Tabak  Die Gauloises wandern aus

Gauloise-Raucher aus Leidenschaft: Michel Piccoli.  Foto: afp
Gauloise-Raucher aus Leidenschaft: Michel Piccoli. Foto: afp © Foto: Foto: afp
Peter Heusch 02.12.2016

Nächstes Jahr wird der Tabakkonzern Seita seine letzte große Zigarettenfabrik in Frankreich schließen. Die Produktion wird aus dem Auvergne-Städtchen Riom nach Deutschland und Polen verlagert. Das kostet nicht nur 280 Menschen ihren Arbeitsplatz. Es macht die Traditionsmarke „Gauloises“ (Gallierinnen) zu einer Heimatvertriebenen.

„Die Echten aus Frankreich“ lautete einer des eingängigsten Werbeslogans der Zigarettenmarke. Und tatsächlich ist keine andere  geographisch so klar im Land der Gallier verortet.

Jean Gabin oder Humphrey Bogart wäre die selbstverständlich filterlose Gauloise „Caporal“ wohl aus dem Mundwinkel gekippt, wenn sie erfahren hätten, dass unter dem Flügelhelm auf der babyblauen Packung künftig „made in Germany“ oder „made in Poland“ stehen wird. Womit die Frage, ob eine Gauloise, die nicht aus Frankreich kommt, eine Gauloise sein kann, hinlänglich beantwortet ist.

Aber die Zeiten ändern sich, sogar links des Rheins. Die Lust am Rauchen schwindet auch bei unseren Nachbarn.

Dagegen kommen nicht einmal die Gauloises an. Das Ende ihrer Ära wurde im April 2014 ruchbar. Damals machte der Seita-Konzern das wichtigste Zigarettenwerk des Landes im westfranzösischen Nantes dicht. Begründet wurde die Entscheidung damals wie heute mit stark gestiegenen Zigarettenpreisen und der Verbreitung von E-Zigaretten. Ganz zu schweigen davon, dass die Tabakverkäufe in Frankreich seit 2002 um 44 Prozent  zurückgegangen sind.

Genaugenommen war die Welt der Gauloises schon nicht mehr richtig in Ordnung, seit Rauchen auf einmal tödlich geworden war. Dass sie eine geballte Ladung Nikotin und Teer enthielten, versteht sich von selbst.

Um ihrem mit dem Trend zu leichteren Zigaretten einhergehenden Absatzeinbruch zu begegnen, lancierte die Seita daher 1984 ihre Gauloises „blondes“. Die „Blondinen“ waren (und sind) leichter, aus braunem Tabak und nur mit Filter zu haben. Gabin und Bogart hätten sie bestimmt nicht angerührt. Peter Heusch