Nürnberg Ein "Tatort"-Team mit Humor

Nürnberg / MARLENE MÜLLER 12.09.2014
Zurzeit laufen die Dreharbeiten für den Franken-"Tatort". Statt Action will er Tiefgang und hintergründigen Humor zeigen. In den Hauptrollen: die beiden Norddeutschen Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel.

Ein Mann mit schwarzem Anzug und Koffer läuft über die Pflastersteine. Sein Blick: neugierig. Offensichtlich ist er in einer fremden Stadt. Und geht direkt aufs Polizeipräsidium zu. "Schnitt! Gleich noch mal, die Sonne geht schon unter." Regisseur Max Färberböck treibt die Crew am Set zur Eile an. Hier entsteht gerade ein "Tatort", das erste Mal in Franken.

Der Mann im schwarzen Anzug ist Schauspieler Fabian Hinrichs (39). Er kommt aus einer Polizistenfamilie. Sein Vater war einer und sein Bruder ist es. Hinrichs selbst aber wollte nie zur Polizei: "Ich hab eine polizeikritische Biografie", sagt er. Und ergänzt: "Ich sehe aber die Notwendigkeit der Polizei ein." Beste Voraussetzungen also, um TV-Kommissar zu werden.

Der "Tatort" aus Franken soll tiefgründig und emotional werden. Es wird keine Action geboten - oder Klamauk wie etwa beim Duo Axel Prahl und Jan Josef Liefers in Münster. Stattdessen ist hintergründiger Humor die Spezialität der Franken. "Das passt auch hier her", sagt Redakteurin Stephanie Heckner vom Bayerischen Rundfunk (BR). In der ersten Folge geht es durchaus gewagt zu: Ein Universitätsprofessor wird beim Liebesspiel in seinem Auto durch zwei Kopfschüsse getötet. Als die Polizei eintrifft, stehen beide Wagentüren offen. Die Person, die mit ihm Auto war, ist verschwunden.

Wieso wurde der Professor ermordet, warum in so einer pikanten Situation? Für den Fall sind die Ermittler in Nürnberg und Erlangen unterwegs. Der BR gönnt sich einen zweiten "Tatort" zusätzlich zum Münchner. Für die Produktion einer Krimi-Folge lässt er 1,5 bis 1,7 Millionen Euro springen.

Obwohl die Filmemacher der Region Franken gerecht werden wollen, haben sie die Hauptrollen mit zwei Norddeutschen besetzt. Neben dem Hamburger Hinrichs ist das die Berlinerin Dagmar Manzel (56). Man habe Schauspieler gesucht, die bundesweit bekannt sind, heißt es beim BR.

Hinrichs dürfte vor allem aus dem Oscar-nominierten Drama "Sophie Scholl" (2005) bekannt sein, in dem er Hans, den Bruder von Sophie, spielte. Auch in einem "Tatort" hat er schon mitgewirkt: Als schrulliger Assistent der Münchner Ermittler musste er jedoch nach rund 60 Minuten sterben. Prompt bildete sich im Internet eine Fangemeinde, die die Rückkehr von "Assistent Gisbert" forderte.

Hinrichs gibt sich bescheiden: "Bei mir ist das eher so, dass die Leute nicht genau wissen, woher sie mich kennen." Aus dem Flugzeug, von einem Kongress, aus der Schule? "Wenn sie mich fragen: ,Sind Sie Schauspieler?, dann sag ich meistens ,Nein."

Schauspielkollegin Manzel ist wie Hinrichs auf der Bühne groß geworden. Nach Engagements in Dresden und Berlin spielte sie unter anderem im Kinofilm "Die Unsichtbare" (2011), für den sie den Deutschen Filmpreis Lola erhielt. Die Figur der Hauptkommissarin habe Regisseur Max Färberböck auf sie zugeschnitten, erzählt sie. Bodenständig und direkt wird sie sein.

Die Kollegen, die die Hauptkommissare unterstützen, sind "echte" Franken: Eli Wasserscheid und Andreas Leopold Schadt (beide 36). Zu ihrer Freude dürfen sie im Film ihrem Dialekt frönen: "Das ist echt cool, dass wir Fränkisch sprechen dürfen", sagt Schadt - übrigens in verständlichem Hochdeutsch.

Durchweg fränkelnd erlebt man Kabarettist Matthias Egersdörfer (44), bekannt für seine cholerischen Auftritte. Er wird Leiter der Spurensicherung. "Die meisten Krimis im Fernsehn versteh ich ned", sagt er. Das Drehbuch habe er seiner Frau gegeben, damit sie ihm erkläre, warum der Mörder denn die Tat begangen habe.

Bis auch die Zuschauer erfahren, wer der Mörder ist, wird noch einige Zeit vergehen: Die erste Folge des Franken-"Tatort" soll Anfang 2015 laufen. Bis dahin findet sich Hinrichs dort vielleicht besser zurecht. Vor den Dreharbeiten beschloss er, sich der fränkischen Mentalität auf seine eigene Weise zu nähern: "Ich bin Biertrinker. Also habe ich mich entschlossen: Ich werde mich übers Bier annähern."

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