Recep Tayyip Erdogan ist der aktuell amtierende Präsident der Türkei. Sowohl im In- als auch im Ausland ist er eine umstrittene Figur. Während die einen seine konservative Haltung teilen, kritisieren andere seinen zunehmend autoritären Führungsstil. Voraussichtlich am 14.03.2023 finden in der Türkei wieder Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt, und zwar auf Handeln des Präsidenten viel früher als eigentlich üblich. Dabei ist seine eigene Kandidatur rechtlich umstritten.
Doch wie begann die politische Karriere des amtierenden Präsidenten Erdogan überhaupt? Wie ist er privat? Hat er Frau und Kinder? Wir stellen euch den Politiker im Porträt vor.

Recep Tayyip Erdogan: Alter, Geburtsort, Ehefrau

  • Name: Recep Tayyip Erdogan
  • Geburtstag: 26. Februar 1954
  • Geburtsort: Istanbul, Türkei
  • Wohnort: Istanbul
  • Alter: 68 Jahre
  • Größe: 1,85 m
  • Beruf: Politiker
  • Ehefrau: Emine Erdogan (verheiratet seit 4. Juli 1978)
  • Kinder: zwei Söhne (Ahmet Burak und Necmeddin Bilal) und zwei Töchter (Esra und Sümeyye)
  • Mutter: Tenzile Erdogan
  • Vater: Ahmet Erdogan
  • Geschwister: drei Brüder und eine Schwester
  • Vermögen: Geschätzt 6,3 Millionen Euro (laut focus.de)

Erdogan privat: Familie und Leben

Erdoğan ist der Sohn von Ahmet und Tenzile Erdoğan. Er entstammt nach eigener Aussage einer aus Batumi immigrierten georgischen Familie aus Rize im Nordosten der Türkei. Die Familie ließ sich im Großraum Istanbul nieder. Der Vater war Seemann und arbeitete als Küstenschiffer und auch bei der türkischen Küstenwache. Seinen Sohn benannte er nach seinem Geburtsmonat Recep, dem siebten Monat des islamischen Kalenders. Sein zweiter Name wurde Tayyip, der Name des Großvaters.
Erdoğan wurde im alten Istanbuler Hafenviertel Kasımpaşa (Stadtteil Beyoğlu) geboren. Er wuchs mit drei Brüdern, einer Schwester und seinem Cousin Danny „Talât“ Torosoğlu dort und in Rize auf.
Erdoğan heiratete am 4. Juli 1978 Emine Erdoğan, das Paar hat zwei Söhne, Ahmet Burak und Necmeddin Bilal, und zwei Töchter, Esra und Sümeyye. Die Töchter haben in den USA studiert.

Die politische Karriere von Recep Tayyip Erdogan

Nach der Grundschule wurde Erdogan von seinem Vater auf eine Religionsschule geschickt. Er galt als eifriger Koranschüler und schloss die Ausbildung mit einem Fachabitur für Imame ab. Neben seiner Begeisterung für den Koran entdeckte er in dieser Zeit jedoch auch sein Redetalent: Die politische Karriere von Recep Tayyip Erdogan nahm ihren Lauf.
Sein erstes politisches Amt war die Position eines Vorstands in der Nachfolgepartei der „Nationalen Heilspartei“ (MSP), welche der religiös-konservativen Rechten zugeordnet wird. 1994 wurde er zum Oberbürgermeister von Istanbul gewählt. Das türkische Verfassungsgericht verbot 1998 die damalige Partei Erdogans, da ihr Sympathien zum Dschihad und zur Einführung der Scharia vorgeworfen wurden. Erdogan wurde damals wegen „Aufstachlung der Bevölkerung zu Hass und Feindschaft“ zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt. Allerdings wurde er nach Eintritt in die Haft 1999 nach vier Monaten wieder entlassen.
Im Jahr 2001 gründete er mit anderen ehemaligen Mitgliedern einer weiteren Nachfolgepartei der MSP die „Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung“ (AKP). Mit der AKP gelang es Erdogan, hohe politische Ämter zu übernehmen. Im Jahr 2003 wurde er zum Ministerpräsidenten, 2014 wechselte er in das Amt des Staatspräsidenten, welches er seitdem innehat.

Ein autoritärer Herrscher: Die politischen Positionen Erdogans

Mit seinem Eintritt in das Amt des Präsidenten der Türkei begannen Erdogans Bemühungen, die Kompetenzen dieses Amtes auszuweiten. Ein wichtiger Schritt war hier die Volksabstimmung zur Verfassungsänderung von 2017. Bei dieser Verfassungsänderung ging es vor allem darum, dem Präsidenten mehr Exekutivbefugnisse und einen stärkeren Einfluss auf die Justiz zuzugestehen. Diese Verfassungsänderung bedeutete auch die Änderung der Regierungsform der Türkei von einem Parlamentarischen Regierungssystem hin zu einem Präsidialsystem. Nach offiziellen Angaben stimmten 51 Prozent der Bürgerinnen und Bürger der Türkei für die Änderung – ein Ergebnis, welches von der Opposition angezweifelt wurde. Der Vorwurf des Wahlbetrugs stand im Raum, Neuwahlen wurden nicht durchgeführt.

Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit

Seit mittlerweile über zehn Jahren wird von der zunehmenden Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei unter Präsident Erdogan berichtet. Die Organisation Reporter ohne Grenzen führte Erdogan auf ihrer Liste der „Feinde der Pressefreiheit 2016“ und berichtete damals die Türkei gehöre zu einem der Länder mit den meisten inhaftierten Journalisten weltweit.

Völkermord an den Armeniern

Nach Ansicht von Erdogan habe es keinen Völkermord an den Armeniern gegeben. Er verneint, dass die Massaker ab 1915 wirklich geschehen seien und ließ im Jahr 2011 sogar ein Denkmal abreißen, welches zur Versöhnung zwischen der Türkei und Armenien aufrufen sollte.

Schwangerschaftsabbruch und Frauenbild

Im Jahr 2014 sprach sich Erdogan öffentlich gegen eine vollständige Gleichstellung von Mann und Frau aus. 2016 argumentierte in einer im Fernsehen übertragenen Rede, Verhütung würde dem „Werk Gottes“ im Wege stehen und „keine muslimische Familie sollte so etwas tun“. 2021 trat die Türkei durch ein Dekret von Erdogan aus dem im Jahr 2014 in Istanbul beschlossenem Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt aus. Die Begründung war, dass das Dekret der Einheit der Familie schaden und Scheidungen fördern würde.

Erdogan vor den Wahlen 2023

Über das Parlament und den Präsidenten wird am 14.05.2023 abgestimmt. Die nächsten Parlamentswahlen in der Türkei waren offiziell für den 18. Juni angesetzt, Erdogan hatte die Wahl erst kürzlich vorgezogen, dabei ist seine Kandidatur bei den Wahlen rechtlich umstritten.
Erdogan hatte angekündigt, die für Juni geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen auf den 14. Mai vorzuziehen. Er danke Gott dafür, dass er die Wahl, die am 14. Mai stattfinde, mit den Erstwählern als Weggefährten bestreiten werde, so Erdogan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu bei einem Treffen mit jungen Wählern im westtürkischen Bursa. Die Wahlen waren offiziell für den 18. Juni angesetzt. Erdogan erklärte, man habe sich mit dem Koalitionspartner auf eine Anpassung des Zeitplans geeinigt, um die Termine für die Schulprüfungen nicht zu stören.
Die Wahlen gelten als Bewährungsprobe für Erdogan, der seit 20 Jahren an der Macht ist, denn Umfragen zufolge ist Erdogans Wiederwahl alles andere als sicher.