Milliardenprojekt Monaco will wachsen: Stadtviertel im Meer geplant

Montecarlo / Peter Heusch 24.08.2018

Die Monegassen hören es gar nicht gern, wenn Fremde ihr Land als winzig bezeichnen. Tatsächlich aber ist das sich auf nur knapp zwei Quadratkilometern ausbreitende Fürstentum der zweitkleinste Staat Europas nach dem Vatikan. So sonnendurchflutet und von Reichtum gesegnet Monaco auch sein mag, der chronische Platzmangel lässt den dicht bebauten „Felsen des Luxus“ an der Côte d´Azur aus allen Nähten platzen.

Grund genug für Fürst II., ein Milliardenprojekt in Angriff zu nehmen: Sechs zusätzliche Hektar sollen dem Mittelmeer abgetrotzt werden, um ein gewaltiges Bauvorhaben in die Tat umsetzen zu können.

Bis 2024 soll ein neues Stadtviertel entstehen

In einem ersten Schritt wird derzeit durch die Verankerung riesiger Betonklötze auf dem Meeresgrund das Fundament für eine künstliche Halbinsel gegenüber des Grimaldi-Forums geschaffen. Bis 2024 soll auf ihr ein ganzes Stadtviertel mit zehnstöckigen Gebäuden für Luxuswohnungen, Büros und Geschäften, unter dem Meer gelegenen Parkhäusern sowie ein Park und ein neuer Yachthafen entstehen.

Die Kosten des gigantischen Vorhabens werden auf mindestens zwei Milliarden Euro veranschlagt. Doch um eine Premiere handelt es sich nicht. Fürst Alberts Vater Rainier hatte schon Mitte der 60er-Jahre vor der Küste Land aufschütten und dort den 22 Hektar großen Stadtteil Fontvieille errichtet. Bis zu seinem Tod im Jahr 2005 ist es übrigens der ganze Stolz des Fürsten gewesen, als einziger Staatsmann des 20. Jahrhunderts sein Land ohne Krieg vergrößert zu haben.

Auch Albert II. träumte schon seit Amtsantritt von einer Vergrößerung seines Mini-Staates. Doch ein erster Vorstoß, der sogar eine Erweiterung um 12 Hektar vorsah, musste 2008 wegen der Finanzkrise und aus Umweltschutzgründen begraben werden. Immerhin reichen auch die nun geplanten 60.000 zusätzlichen Quadratmeter, um das exakt 195 Hektar große Fürstentum endlich die Zwei-Quadratkilometer-Grenze sprengen zu lassen.

Strenge Umweltauflagen

Allerdings laufen Umweltorganisationen heute genauso wie vor zehn Jahren Sturm gegen die „Bauwut“ des Fürsten, weil sich vor der Küste Monacos ein Meeresschutzgebiet erstreckt. Der Umstand, dass der als höchst umweltbewusst geltende Albert II. strengste Auflagen zum Schutz des Meeresgrundes zusagte und das Projekt von Anfang an durch Meeresbiologen begleiten ließ, die unter anderem die gesamte Fauna im Baugebiet umpflanzten, haben die Proteste nicht abschwächen können. Nadine Niel etwa, Vorsitzende der französischen Meeresumweltschutzorganisation Aspona, befürchtet, dass „durch das Betonieren von 6 Hektar Meeresgrund das gesamte maritime Ökosystem vor Monaco kippen“ könnte. In der ganz großen Mehrzahl freilich sind die Bedenkenträger keine Einwohner Monacos.

Nachfrage nach Wohnraum übersteigt Angebot deutlich

Das kleine Wohlfühl-Paradies für die Reichen und Schönen weiß jede Extravaganz zu bedienen, nur eben den Wunsch nach Wohnraum nicht. Gerade weil die Nachfrage das Angebot um ein Vielfaches übersteigt, gilt der Bau des neuen „Anse de Portier“ getauften Stadtteils als ein Lichtblick. Angeblich wird die Projektleitung bereits heute mit Anfragen von Interessenten überschwemmt, die „sofort“ eine jener Luxuswohnungen erstehen wollen, von denen bislang nur Reißbrettzeichnungen existieren.

Ohnehin ist in der einzigen Monarchie Europas die Entscheidung des Fürsten unanfechtbar. Albert II. weiß, was sein Volk wünscht und dass sich selbst die astronomisch hoch anmutenden Baukosten als eine höchst lukrative Investition erweisen dürften. 2024 oder 2025 sollen die Wohntürme auf der Halbinsel Anse du Portier bezugsfertig sein. Kein Zweifel, dass die Luxus-Appartements weggehen werden wie warme Semmeln.

Der Felsen der Reichen

Das winzige Monaco hat mit gut 38.000 Einwohnern auf zwei Quadratkilometern die weltweit größte Bevölkerungsdichte. Allerdings sind 78 Prozent dieser Einwohner Ausländer ohne monegassische Staatsbürgerschaft – und nicht weniger als die Hälfte sind Millionäre.

Als rekordverdächtig hoch gelten die Lebenshaltungskosten in dem Mini-Fürstentum, insbesondere die Immobilienpreise. Mit Quadratmeterpreisen von über 50.000 Euro ist Monaco noch vor Hongkong, London und New York der teuerste Ort für Wohneigentum überhaupt.

Immobilienexperten zufolge dürften die Preise sogar noch weiter steigen, weil Monaco gerade in Krisenzeiten vielen Reichen aus aller Welt als eins „sicherer Hafen“ gilt. Wer einmal in Monaco gekauft hat, verkauft selten wieder. In den letzten Jahren war deshalb immer weniger Wohnraum im Angebot. Das neue Bauprojekt soll diese Situation entspannen und gleichzeitig viel Geld in die Kassen des Ministaates spülen.

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