Die Deutschen und ihre europäischen Nachbarn zieren sich noch: Dusch-WCs warten auf ihren Durchbruch, während sie in einigen asiatischen Ländern längst zum Standard im Bad gehören. Aber es gibt inzwischen kaum einen namhaften Badeinrichter, der nicht auch Toiletten mit integrierter Intimdusche oder entsprechenden Sitzgarnituren für die Schüssel zum Aufbauen anbietet, wie sich auf der ISH, der Weltleitmesse für Badezimmer, Heiz- und Klimatechnik in Frankfurt zeigte.

Dusch-WCs, auch als Washlets bekannt, sind eine Mischung aus Toilette und Bidet. Sie duschen nach dem Toilettengang den Intimbereich ab. Richtung, Stärke, Massage-Art und Temperatur des Wasserstahls lassen sich meist individuell regeln. Dann wird geföhnt. Einstellen lässt sich das über eine Wand- oder Fernbedienung, teils werden individuelle Nutzerprofile gespeichert. Mancher Hersteller treibt die Vernetzung des Smart Homes auch in diesem Bereich voran: Über eine App auf dem Smartphone sollen zum Beispiel Benutzer der Dusch-WCs AquaClean Tuma, Mera Classic und Mera Comfort von Geberit künftig ihre Toilettenhygiene steuern können. Und sie könnten damit sogar ihre abgespeicherten Vorlieben in Hotel-Badezimmern mit dem passenden Dusch-WC abrufen.

Das klingt für Europäer etwas speziell. Doch Kirsten Wienberg, Chef-Produktentwicklerin bei Villeroy & Boch, erwartet, dass das nicht so bleibt: „Dusch-WCs werden immer beliebter und sind bereits heute Bestandteil vieler hochwertig ausgestatteter Bäder.“ Ähnliches hört man beim japanischen Hersteller Toto, der in den 1980er Jahren das Washlet in Asien bekannt machte: „Es findet im Fachhandel und beim Handwerk immer mehr Beachtung. Es gibt schon keine gute Badausstellung mehr, die nicht mindestens ein oder zwei Dusch-WCs zeigt“, sagt Hubertus Brüggemann, Vertriebsleiter bei Toto Europe.

Nun gibt es aber Gründe, warum hierzulande die WC-Variante noch ein Nischenprodukt ist. Einer davon ist das Design. Die üblichen Modelle haben – zum asiatischen Geschmack passend – eine eher klobige Form, und vor allem ist viel Technik sichtbar. Dies konnte bisher in Europa nur schwer überzeugen, sagt Wienberg von Villeroy & Boch. „Japanische Dusch-WCs sind überdimensioniert und mit Technik vollgestopft, in Europa will man aber formschöne Toiletten haben“, sagt auch Grohe-Vorstandschef Michael Rauterkus.

Einige Neuvorstellungen auf der ISH beherzigen das: Villeroy & Boch erweitert seine ViClean-Serie, die bisher aus separaten Dusch-WC-Aufsätzen für Keramik-WCs bestand, um ein komplettes Dusch-WC. Bei ViClean-I 100 soll es bei geschlossenem Deckel kaum einen Unterschied zur normalen Schüssel geben. Das gelingt, da die Technik nicht im Sitz, sondern in der Keramik steckt.

Auch Grohe setzt beim neuen Modell Sensia Arena auf schlankes Design. Und die Designer verzichten für Europa bewusst auf viele technischen Spielereien wie die Sitzheizung oder musikalische Untermalung beim Toilettengang. Das komme in Asien an, hierzulande aber eher nicht, betont Rauterkus.

Einen anderen Weg wählt Duravit. Die Firma bietet die Möglichkeit, normale Toilettenmodelle mit einer entsprechenden Sitzgarnitur zur Intimdusche mit betont dünnem Deckel namens SensoWash Slim aufzurüsten. Das ist auch an der neuen Keramik Vero Air mit ungewöhnlicher eckiger Außenform möglich.

Aber es gibt ein Hindernis, warum Dusch-WCs bislang auf ihren Durchbruch auch bei uns warten: Skepsis gegenüber der oft noch nie ausprobierten Intimdusche. Aber Branchenexperten wie Stefan Seitz, Leiter Brandmanagement der ISH, sagen: „Die Endkunden haben zwar eine gewisse Scheu, aber wenn sie es erst ausprobiert haben, will keiner mehr das Dusch-WC missen.“ Und Grohe-Chef Rauterkus berichtet sogar, „Nutzer sprechen von einem kurzen Spa-Gefühl durch die Intimwäsche“.

Allerdings hat die Technik – noch – ihren Preis. Laut Martina Frick von der Vereinigung Aqua Cultura sind die Modelle mindestens 1500 Euro teurer als übliche Toiletten. Doch den Erwartungen der Hersteller und Branchensprecher zufolge soll ein wachsender Markt das regeln: Mehr Angebote und mehr Anbieter senken die Preise.

Wobei selbst einige der ISH-Aussteller betonen, sie müssten den Menschen Zeit geben, umzusteigen: „Sich mit warmem Wasser zu reinigen anstatt Toilettenpapier zu nutzen, scheint zwar irgendwie naheliegend, ist aber eine Umstellung. Das ist ein Prozess, der Zeit braucht“, sagt Toto-Vertreter Brüggemann. Und er ergänzt: „Auch in Japan, wo 75 Prozent der privaten Haushalte mittlerweile ein Washlet haben, hat es 20 Jahre gebraucht, bis sich die Gewohnheiten geändert haben.“

Meist ist die Umstellung auch erst möglich im Zusammenhang mit einer Sanierung des Bades – denn die Dusch-WCs brauchen Stromanschlüsse.