Glosse Einmal Weichtier sein

Nichtstun kann auch sinnvoll sein, bei Menschen und bei Weichtieren.
Nichtstun kann auch sinnvoll sein, bei Menschen und bei Weichtieren. © Foto: ©alexandre zveiger - Fotolia.com
Ulm / Ulrike Sosalla 14.09.2018

Sie kennen das: Diese wohlige Faulheit, der innere Drang Richtung Hängematte – kurz: angenehmer Müßiggang, wie ihn sich die meisten von uns nur im Urlaub leisten. Wenn überhaupt.

Und warum? Weil uns von klein auf eingeredet wird, dass Faulheit der Welten Verderbnis ist. Eltern, Lehrer, Vorgesetzte und der fitness-industrielle Komplex, sie alle ruhen nicht, bis auch der letzte Faulenzer begriffen hat, dass nur Anstrengung und Bewegung zu Geld und einem langen Leben führen. Doch haben wir nicht immer geahnt, dass das vielleicht gar nicht stimmt? Nun verdichten sich die Indizien: Wer faul ist, hilft seiner Spezies beim evolutionären Überleben. Jedenfalls, wenn er ein Weichtier ist. Meeresschnecken, Muscheln und Tintenfische dienen nach Ansicht von Evolutionsbiologen der Universität von Kansas der Erhaltung ihrer Art am besten, wenn sie nicht ihre ganze Energie im Alltag verbrauchen. Arten, die so viel Energie verbrauchen, wie sie aufnehmen, starben signifikant häufiger aus als jene, die mit einem Überschuss durchs Leben gehen.

Das wirft nicht nur ein ganz neues Licht auf die Faulheit, sondern auch auf diese Speckröllchen, die uns immer so ärgern. Sind die am Ende gar kein Zeichen mangelnder Ernährungsdisziplin, sondern ein wertvoller Beitrag zum Überleben der Menschheit? Um über solche Fragen nachzudenken, gibt es eigentlich nur einen geeigneten Ort: eine Hängematte. 

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