Der Fall der dreijährigen Yagmur hat Hamburg vor einem Jahr erschüttert: Sie starb qualvoll an den monatelangen Misshandlungen ihrer Mutter, war mit Schlägen und Tritten in den Bauch "grausam getötet", sagte der Richter später in der Urteilsverkündung. Und das, obwohl die Familie dem Jugendamt lange bekannt war.

Wie konnte es so weit kommen? Welche Rolle spielen die Jugendämter? Antworten darauf soll der Bericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses liefern, der am Donnerstag vorgelegt wird. Es ist Yagmurs erster Todestag.

Einen Tag danach wird am Landgericht Hamburg das Urteil über die drogenabhängigen Pflegeeltern der elfjährigen Chantal erwartet. Sie ist Anfang 2012 gestorben, weil sie versehentlich eine Methadon-Tablette, eine Heroin-Ersatzdroge, eingenommen hatte. Keine zwei Wochen vor ihrem Tod hatte das Jugendamt das Mädchen zum letzten Mal besucht.

Immer wieder kommen Kinder zu Tode, obwohl ihre schwierige Lage den Jugendämter bekannt ist und sie in Kontakt mit den Eltern(teilen) stehen. So hat im Dezember 2013 ein Mann in Brandenburg die knapp zwei Jahre alte Tochter seiner Freundin geschüttelt, bis sie tot war. Im April 2013 erstach eine Mutter aus Sachsen ihre neunjährige Tochter mit einer Schere.

Immer wieder gibt es deshalb die Frage, ob die Ämter personell zu dünn besetzt sind. Im Yagmur-Untersuchungsausschuss hatte ein Leiter des Allgemeinen Sozialen Diensts (ASD) seine Abteilung als "im Grunde nicht arbeitsfähig" bezeichnet. Die Fluktuation sei enorm, die Belastung zu hoch, der Kontakt zu den Kindern zu gering.

Der Senat hat den ASD seit Ende 2011 nach Angaben der Behörde von rund 340 auf rund 370 Vollzeitstellen aufgestockt, weitere 26 Stellen werden folgen. Die Praxis der Bezirksämter, freie Stellen aus finanziellen Gründen nicht zu besetzen, wurde verboten.

Eine neue Vereinbarung mit dem Kinderkompetenzzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) verlangt, dass die Jugendämter beim Verdacht auf Kindesmisshandlung das UKE einschalten sollen. Rund 700 Kinder wurden dieses Jahr deswegen am UKE untersucht worden.

Der Fall Yagmur ist für das Landgericht noch nicht abgeschlossen: Yagmurs Vater hat seine Haftstrafe von viereinhalb Jahren akzeptiert; aber die Mutter, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, hat Revision eingelegt. Ermittelt wird außerdem weiter gegen Jugendamtsmitarbeiter, die mit der Pflege und Betreuung des Kindes beauftragt waren. Sie sollen ihre Fürsorgepflicht verletzt haben.