Wilhelmshaven Ende einer Irrfahrt auf hoher See

Der schwer beschädigte Containerfrachter MSC "Flaminia" ist in Wilhelmshaven eingetroffen. Jetzt suchen Experten nach der Ursache des Brands vom Juli. Foto: dpa
Der schwer beschädigte Containerfrachter MSC "Flaminia" ist in Wilhelmshaven eingetroffen. Jetzt suchen Experten nach der Ursache des Brands vom Juli. Foto: dpa
Wilhelmshaven / DPA 11.09.2012
Die havarierte "Flaminia" hat einen sicheren Hafen erreicht. Nach wochenlanger Odyssee machte sie in Wilhelmshaven fest. Über den Inhalt der rund 150 Gefahrgut-Container schweigt sich die Reederei aus.

. Die riesigen Container liegen kreuz und quer an Deck verstreut, vom Ruß dunkel verfärbt. Eine Schneise der Verwüstung zieht sich über den gesamten Mittelteil der "Flaminia". Hier hat die Feuersbrunst gewütet. Sechs Schlepper bugsieren das stark beschädigte Schiff am Sonntagabend vorsichtig an den Anleger in Wilhelmshaven. Nach wochenlanger Odyssee hat er endlich einen sicheren Hafen erreicht.

An Bord sind 151 Gefahrgut-Container. Was genau darin ist, verschweigen die Verantwortlichen allerdings. Der Inhalt der Gefahrgut-Container auf der havarierten "Flaminia" bleibt auch nach der Ankunft des Frachtschiffs in Deutschland unter Verschluss. Die Havarieexperten haben nach eigenen Angaben zwar Originaldokumente über die Ladung, dürfen diese Liste jedoch nicht ohne Zustimmung des Reeders NSB aus Buxtehude veröffentlichen.

Von den Gefahrgut-Containern geht nach erster Einschätzung deutscher Sicherheitsexperten indes keine akute Bedrohung der Umwelt aus. "Es tritt aus diesem Schiff nichts aus. Das war auch Voraussetzung für die Fahrt durch deutsche Gewässer, um die Bevölkerung und das Wattenmeer zu schützen", betonte der Leiter des Havarie-Kommandos, Hans-Werner Monsees. Bedenken von Anliegern und Umweltschützern seien unbegründet.

Mitte Juli hatte die "Flaminia" auf dem Atlantik Feuer gefangen. Container mit Gefahrgut verbrannten, Explosionen erschütterten den Laderaum. Ein Seemann kam ums Leben, ein anderer wird vermisst. Großbritannien und Frankreich weigerten sich, den Frachter in einen ihrer Häfen einlaufen zu lassen. Wochenlang trieb er auf dem Ozean. Ein Streit um seine Bergung entbrannte. Schließlich entschied das Havariekommando, dass die "Flaminia" in den JadeWeserPort kommen sollte. Schlepper mussten sie durch den Ärmelkanal bis in den Jadebusen bringen - mitten durch das zum Weltnaturerbe zählende Wattenmeer. Gestern wollte sich das Havariekommando erstmal ein genaues Bild von der Lage an Bord machen. Ein Expertenteam hatte bereits Proben genommen. Erst wenn sie ihre Arbeit beendet haben, können die Container und das mit Giftstoffen belastete Löschwasser entsorgt und das Schiff entladen werden.