Lichtenberg DNA-Abgleich: Gefundene Knochenreste stammen von Peggy

PATRICK GUYTON 06.07.2016
Die in einem Waldstück in Thüringen gefundenen Knochenreste stammen definitiv von der vermissten Schülerin Peggy. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Gera am Dienstag nach einem DNA-Abgleich mit.

Nun ist es sicher, und die oberfränkische Stadt Lichtenberg hat immerhin etwas Klarheit nach dem Verschwinden der neunjährigen Peggy vor eineinhalb Jahrzehnten: Die Teile der  Leiche, die ein Pilzsammler am Samstag im thüringischen Rodacherbrunn gefunden hat, sind die sterblichen Überreste von Peggy Knobloch. Das hat die Staatsanwaltschaft Gera gestern mitgeteilt. Die gefundenen Knochen des Kindes waren bei der Gerichtsmedizin Jena auf ihre DNA untersucht worden; sie stammt von Peggy. Der Fundort ist 15 Kilometer von Peggys Wohnhaus entfernt.

 Das Mädchen war am 7. Mai 2001 auf dem kurzen Heimweg von der Schule verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Seit 15 Jahren kommen Peggys getrennt lebende Eltern und die Stadt nicht mehr zur Ruhe. Die Mutter hatte das Kind bisher nicht für tot erklären lassen.

„Das hat mich jetzt alles total überrascht, das ist ja ein urplötzlicher Zufallsfund“, sagt der Buch-Autor Christoph Lemmer, der über Jahre akribisch an dem Fall recherchiert und ein Buch darüber geschrieben hat.

Staatsanwaltschaft und Polizei machten gestern aus ermittlungstaktischen Gründen keine weitere Angaben. So ist nur bekannt, dass in dem Waldstück in Rodacherbrunn auch Gegenstände von Peggy gefunden wurden. „Die möglichen Täter lesen auch Zeitung und schauen Fernsehen“, sagte der Bayreuther Oberstaatsanwalt Herbert Potzel. Am Vortag hatten die Behörden gesagt, dass der Fundort der Leiche nicht der Tatort ist.

Experte Lemmer hält zumindest den 2004 verurteilten und 2014 freigesprochenen Ulvi K. nicht für den Täter. Ulvi K. (heute 38)  ist ein geistig behinderter Mann aus Lichtenberg. Er hatte vor dem Verschwinden Peggys einen Jungen sexuell missbraucht. K. hatte ein Geständnis abgelegt und später widerrufen. Wegen der vielen Ungereimtheiten hatten sich Teile der Bevölkerung mit ihm solidarisiert und eine Bürgerinitiative gegründet. Nach Gefängnis und Psychiatrie lebt K. heute in einem Behindertenwohnheim.

Nun geraten wieder die anderen Verdächtigen ins Visier der auf 30 Kräfte aufgestockten Soko „Peggy“ – wenngleich laut Staatsanwaltschaft Bayreuth derzeit gegen niemanden ermittelt wird. Ein Nachbar von Peggy und ihrer Mutter war wegen einer Sexualstraftat vorbestraft. 2013 grub die Polizei in seinem Garten auf der Suche nach Knochen von Peggy – ohne Ergebnis. Weiter war gegen einen Bekannten von Peggys Familie aus Halle ermittelt worden, der später wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Jetzt hoffen die Ermittler, durch das Entdecken der Leiche und Gegenstände den Täter zu finden. Nach zahlreichen Pannen bei den ersten Ermittlungen ist sich Christoph Lemmer sicher: „Die Polizei wird sich keine weiteren Blößen geben.“

Der DNA-Abgleich

Die DNA-Analyse ist für Ermittler bei der Aufklärung von Gewaltverbrechen eines der modernsten und erfolgreichsten Instrumente. Für den sogenannten genetischen Fingerabdruck eines Menschen werden Teile der menschlichen Erbsubstanz Desoxyribonukleinsäure (DNA) untersucht. Die Experten können diesen individuellen Abdruck auch Jahrzehnte nach der Tat aus winzigen Spuren von Blut, Sperma, Schuppen, Knochen oder Haaren erstellen und abgleichen.

Seit 1998 arbeiten die deutschen Behörden mit einer zentralen DNA-Analyse-Datei, die beim Bundeskriminalamt (BKA) eingerichtet wurde. Sie enthält mehr als eine Million Datensätze, wodurch inzwischen mindestens jede dritte Spur dem entsprechenden „Spurenleger“ zugeordnet werden kann. Mehr als 170 000 Treffer feiert das BKA inzwischen, besonders bei Diebstahls-, Raub-, Erpressungs-, Sexual- und Tötungsdelikten.dpa