Das Tier - der bessere Mensch?

GERLINDE BUCK 16.04.2014
Manche Menschen entwickeln eine Affenliebe zu Tieren – weil das vergleichsweise einfach ist? Fragen an die Frankfurter Psychologin Karin Krause.

Der Hund ist der bessere Mensch, heißt es. Weil es einfacher ist, ein Tier als einen Menschen zu lieben?

KARIN KRAUSE: Auf den ersten Blick scheint es so. Ob Hundeblick oder Katzenschnurren, jede Geste des Tieres kann der Mensch als Liebesbeweis für sich interpretieren. Dabei denkt der treuherzig schauende Hund vielleicht nur ans nächste Leckerli. Das ist eben das Problem, wenn man ein Tier vermenschlicht: Es ist kein Mensch.

Vor allem kein Mensch, der an einem herumkritisiert . . .

KRAUSE: Richtig. Die Ecken und Kanten, die jeder Mensch hat, nimmt ein Tier nicht übel. Ihm gegenüber kann man sich gehen lassen, muss nicht perfekt sein. In einer Beziehung zwischen Menschen, in einer Partnerschaft, muss man sich viel mehr anstrengen.

Und wenn extreme Tierliebe in Missionieren ausartet?

KRAUSE: Wenn einer den anderen erziehen will, geht das auf Dauer selten gut, weder in einer Partnerschaft noch in anderen Beziehungen. Es ist hilfreich, sich bewusst zu machen, dass kein Mensch immer alles gut und richtig machen kann. Wer das akzeptiert, kann besser leben – und leben lassen.