Jugendliche hängen vor den Rolltreppen ab, Betrunkene pöbeln, in dunklen Tunneln stinkt es. Solche Eindrücke von Bahnhöfen kennen viele Reisende, gerade Frauen. Meistens bleibt dieses Gefühl von Bedrohung aber ein Gefühl. Nach Angaben der Deutschen Bahn sind Bahnhöfe weit sicherer als andere Orte im öffentlichen Raum.

Der Sicherheitschef des Konzerns, Gerd Neubeck, unterlegte das gestern mit einem Beispiel: Berlin mit seinen knapp 3,5 Millionen Einwohnern hat 2013 rund 42 000 Fälle von Körperverletzung erlebt - rund 115 täglich. Dagegen hat die Bahn in ganz Deutschland in Zügen und auf Bahnhöfen 14 600 Körperverletzungen verzeichnet, also nur ein Drittel so viel wie Berlin.

Die Menschen fühlen sich auf Bahnhöfen und an Haltestellen offenbar sicherer als früher. 27 Prozent beschleiche dort ein mulmiges Gefühl, hat eine kürzlich veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands "Allianz pro Schiene" ergeben. Im Jahr davon waren es noch 32 Prozent. Der Geschäftsführer des Verbands, Dirk Flege, sprach dennoch von einem "gewaltigen Handlungsbedarf".

Die Bahn beschäftigt mehr Sicherheitsmitarbeiter. Das "subjektive Sicherheitsgefühl" der Reisenden werde vor allem wegen der 3700 DB-Mitarbeiter oder 5000 Bundespolizisten gestärkt, sagte Neubeck. Hinzu kämen 3000 Servicemitarbeiter auf den Bahnhöfen, 4800 Zugbegleiter im Nahverkehr und 4000 Zugbegleiter im Fernverkehr.

Die Bahn sieht sich von der Forsa-Umfrage bestätigt. 90 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen vor allem mehr Sicherheitspersonal wichtig sei. Videoüberwachung wünschten sich 82 Prozent.

Keine Kamera könne einem gewaltbereiten Täter seine Aggression nehmen, sagte Neubeck. Die Videoüberwachung sei jedoch wesentlich für die Strafverfolgung. Derzeit seien 4800 Kameras an 640 Bahnhöfen deutschlandweit angebracht, weitere 18 000 in Regional- und S-Bahnzügen. Tendenz steigend. Insgesamt würden 80 Prozent der Fahrgastströme videoüberwacht.

Der Sprecher des Fahrgastverbands "Pro Bahn", Gerd Aschoff, bewertet die Entwicklung positiv. Sorgenkinder blieben aber die kleineren Bahnhöfe, die gerade bei Anbruch der Dunkelheit oft menschenleer seien: "Hier muss die Bahn deutlich mehr investieren." Es brauche mehr Kameras, und auch die Polizei müsse öfter Streife fahren und damit Präsenz zeigen.

Verbessert habe sich die Situation hingegen auf den Bahnhöfen großer Städte. Die Bahn hat 2013 laut Sicherheitsbericht 6100 Hausfriedensbrüche festgestellt - 70 Prozent mehr als 2012. Das besagt nach Neubeck zufolge jedoch nicht, dass es an Bahnhöfen krimineller zuginge. Sondern "wir greifen deutlich härter durch".

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