Glosse Die Invasion der Steinmännchen

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Berlin / Michael Gabel 21.08.2018

Die Sprache der Steinmännchen ist eigentlich leicht zu verstehen. Wenn zum Beispiel die Eskimos einen „Inuksuk“ fünf Meter weg von einem See aufstellen, dann bedeutet das: Reiche Fischgründe, Angel bitte fünf Meter weit auswerfen. Meist aber dienen die aus Fundstücken zusammengesetzten Figuren der Orientierung im Gebirge. Schon im antiken Griechenland waren sie als Wegweiser beliebt. Wie würde es allerdings Eskimos oder Athenern bei einer Wanderung in den Alpen ergehen, wo auf manchen Gipfeln unzählige Steinmänner dicht an dicht stehen? Gewiss würden die Kletterer die Botschaft enträtseln wollen. Jedoch: Es gibt keine.

Höchstens sagen uns die Ansammlungen, dass sich Unmengen an Touristen ausgetobt haben, um die Bergwelt mit ihren mehr oder weniger schönen Häufchen zu verzieren. Die Ranger im Zion-Nationalpark im Südwesten der USA sprechen von „Vandalismus“ und „Fels-Graffiti“. Inzwischen hat das Hochstapeln weltweit derart zugenommen, dass die Hinterlassenschaften vielerorts wieder abgebaut werden.

Der österreichische Bergsteiger Hermann Buhl beschrieb seine Leidenschaft einmal so: „Man sucht einen Ausweg aus der Zwangsjacke der Zivilisation und flieht in die Ruhe und Abgeschiedenheit der Berge.“ Ruhe, Abgeschiedenheit?

Da erzählen uns die Steinmann-Horden eine ganz andere Geschichte.

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