Stockholm Die paranormale Prinzessin

Macht Geschäfte mit Trauernden: Prinzessin Märtha Louise.
Macht Geschäfte mit Trauernden: Prinzessin Märtha Louise. © Foto: afp
ANDRÉ ANWAR 01.10.2014
König Haakons Schwester, Prinzessin Märtha Louise, sorgt seit Jahren für Wirbel wegen ihrer esoterischen Ader. Jetzt erbost sie Geistliche und Psychiater.

Prinzessin Märtha Louise hält das Königreich Norwegen auf Trab. Die hochadlige Mitbegründerin einer "Engelsschule", in der angehende Therapeuten etwas über die Kommunikation zwischen Menschen und Engeln lernen sollen, hat wieder einmal den Unmut von Geistlichen auf sich gezogen: Märtha Louise hatte die umstrittene britische Hellseherin Lisa Williams eingeladen. Gemeinsam wurde angeblich mit Toten geredet.

Bischof Jan Otto Myrseth kritisierte die jüngste königliche Totenbeschwörung in der Zeitung "Vård Land" aufs Schärfste. Die einzige Tochter von König Harald V., Nummer vier in der Thronfolge und dreifache Mutter, trage mit ihrer Unterstützung selbsternannter Hellseher dazu bei, dass der Tod kommerzialisiert werde. So habe die Prinzessin für die Totenbeschwörung mit Williams von jeder der 250 Teilnehmerinnen 1540 Kronen (188 Euro) Eintritt erhoben und sich dabei demonstrativ mit dem Medium aus Großbritannien auf die Bühne gestellt.

Die Prinzessin dürfe nicht ihren negativen Einfluss in diesen Fragen auf die Untertanen vergessen, kritisierten auch andere Geistliche und konservative Monarchisten. Der norwegische Psychiater Atle Roness nannte es verwerflich, denjenigen Menschen Geld aus der Tasche zu ziehen, die um verstorbene Angehörige trauern. Zudem blockiere die Vorspiegelung eines Kontakts mit den Verstorbenen die Verarbeitung der Trauer und die Akzeptanz des Verlustes.

Als die heute 42-jährige Prinzessin im Jahr 2007 ihre "Engelsschule" in Oslo gründete, löste das Unmut im Königreich aus. Zumal sie ganz einfach die Telefonnummer des Palasts als Kontaktadresse ihrer Firma angegeben hatte. Zugunsten ihres Geschäfts verzichtete sie dann auf ihren Titel "Königliche Hoheit" und ihre Apanage. Dennoch bleibt ihr Einfluss groß.

Laut norwegischen Medien sollen aus Königshäusern in ganz Europa Forderungen an König Harald V. eingetroffen sein, in denen er um ein väterliches Machtwort gebeten wird. Prinzessin Märtha Louise sei peinlich für den europäischen Hochadel, laute der Tenor. König und Hof geben offiziell keinerlei Kommentare dazu ab.

In der norwegischen Presse indes wendet sich die Stimmung zugunsten von Märtha. Letztlich behaupteten auch kirchliche Vertreter, sie kommunizierten mit Jesus und Gott, schrieb ein Kommentator. Ein anderer schrieb, die königlichen Familien Norwegens hätten ihren Status "durch Gottes Gnade" erhalten.