Ein Erdbeben der Stärke 6,1 hat am späten Donnerstagabend (Ortszeit) den Großraum Tokio erschüttert. Eine Tsunami-Gefahr bestehe nicht, wie die nationale Meteorologische Behörde bekanntgab. Berichte über mögliche Verletzte oder Schäden gab es zunächst nicht. Auch aus dem abgeschalteten Atomkraftwerk Tokai Nummer Zwei in der Tokioter Nachbarprovinz Ibaraki habe es keine Berichte über Unregelmäßigkeiten gegeben, meldete der Fernsehsender NHK am Abend. Die Bewohner wurden vor möglichen Nachbeben gewarnt.
Der Erdstoß brachte Häuser in Tokio und umliegenden Gebieten ins Schwanken. Der Betrieb von Hochgeschwindigkeitszügen wurde vorübergehend unterbrochen. Auch gab es Berichte über Fahrstühle, die stehen geblieben sind. Schon kurz nach dem Erdstoß zeigten Live-Bilder des japanischen Fernsehens jedoch normale Straßenszenen am späten Abend - auch die Verkehrsampeln funktionierten. Das asiatische Inselreich Japan ist eines der am stärksten erdbebengefährdeten Länder der Welt. Das Epizentrum des Bebens lag in der Tokioter Nachbarprovinz Chiba, wie die Meteorologische Behörde weiter bekanntgab.
 Der japanische Premierminister Fumio Kishida spricht zu Reportern, nachdem ein Erdbeben mit einer vorläufigen Stärke von 6,1 die Region Tokio erschüttert hatte.
Der japanische Premierminister Fumio Kishida spricht zu Reportern, nachdem ein Erdbeben mit einer vorläufigen Stärke von 6,1 die Region Tokio erschüttert hatte.
© Foto: kyodo/dpa
Der erst in dieser Woche zum Regierungschef gewählte Fumio Kishida rief die Menschen im Onlinedienst Twitter auf, "Maßnahmen zu ergreifen, um Ihr Leben zu schützen". Gleichzeitig sollten die Menschen die "aktuellen Informationen" der Behörden im Blick behalten. Zuvor waren die Bewohner der betroffenen Region über Warnmeldungen auf ihren Handys vor dem Erdbeben gewarnt worden.

Warum Japan häufig von Erdbeben erschüttert wird

Japan liegt auf dem "Pazifischen Feuerring" mit intensiver seismischer Aktivität und wird regelmäßig von Erdbeben getroffen. Erst in der vergangenen Woche hatte ein Beben der Stärke 6,1 die Nordwestküste des Landes erschüttert. Schäden gab es nicht.
Wegen der hohen Erdbebengefahr gelten in Japan äußerst strenge Bauvorgaben, die Häuser auch vor starken Erschütterungen schützen sollen. Bis heute werden aber viele Japaner von der Erinnerung an das schwere Erdbeben heimgesucht, das vor gut zehn Jahren die verheerende Tsunami- und Reaktorkatastrophe von Fukushima zur Folge hatte. Durch den Tsunami kamen etwa 18.500 Menschen ums Leben.