der Gemeinde Haast an der Westküste des Pazifikstaats an Land geraten. Die meisten starben innerhalb weniger Stunden, die letzten zwölf noch lebenden Wale wurden  gestern eingeschläfert.

Die Tiere waren am Mittwoch nahe einer Flussmündung entdeckt worden. Viele trieben bewegungslos im seichten Wasser oder lagen im Sand. Helfer versuchten verzweifelt, die noch lebenden Wale zurück ins Meer zu bugsieren – ohne Erfolg. Die zuständige Meeresschutzbehörde DOC erklärte die Bemühungen schließlich für gescheitert. In Absprache mit Vertretern der dort lebenden Maori-Einwohner wurden die Tiere eingeschläfert.

„Wir haben alles versucht“, sagte DOC-Sprecher Wayne Costello. „Die Helfer haben sie aufgerichtet, sie gekühlt und vor der Sonne geschützt.“ Die schwere See und die Lage der Lagune hätten verhindert, dass die Tiere zurück ins offene Meer gelangten. Costello sprach von einer „schwierigen Entscheidung“. Auch Tierschützer seien beteiligt worden. Grindwale, auch Pilotwale genannt, werden bis zu acht Meter lang und erreichen ein Gewicht von bis zu drei Tonnen.

Experten rätseln

In der Region kommt es immer wieder vor, dass sich Wale an Strände verirren. Erst vor knapp zwei Wochen waren mehr als 150 Wale in einer Bucht südlich der australischen Großstadt Perth gestrandet, die meisten von ihnen Kurzflossen-Grindwale. 2017 hatte es eine Massenstrandung von mehr als 300 Walen gegeben.

Experten rätseln noch, wie es dazu kommt. Laut Anja Gallus, Biologin am Meeresmuseum Ozeaneum im norddeutschen Stralsund, könnte es mit dem charakteristischen Verhalten der Grindwale zu tun haben: „Diese Art ­orientiert sich mithilfe von Echoortung, also akustischen Sig­nalen. In tiefen Gewässer funktioniert das gut – im Flachwasser jedoch gibt es zu viel, das die Laute der Tiere zurückwirft, dadurch wird ihre Navigation gestört.“

Dazu komme, dass Grindwale extrem soziale Tiere seien, die in so genannten Schulen mit über hundert Artgenossen unterwegs seien. Verliere das Leittier die Orientierung, zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung oder auf der Flucht vor Feinden, strande gleich die ganze Gruppe. „Das Leittier stößt dann Hilferufe aus, die die anderen Grindwale anlocken“, erklärt die Biologin.

Umweltverschmutzung oder Einflussnahme durch den Mensch ist laut Gallus keine Ursache für die Massenstrandungen: „Zwar ist der kommerzielle Tintenfischfang eine indirekte Bedrohung für den Fortbestand der Grindwale, aber wohl nicht für die Strandungen verantwortlich.“ )

Der Mensch als größte Bedrohung

Grindwale gehören eigentlich zu den Delfinen. Der Name stammt aus dem Färöischen, auf Deutsch nennt man sie auch Pilotwale. Täglich benötigt ein erwachsenes Tier rund 50 Kilogramm Nahrung, vor allem Tintenfische und andere Kopffüßer. Grindwale wurden einst intensiv bejagt, viele Bestände brachen zusammen. Heute ist die Verschmutzung der Meere eine große Gefahr, weil sich in den Organen und der Speckschicht der Tiere viele Umweltgifte anreichern. rej/dpa