Fernsehen Die TV-Karriere von Urmel, Mikesch und Co.

Augsburg / Martin Weber 23.01.2018

Der putzige Drache Urmel, der schlaue Kater Mikesch und natürlich Jim Knopf und sein Freund Lukas, der Lokomotivführer: Die Stars der „Augsburger Puppenkiste“ ließen früher Kinderherzen höher schlagen. Vor 65 Jahren wackelten die liebenswerten Holzköpfe der Marionettenbühne zum ersten Mal über den Bildschirm und begeisterten in der Folgezeit kleine wie große Zuschauer. Die ungelenken, aber charaktervollen Faden-Figuren sind mittlerweile zwar etwas aus der Mode gekommen, haben sich aber tief ins kollektive Gedächtnis vor allem der Generation eingeprägt, die in den sechziger und siebziger Jahren groß geworden ist.

Die Gründung der Puppenkiste liegt im Februar 70 Jahre zurück; die TV-Erfolgsgeschichte der legendären Holzköpfe begann knapp fünf Jahre später, im Januar 1953, mit einer Übertragung von „Peter und der Wolf“. Ein Mitarbeiter des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks hatte die Figuren zuvor auf einer Ausstellung gesehen und gleich als Attraktion für das noch junge TV-Programm angeheuert.

Weil die Aufzeichnungstechnik damals noch in den Kinderschuhen steckte, tanzten die Puppen bei der Premiere vor 65 Jahren anders als bei den meisten Sendungen später sogar live über den Bildschirm.

Rasch mauserten sich die Auftritte der Marionetten aus Augsburg zu den beliebtesten Kindersendungen im deutschen Fernsehen. Jedes Jahr wurden viele neue Abenteuer eingespielt, und so entstanden bis in die 90er Jahre in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk (HR) dutzende der phantasievollen und witzigen TV-Produktionen.

Dabei tänzelten im Ersten so legendäre Gestalten wie Jim Knopf (1961 schwarzweiß und 1976 in Farbe), Kater Mikesch (1964), Räuber Hotzenplotz (1967), der Drache Urmel (1969) oder Erdmännchen-König Kalle Wirsch (1970) durchs Programm. In den 80er Jahren wurde es dann merklich ruhiger um die Augsburger Puppenkiste, in den 90ern verschwand sie nach unüberbrückbaren künstlerischen Differenzen zwischen dem 1948 von Walter Oehmichen gegründeten Marionettentheater und dem Hessischen Rundfunk vorerst sogar ganz vom Bildschirm.

Sprung ins Kino geschafft

1997 sorgte die Puppenkiste mit der Kinoproduktion „Die Story von Monty Spinneratz“ und drei Jahre später mit der Fernsehserie „Lilalu im Schepperland“ zwar noch einmal für Aufsehen, doch seitdem ist es still um sie geworden. Die bedächtigen Holzköpfe waren in dem von schnell geschnittenen Zeichentrickserien und quietschbunten Animationsfilmen dominierten Kinderprogramm nicht mehr gefragt. Wenigstens ins Kino schaffen es die Marionetten noch ab und zu, so 2016 und 2017 mit je einer Weihnachtsgeschichte.

Aber auch wenn die goldenen Zeiten des im denkmalgeschützten Heilig-Geist-Spital in Augsburg untergebrachten Puppentheaters schon lange vorbei sind: Die Beliebtheit der „Augsburger Puppenkiste“ ist seit Jahrzehnten ungebrochen, die drolligen Wollköpfe haben immer noch viele Fans. Der Gedanke an den hüpfenden Gang der von Marionettenspielern gelenkten Figuren, die Meereswogen aus blauer Folie, die Erinnerung an die pittoreske Blechbüchsenarmee oder Ohrwürmer wie das „Urmellied“ lassen so manchen Erwachsenen nostalgisch werden.

Fürs Fernsehen nicht mehr zeitgemäß

Im Kinderprogramm des Fernsehens gelten die eher bedächtig erzählten Geschichten aus der „Augsburger Puppenkiste“ als nicht mehr zeitgemäß und werden derzeit nicht ausgestrahlt. Viele der Marionetten-Abenteuer werden aber als DVD angeboten, und auch auf Internet-Plattformen wie Youtube können ganze Episoden abgerufen werden.

Seit einiger Zeit spielen die berühmten Puppen in Augsburg auch Kabarett: Von Klassik bis Pop, vom gespielten Witz bis zur politischen Satire, Sinniges und Sinnliches umfasst das Programm, das abends aufgeführt wird. Zum Gründungsjubiläum (am 26. Februar wird das Theater 70) plant das Museum „Die Kiste“ Sonder-Ausstellungen und -aktionen. mw

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