Glosse Der Neid der Alten

Schon der griechische Philosoph Sokrates, hier in Denkerpose, nutzte den Vorteil des Alters, ungehemmt über die Jugend schimpfen zu dürfen.
Schon der griechische Philosoph Sokrates, hier in Denkerpose, nutzte den Vorteil des Alters, ungehemmt über die Jugend schimpfen zu dürfen. © Foto: © Nice_Media_PRO/Shutterstock.com
Berlin / Dorothee Torebko 17.07.2018

Sie sind verhätschelt, Selfie-verliebt und können keinen geraden Satz schreiben: Das ist die Jugend von heute. Sagen zumindest viele (alte) Erwachsene. Was soll nur aus dieser Generation werden? Und der Gesellschaft? Und der Rente? Immerhin ist die Jugend von heute ja die faulste, narzisstischste, unpolitischste Generation aller Zeiten. Oder? Falsch. Die Jugendlichen waren schon immer so – und die Erwachsenen jammerten schon immer rum.

Sokrates sagte mehr als 400 Jahre vor Christus über die Jugendlichen seiner Zeit, dass sie nur rumlümmeln und Lehrer ärgern würden. Aristoteles zweifelte an der Zivilisation, wenn er die Jugend so betrachte. Und Plu­tarch warnte im ersten Jahrhundert, die Jungen würden verschwenderisch leben.

Warum die Alten so denken, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Dabei ist die Erklärung offensichtlich: Sie sind eifersüchtig. Von einer Klippe ins Meer springen, wenn der sechsjährige Sohn dabei zuguckt, ist keine so tolle Idee. Sorglos bis zum Sonnenaufgang feiern und dann zur Arbeit stolpern, ist mit Anfang 20 verkraftbar, mit Anfang 30 braucht es einen Tag Ausnüchterungs-­Puffer dazwischen. Klar, dass die Jugend da neidisch betrachtet wird. Denen bleibt nur ein Trost: Wenn sie erwachsen sind, können sie endlich loslegen und meckern, mosern, motzen.

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