Erst erobert die amerikanische Tradition Halloween Deutschland, nun wird auch immer öfter der mexikanische Tag der Toten begangen. Das Motto am Día de Muertos heißt Freude rund um den Tod statt Halloween-Grusel. Doch wie viel hat das mit dem ursprünglichen Tag der Toten in Mexiko zu tun und welche genaue Bedeutung steckt dahinter? Wann ist Día de los Muertos? Wir klären alle Fragen rund um den Tag.

Bedeutung, Tradition und Ursprung des Día de los Muertos in Mexiko

„Der Día de Muertos ist im Grunde eine christliche Feier, die auch von mesoamerikanischen indigenen Vorstellungen geprägt ist“, sagt der Archäologe Leonardo López Luján der Deutschen Presse-Agentur in Mexiko-Stadt. „Die Mesoamerikaner hatten Angst vor dem Tod“, erklärt der Leiter der Ausgrabungen am Templo Mayor der Azteken weiter.
Der Anlass des eher besinnlichen Fests sind die katholischen Feiertage Allerheiligen und Allerseelen. Am 1. und 2. November wird in christlich geprägten Ländern auf der ganzen Welt der Verstorbenen gedacht. In Mexiko wird die Tradition vor allem in den indigenen Gemeinden gepflegt. Die Seelen der Familienmitglieder sollen an diesen Tagen aus dem Jenseits zu Besuch kommen.

Wann wird Día de Muertos – zu deutsch „Tag der Toten“ – gefeiert?

Die de Muertos ist nicht nur auf einen Tag beschränkt. Die Vorbereitung für den sehr wichtigen mexikanischen Feiertag beginnt Mitte Oktober. Gefeiert wird der Tag der Toten dann vom Vorabend des 31. Oktober (Allerheiligen) bis zum 2. November (Allerseelen). Am 1. November finden Festumzüge statt.

Día de Muertos Mexiko: Gibt es eine Verbindung zu Halloween?

Weil Halloween und der Tag der Toten zeitlich sehr nah beieinander liegen, könnte man meinen, dass eine Verbindung zwischen den beiden Tagen besteht. Das ist allerdings nicht der Fall.
Die Tradition, schauerlich grinsende Kürbisköpfe an Halloween aufzustellen, hat ihren Ursprung in einem Fest der Kelten. In der irischen Mythologie kommen Gestorbene in dieser Nacht aus dem Totenreich zurück. Die Herkunft ist dabei auf das Land Irland zurückzuführen. Früher hieß Halloween bei den Kelten allerdings Samhain und läutete den Start eines neuen Jahres ein. An diesem Tage war laut ihrem Glauben der Kontakt zu den Toten möglich. Mittlerweile ist das Halloweenfest kommerziell und Spuk, Grusel und Spaß dominieren.
Am Día de los Muertos ist die Atmosphäre eine andere, außerdem geht es darum, die Toten zu ehren und feiern. Die Unesco nahm den Brauch 2008 in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Der Tag gilt nicht als eine Trauerveranstaltung, sonder ist ein buntes Fest.

Día de Muertos: La Catrina

Sie gilt als die Hauptfigur, wenn der Día de Muertos zelebriert wird: La Catrina. Die Skelettdame mit schwarzen Kleidern und großem Hut steht symbolisch für den Tag der Toten und wird besonders oft dargestellt.
Der Wandmaler Diego Rivera stellte die jetzt berühmte Skelettfrau „Catrina“ mit langem Kleid und Stola in seinem Gemälde „Sonntagsträumerei in der Alameda“ dar. Vorbild war eine Illustration des Kupferstechers José Guadalupe Posada.

Blumen und Kostüm zum Día de Muertos

Während dem bunten Volksfest-ähnlichen Gedenken an die Verstorbenen, werden die Straßen mit Blumen geschmückt. Organgene Blumen sollen den Toten als wegweise dienen auf ihrem Weg ins Diesseits. Die spezielle Totenblume nennt sich in Mexico Cempasuchil.
An den Häusern hängen gebastelte Skelette und au den Tisch kommt frisch gebackenes Brot, das „Pan de Muertos“. Menschen verkleiden sich dabei als Skelette, Frauen besonders häufig als elegant gekleidete Skelettfrau „La Catrina“.
ie Aufrechten Studentenblumen, Cempohualxochitl, sind typisch für das mexikanische Volksfest "Dia de los Muertos".
ie Aufrechten Studentenblumen, Cempohualxochitl, sind typisch für das mexikanische Volksfest „Dia de los Muertos“.
© Foto: Jacky Muniello/dpa

Schminke und Makeup im Stil des Día de Muertos

Florale Muster auf Stirn und Wangenknochen, weiße Zähne auf den Lippen, dramatischer Lidschatten: Wer sich zum Tag der Toten in ein stilechtes mexikanisches Skelett verwandeln will, findet im Internet eine ganze Fülle von Videos mit den präzisen Schminkanleitungen.
Inzwischen hat sich zudem eine richtige Kunst des Schminkens zum Tag der Toten entwickelt, die auch im Ausland sehr beliebt ist. Der Make-up-Artist Martín Ortiz, als Martín SBK bekannt, knüpft mit seiner Technik an die Tradition der Künstler des 20. Jahrhunderts an.
„Das Hauptmerkmal der Catrinas ist es, schön, glamourös, imposant und ästhetisch zu sein, mit viel Farbe“, sagt der Experte der Make-up-Schule Seicento der Deutschen Presse-Agentur. „Vor allem ehrt unsere Arbeit ihren Schöpfer José Guadalupe Posada. Er hat nicht aufgehört, die Künstler dieser Epoche zu inspirieren“.

Día de Muertos: Schmuck und Altar

Zum Tag der Toten bauen die Mexikaner in ihren Häusern und Wohnungen Altäre auf und schmücken sie: Dazu gehören orangefarbene Cempasúchil-Blumen, Kerzen, Fotos, religiöse Zeichen, Speisen und Getränke. In Mexiko wird der Tag also eigentlich nicht mit Partys mit Musik, Tanz und Tequila gefeiert, sondern eher zu Hause und am Grab der Angehörigen.

Dia de los Muertos: Totenkopf

Die Zucker- und Schokoladenschädel, die in Mexiko zu dieser Jahreszeit überall zu finden sind, erinnern an die Totenköpfe der aztekischen Menschenopfer. Aber aus Sicht der Historikerin Elsa Malvido liegt der Ursprung vielmehr in den Reliquien der Heiligen der katholischen Kirche. Auch in Europa habe es jahrhundertelang ähnliche Leckereien gegeben.