Washington Desaster an Amerikas Flughäfen: Endlose Schlangen bei der Sicherheitskontrolle, gestrandete Passagiere und verlorenes Gepäck

Flugreisende brauchen an US-Airports wie hier in Chicago viel Geduld.  
Flugreisende brauchen an US-Airports wie hier in Chicago viel Geduld.   © Foto: afp
PETER DE THIER 28.05.2016
Flugreisende in den USA brauchen gute Nerven: Die Sicherheits-Checks an den Flughäfen dauern oft so lange, dass Passagiere ihre Flieger verpassen. 

Seit dem Absturz einer Egypt Air Maschine über dem Mittelmeer hat in den USA die Toleranz für striktere Sicherheitskontrollen zwar generell zugenommen. Trotzdem sind Geschäftsreisende ebenso wie Urlauber frustriert: über endlose Menschenschlangen, tausende verlorener Koffer und gestrandete Passagiere, die keine Wahl haben, als im Terminal auf dem Boden zu übernachten.

Horrorszenen wie diese dürften ab dem heute beginnenden Memorial Day Feiertagswochenende, das in den USA die Urlaubssaison offiziell einläutet, eher noch schlimmer werden.  Nun hat das Dauerchaos auch personelle Konsequenzen: Der Sicherheitschef der zuständigen Transport Security Administration (TSA) wurde unbefristet vom Dienst freigestellt, und es gibt Überlegungen, die Sicherheitsdienste zu privatisieren. Während der vergangenen Wochen haben sich die Pannen gehäuft. Nach Angaben von American Airlines verpassten kürzlich 450 Passagiere in Chicago ihren Flug, weil sie in einer Schlange standen, die sich kaum bewegte und nicht rechtzeitig den Body Scanner passiert hatten, der mittlerweile an fast allen US-Flughäfen eingesetzt wird.

 In Phoenix, Arizona, stapelten sich in den letzten Wochen mehr als 5000 Gepäckstücke, die nicht rechtzeitig durchleuchtet werden konnten. Als die Kontrolle abgeschlossen war, waren die jeweiligen Flieger schon längst gestartet. Am Reiseziel mussten Fluggäste warten, bis ihnen ihre Koffer nachgeschickt wurden. Zu den nervenaufreibenden Verzögerungen gesellen sich ebenso unfreundliche wie misstrauische Kontrolleure, die „jeden zunächst Mal so behandeln, als wäre er ein möglicher Terrorist“, schimpft etwa der gestrandete Passagier Michael Ellis.

Nun hat die Regierung von Präsident Barack Obama versprochen, die Sicherheits-Behörde von Grund auf umzukrempeln. So hat Heimatschutzminister Jeh Johnson der TSA einen Zehn-Punkte-Plan vorgeschrieben, der Wartezeiten reduzieren soll, ohne die Sicherheitsmaßnahmen zu kompromittieren.

Unter anderem sollen 768 weitere Kontrolleure und mehr Spürhunde eingesetzt werden. Vorgesehen ist auch, ab sofort neue Technologie einzusetzen, um Waffen sowie andere verdächtige Gegenstände schneller zu erkennen. Geplant sind zudem neue  Größen- und Gewichtsbeschränkungen beim Handgepäck. Insbesondere legt die Behörde Fluggästen nahe, sich über das TSA „Pre-check“ Verfahren registrieren zu lassen, das für geprüfte Passagiere eine beschleunigte Abfertigung garantiert.

Dass der Vorstoß von Erfolg gekrönt sein wird, glauben aber nur die wenigsten. Schließlich waren ähnliche Initiativen bei der Behörde, die seit ihrer Gründung im Gefolge der Terroranschläge von 9/11 von Skandalen und einer Panne nach der anderen geplagt ist, schon mehrfach  gescheitert. Auch weisen Sicherheitsexperten darauf hin, dass die Personalfluktuation enorm ist und das Versprechen, weitere Kräfte anzuheuern, schwer realisierbar sein wird. Schließlich kündigt mehr als ein Drittel des Sicherheitspersonals weniger als ein Jahr nach Dienstantritt. Die Folge: Neu angeheuerte Kräfte sind weniger qualifiziert, häufig sogar vorbestraft und keineswegs Garanten für professionelle, kompetente Sicherheitskontrollen an Amerikas Flughäfen.

Anzunehmen ist, dass während der Sommerreise-Saison vielen Passagieren, ob aus den USA, Europa oder anderen Teilen der Welt, vor Flugantritt ein wahrhaftiger Albtraum bevorstehen könnte.

Tipp für Reisende

Pre-Check Um Schlangen zu vermeiden, können sich USA-Besucher vorab für das „Pre-Check“ Programm der TSA anmelden, was 85 Dollar kostet. Hilfreich ist es, wenn einem Touristen oder Geschäftsreisenden bereits durch eines der Programme der US-Grenzschutzbehörde ein niedriges Risiko bescheinigt worden ist. Wird einem Flugreisenden der Pre-Check-Status zuerkannt, erhält er eine KTN/PASSID Nummer, die bei jeder Flug-Reservierung angegeben wird. Man wird dann deutlich schneller abgefertigt. dth

Tipp für Reisende

Pre-Check Um Schlangen zu vermeiden, können sich USA-Besucher vorab für das „Pre-Check“ Programm der TSA anmelden, was 85 Dollar kostet. Hilfreich ist es, wenn einem Touristen oder Geschäftsreisenden bereits durch eines der Programme der US-Grenzschutzbehörde ein niedriges Risiko bescheinigt worden ist. Wird einem Flugreisenden der Pre-Check-Status zuerkannt, erhält er eine KTN/PASSID Nummer, die bei jeder Flug-Reservierung angegeben wird. Man wird dann deutlich schneller abgefertigt. dth