Kriminalität Festnahme nach Raub der Goldmünze: Tipp kam aus Bode-Museum

Berlin / Maria Neuendorff 12.07.2017
Der Diebstahl der Riesengoldmünze aus einem Berliner Museum ist aufgeklärt. Vier Hauptverdächtige sind in U-Haft. Die Münze bleibt verschwunden.

Die Rollläden des Juwelier-Geschäfts in der Neuköllner Sonnenallee sind zur Hälfte heruntergelassen. Mit „An und Verkauf von Gold & Silber aller Art – Zahngold, Bruchgold, Münzen“ wirbt ein Schild vor dem Laden, über dem sonst nur arabische Schriftzeichen prangen. Im Innern sichern Kriminalbeamte am Vormittag stundenlang Spuren.

Der Inhaber gehört zu den vier Männern, die verdächtigt werden, in den Diebstahl der Riesengoldmünze Ende März aus dem Bode-Museum verwickelt zu sein. Sie sitzen seit Mittwoch in Untersuchungshaft, der Juwelierladen-Inhaber wird der Hehlerei bezichtigt.

Die 100-Kilo-Münze bleibt verschwunden. „Meine Hoffnungen, dass wir sie auch nur in Teilen finden, ist inzwischen recht gering“, sagt Carsten Pfohl, der Leiter Qualifizierte Eigentumsdelikte beim Landeskriminalamt Berlin.

Sein kleines Kommissariat musste nach dem Raubzug zusätzliches Personal anfordern, als sich herausstellte, dass die Spur in die mafiösen Strukturen eines arabischen Großclans führt. Nach wochenlangen Observationen stürmten am Mittwoch um 6 Uhr 300 Polizisten gleichzeitig 14 Wohnungen und Geschäfte in Berlin und Brandenburg. Dabei wurden in Neukölln nicht nur die vier schwer bewaffneten Hauptverdächtigen festgenommen, sondern auch ein sechsstelliger Geldbetrag und Kleidungsstücke beschlagnahmt. Pfohl: „Denn Goldspuren sind in der Kleidung relativ gut nachweisbar.“

Die Täter hatten das drei Meter hohe Vordach des Bode-Museums am 27. März gegen 3.30 Uhr nachts mit einer ausziehbaren Aluminiumleiter  erklommen. Völlig unbehelligt hatten sie im zweiten Stock ein Fenster aufgebrochen und mit einer Axt die Vitrine aus Panzerglas zerschlagen, in der der Goldschatz lagerte.

In einer Schubkarre schoben die Einbrecher ihre Beute über einen neben den Gleisen verlaufenden Betonpfad gut 100 Meter über die Spree, bevor sie sie drei Meter tief in den Monbijoupark warfen. Danach seilten sie sich selbst mit einem  verknoteten Tau in die Grünfläche ab, an der sie ihr Fluchtfahrzeug geparkt hatten.

Den Ermittlern wurde schnell klar, dass die Täter Informationen aus dem Museum gehabt haben müssen. Der Verdacht führte zu einem Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma. Auch er wurde am Mittwoch verhaftet. Der junge Mann hatte seine Stelle erst im März angetreten und pflegte Kontakte zu der libanesischen Großfamilie, aus der die anderen drei Täter stammen sollen. „Wir glauben nicht, dass er seine Stelle extra angetreten hat, um das Museum auszuspähen“, sagt Pfohl. „Vielmehr hat er bei der Arbeit wahrscheinlich eine Tatgelegenheit erkannt und den Tätern den Hinweis gegeben.“

Zu den 13 Verdächtigen, gegen die die Polizei ermittelt, gehört der Museumswärter, der in der Nacht Dienst hatte. „Seine Aussagen seien widersprüchlich gewesen“, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft. Der Wärter hatte angegeben, bei seinem nächtlichen Rundgang routinemäßig die Alarmanlage ausgeschaltet zu haben. Dass etwas nicht stimmt, sei ihm erst aufgefallen, als sich die Anlage gegen 4 Uhr nicht mehr scharf stellen ließ, weil Türen offen standen.

Für Raub und Gewalt bekannt

Als Beweismittel dienten den Ermittlern auch Videoaufnahmen. Darauf sind drei schwarz gekleidete Personen zu sehen, die in der Tatnacht die Treppen zum S-Bahnhof Hackescher Markt hochgehen und am hinteren Bahnsteigende verschwinden.

Weil sie ihre Gesichter unter Kapuzen und Kragen verbergen, hatte die Veröffentlichung der Aufnahme Anfang Juli zwar keine brauchbaren Hinweise aus der Bevölkerung gebracht. Allerdings habe der auffällige Gang eines der Personen die Ermittler ebenfalls zur arabischen Bande geführt, sagt Oberstaatsanwältin Martina Lamb. Die vier Hauptverdächtigen sind zwischen 18 und 20 Jahre alt und wegen Raub und Gewalttaten polizeibekannt.

Am 17. März sollen sie das Gelände auf der Museumsinsel ausgespäht haben. Am 21. März sollen sie sogar einen der sechs äußeren Sicherheitsbolzen der Plexiglasscheibe des Bode-Museums durchtrennt haben. Die nächtliche Aktion wurde aber abgebrochen, vielleicht, weil das Werkzeug nicht passte.

Das 100 Kilogramm schwere Goldstück mit dem Profil von Queen Elizabeth II. und dem kanadischen Ahornblatt war eine Leihgabe eines Privatmannes für die aktuelle Ausstellung. Pfohl: „Wir gehen davon aus, dass die Täter sie in Teilen verkauft oder ins Ausland geschafft haben.“

Das Berliner Bode-Museum

Das 1897 als Kaiser- Friedrich-Museum gegründete Bode-Museum in Berlin ist Teil des Unesco-Welterbes Museumsinsel. Es beherbergt die Skulpturensammlung und das Museum für Byzantinische Kunst.

Das Münzkabinett zeichnet Geschichte auf der Grundlage der Zahlungsmittel nach. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es nach dem Museumsgründer Wilhelm von Bode umbenannt. Es  zählt zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen seiner Art. Aufbewahrt werden Münzen, Medaillen, Papiergeld, Siegel, Marken, Rechenpfennige und historische Werkzeuge aus der Münzstätte Berlin.  dpa