Staffordshire-Terrier-Angriff Kampfhunde: Regelung in Baden-Württemberg

Ulm / dna 05.04.2018
Nach dem Tod zweier Hundebesitzer wird wieder über Kampfhunde debattiert. Welche Rassen werden als gefährlich eingestuft?

Ein Kampfhund hat in einer Wohnung in Hannover vermutlich seine Besitzer totgebissen, eine Mutter und ihren Sohn. „Nach ersten Untersuchungen durch einen Rechtsmediziner wurden die 52-Jährige und ihr 27-jähriger Sohn offenbar von dem Hund getötet“, schrieb die Polizei in Hannover am Mittwoch in einer Mitteilung. Die Hintergründe der Tragödie sind noch unklar.

Rasse gilt in Baden-Württemberg als Kampfhund

Nach Angaben des Tierheims handelt es sich bei dem Hund um einen Staffordshire-Terrier-Mischling. In Baden-Württemberg werden Bullterrier, American-Staffordshire-Terrier und Pitbull-Terrier grundsätzlich als Kampfhunde eingestuft. Laut Kampfhundeverordnung gelten in Baden-Württemberg Tiere als Kampfhunde, „bei denen aufgrund rassespezifischer Merkmale, durch Zucht oder im Einzelfall wegen ihrer Haltung oder Ausbildung von einer gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren auszugehen ist.“

Neun weitere Rassen haben laut Verordnung ebenfalls Eigenschaften von Kampfhunden: Bullmastiff, Staffordshire Bullterrier, Dogo Argentino, Bordeaux Dogge, Fila Brasileiro, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Mastiff, Tosa Inu. Tieren dieser Rassen müssen jedoch Anhaltspunkte auf eine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit nachgewiesen werden.

In Baden-Württemberg gilt für Kampfhunde eine Leinen- und Maulkorbpflicht, sobald die Tiere älter als sechs Monate sind. Wird gegen diese Verordnung verstoßen, droht ein Bußgeld von bis zu 25.565 Euro.

Bayern: Aufzucht- und Importverbot

Bundeseinheitliche Regelungen für den Umgang mit potenziell gefährlichen Hunderassen gibt es nicht. Stattdessen regelt jeden Bundesland den Umgang mit Kampfhunden selbst.

In Bayern werden sogar fünf Rassen grundsätzlich als „Kampfhunde“ eingestuft: Staffordshire-Bullterrier, American-Staffordshire-Terrier, Pitbull, Bandog und Tosa Inu.

Diese Rassen dürfen im Freistaat laut Kampfhunde-Verordnung werder gezüchtet, noch ins Bundesland eingeführt werden. Wer einen solchen Hund in Bayern halten möchte, braucht eine amtliche Erlaubnis, die laut Polizei nur „in Ausnahmefällen“ erteilt wird.

Niedersachsen: Hundeführerschein ist Pflicht

In Niedersachsen müssen Hundehalter beispielsweise seit einigen Jahren einen Hundeführerschein machen, wenn sie sich ein Tier neu anschaffen. Der sogenannte Sachkunde-Nachweis besteht aus einer theoretischen Prüfung vor Beginn der Hundehaltung und einem Praxistest im ersten Haltungsjahr. Ziel des Führerscheins ist es auch, die Zahl der Attacken von Hunden zu reduzieren.

Dass Hunde Menschen tot beißen, kommt nach Experteneinschätzung sehr selten vor. In den meisten Fällen zeigten Hunde aggressives Verhalten, wenn sie mit sehr viel Druck und Gewalt erzogen worden seien, sagt Dunia Thiesen-Moussa, die an der Tierärztlichen Hochschule Hannover für Wesenstests bei Hunden zuständig ist. Diese Tests werden von den Veterinärämtern angeordnet, wenn ein Hund einen Menschen verletzt hat und deshalb Anzeige erstattet wurde.

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