Zeitumstellung Nach EU-Umfrage: 0,8-Prozent-Mehrheit aus Deutschland

Das Miesepeter-Gesicht zweimal im Jahr wird bald Geschichte sein. Dann gilt an jedem Ort nur noch eine einzige Zeit.
Das Miesepeter-Gesicht zweimal im Jahr wird bald Geschichte sein. Dann gilt an jedem Ort nur noch eine einzige Zeit. © Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Brüssel / Von Christian Kerl 31.08.2018
4,6 Millionen von 500 Millionen EU-Bürgern haben über die Zeitumstellung abgestimmt, davon zwei Drittel aus Deutschland.

In  acht Wochen beginnt wieder die Winterzeit, die Uhren werden am 28. Oktober um eine Stunde zurückgestellt, um 8 Uhr morgens ist es dann wieder erst 7 Uhr. Ist bald Schluss mit diesem halbjährlichen Drehen an der Uhr? Die EU-Kommission hat einen Vorstoß zum Ende der Zeitumstellung angekündigt. Wie es dann weitergeht, ist noch unklar.

Warum jetzt der Vorschlag?

Die Kommission begründet ihren Plan allein mit dem Ergebnis ihrer EU-weiten Umfrage im Internet. Darin haben 86 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung gestimmt. Allerdings hatten von den 500 Millionen EU-Bürgern nur 4,6 Millionen teilgenommen, also weniger als 1 Prozent, davon allein zwei Drittel aus Deutschland.

Noch Anfang der Woche hatte die Kommission  mitgeteilt, die Befragung sei weder repräsentativ noch bindend. Dennoch sagte Kommissionspräsident Jean-Clau­de Juncker gestern unter Verweis auf die Umfrage: „Die Menschen wollen das, wir machen das.“  Wie der Vorschlag genau sehen wird, ist aber noch nicht bekannt.

Weshalb die Ablehnung?

Kritiker der Zeitumstellung stützen sich auf Studien, denen zufolge das ursprüngliche Ziel des Wechsels von Sommer- und Winterzeit, die Energieeinsparung, verfehlt wird. Das hat zuletzt auch das Umweltbundesamt bestätigt.

Ein Teil der Ärzteschaft warnt zudem vor Risiken für die Gesundheit. Die wegweisende Untersuchung einer Expertengruppe des Bundestags sieht Hinweise auf längere Anpassungs- und Befindlichkeitsstörungen vor allem im Frühjahr, aber bislang keine Nachweise ernsthafter negativer Folgen für die Gesundheit. Die EU-Kommission hat bislang Warnungen vor Gesundheitsrisiken als nicht belegt abgewiesen – und eine Gesetzesänderung abgelehnt.

In der Online-Umfrage haben die meisten Teilnehmer angekreuzt, sie hätten „negative“ oder „sehr negative“ Erfahrungen mit dem Zeitwechsel gemacht. Sie verwiesen etwa auf gesundheitliche Beeinträchtigungen oder mehr Verkehrsunfälle.

    

Fällt die Zeitumstellung im Oktober aus?

 Nein, so weit ist es noch lange nicht. Juncker zufolge könnte die Zeitumstellung 2020 oder 2021 beendet werden. Erst muss die Kommission in den nächsten Wochen einen  Gesetzesvorschlag machen, den EU-Parlament und die Mitgliedstaaten beschließen müssten – dem Kommissionsplan zufolge nächstes Jahr. Im Parlament ist eine Mehrheit für die Vereinheitlichung der Zeit wahrscheinlich, in den EU-Ländern ungewiss.

Was wird künftig gelten?

Wird die Zeitumstellung tatsächlich abgeschafft, muss jedes Land für sich entscheiden, ob es dauerhaft die Winterzeit oder die Sommerzeit einführen will. Denn für ihre Standardzeit sind die Länder von jeher verantwortlich – die EU hat per Gesetz bisher nur dafür ­gesorgt, dass die halbjährliche Zeitumstellung harmonisiert wird.

In der Umfrage hatte sich die Mehrheit für eine ganzjährige Sommerzeit ausgesprochen, dafür plädiert nun auch Juncker. Auch nördliche EU-Staaten wie Finnland und Litauen, die vom längeren Tageslicht im Sommer profitieren, drängen auf die Dauer-Sommerzeit.

Was sagt die Bundesregierung?

Kanzlerin Angela Merkel  hat den Vorstoß begrüßt. Sie freue sich, wenn die EU-Kommission das Votum der Umfrage ernst nehme.  „Wenn man es so macht, dann sollte daraus auch etwas folgen.“ Doch vor weiteren Schritten will die Bundesregierung den offiziellen Kommissionsplan abwarten.

Die deutsche Wirtschaft hat positiv reagiert. Die Arbeitgeberverbände teilten mit, die Zeitumstellung habe bisher zu Störungen etwa der Arbeitszeit oder der Logistik geführt. Der Industrie- und Handelskammertag warnte aber vor einer übereilten Umsetzung und forderte eine europaweite Lösung.

    

Wann wurde die Zeitumstellung eingeführt?

In Deutschland gilt sie seit 1980. Vorrangiges Ziel waren die Energieeinsparung, die sich aber nicht erreichen ließ, und die Anpassung an entsprechende Regelungen der Nachbarländer. Eine einheitliche EU-Regelung zum Beginn und Ende der Sommerzeit gibt es seit 1996.

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