Der US-Autor Eric Carle, dessen Kinderbuch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ zum Welterfolg wurde, ist tot. Der Sohn deutscher Auswanderer sei bereits am Sonntag im Alter von 91 Jahren gestorben, teilte seine Familie am Mittwoch auf seiner Webseite mit. Sein Vater sei in seinem Studio im US-Bundesstaat Massachusetts einem Nierenversagen erlegen, sagte Sohn Rolf der „New York Times“.

Eric Carle feiert mit „Die kleine Raupe Nimmersatt“ einen Welterfolg

Seine Kindheit in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus bezeichnete Eric Carle als alptraumhaft - aber sie wurde Antrieb für Geschichten, mit denen er als Erwachsener Kinder weltweit beglückte. Jetzt ist der „Raupe Nimmersatt“-Autor mit 91 Jahren gestorben.

Todesursache: Eric Carle starb mit 91 Jahren an Nierenversagen

„Die kleine Raupe Nimmersatt“ gehört zu den berühmtesten Kinderbüchern der Welt - nun ist ihr Schöpfer, der Autor und Illustrator Eric Carle, tot. Der US-Schriftsteller sei bereits am Sonntag im Alter von 91 Jahren gestorben, teilte seine Familie am Mittwoch auf seiner Webseite mit. Sein Vater sei in seinem Studio im US-Bundesstaat Massachusetts einem Nierenversagen erlegen, sagte Sohn Rolf der „New York Times“.
"Die kleine Raupe Nimmersatt" von Eric Carle wurde weltweit mehr als 50 Millionen mal verkauft.
„Die kleine Raupe Nimmersatt“ von Eric Carle wurde weltweit mehr als 50 Millionen mal verkauft.
© Foto: dpa

Eric Carle wuchs in Deutschland auf

„Die farbenfrohen Illustrationen sind eine Art Gegenmittel zu den Graus und Brauns meiner Kindheit in Deutschland“, hatte Carle kurz vor seinem 90. Geburtstag im Juni 2019 in einem schriftlichen Interview der Deutschen Presse-Agentur mitgeteilt. Geboren in Syracuse im US-Bundesstaat New York, war er 1935 als Sechsjähriger mit seinen Eltern, deutschen Auswanderern, aus den USA zurück nach Nazi-Deutschland gekehrt.
„Dieser Schulbeginn ist mir unvergesslich - ein kleines Klassenzimmer mit schmalen Fenstern, ein harter Bleistift, ein kleines Blatt Papier und die strenge Ermahnung, keine Fehler zu machen“, erinnerte er sich an die Schulzeit in Stuttgart. „Es war so ein Kontrast zu Miss Frickey“, seiner Grundschullehrerin in den USA, „die ich liebte und in deren lichtdurchflutetem Klassenzimmer ich mit leuchtenden Farben malte“. Die Schläge seines Lehrers in Stuttgart mit dünnem, hartem Bambusstock vergaß er bis ins hohe Alter nicht. „Ich habe schmerzhafte Erinnerungen daran, in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges aufzuwachsen.“
Die schmerzhaften Kindheitserfahrungen wurden zum Antrieb für sein späteres Schaffen als Kinderbuchautor. Mehr als 100 veröffentlichte er davon, die nach Angaben des Gerstenberg Verlags in rund 70 Sprachen übersetzt wurden.

Kinderbuch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ entstand aus Zufall

Zum Kinderbuch kam er durch Zufall: 1952, nach Abschluss an der Kunsthochschule Stuttgart, zog er mit gerade einmal 40 Dollar in der Tasche zurück in die USA, wurde Grafikdesigner bei der „New York Times“ und künstlerischer Leiter bei einer Werbeagentur. Der Schriftsteller Bill Martin sah eines Tages eine von Carles Grafiken und fragte, ob er Bilder zu einer Geschichte über einen braunen Bären beisteuern könne. „Mein inneres Kind - das so plötzlich und einschneidend entwurzelt und unterdrückt worden war - wurde langsam wieder lebendig“, erzählte Carle später über die neue Arbeit.
Den Erfolg der Raupe konnte Carle sich nie ganz erklären: „Mittlerweile glaube ich, zum Teil liegt es daran, dass sich die meisten Kinder identifizieren können mit der hilflosen, kleinen, unbedeutenden Raupe und sie sich mitfreuen, wenn die sich in einen schönen Schmetterling verwandelt.