Waldbrände in Europa Das sagen Experten zur aktuellen Situation

Zwei große Waldbrände westlich und östlich von Athen sind am Montag außer Kontrolle geraten. Die Feuer waren so groß, dass Rauchwolken die griechische Hauptstadt erreichten und die Sonne verdunkelten.
Zwei große Waldbrände westlich und östlich von Athen sind am Montag außer Kontrolle geraten. Die Feuer waren so groß, dass Rauchwolken die griechische Hauptstadt erreichten und die Sonne verdunkelten. © Foto: dpa/Thanassis Stavrakis
Deutschland / Amrei Groß 25.07.2018
Angesichts der verheerenden Waldbrände in Schweden und Griechenland haben wir mit einem Experten gesprochen: Sebastian Hodapp aus dem Vorstand der auf Vegetationsbrände spezialisierten internationalen Hilfsorganisation @fire erklärt die Problematik vor Ort – und die Situation in Deutschland.

Tausende Hektar verbranntes Land in Schweden, fast 50 Tote und über 150 Verletzte in Griechenland: In Europa wüten derzeit verheerende Waldbrände. „Die Lage ist für beide Länder äußerst kritisch und aktuell gibt es keine Anzeichen für Entspannung“, sagt Sebastian Hodapp aus dem Vorstand der internationalen Hilfsorganisation @fire, die auf die Bekämpfung von Vegetationsbränden spezialisiert ist. Sowohl Schweden als auch Griechenland hätten über den europäischen Katastrophenschutz Hilfe angefordert, da sie nicht länger in der Lage seien, die Situation mit eigenen Kräften unter Kontrolle zu bekommen. @fire hat beiden Ländern seine Hilfe angeboten. Denkbar sei eine Entsendung sogenannter „HeliTac Crews“, kleiner Einheiten, die mit Hubschraubern eingeflogen werden können, aber auch der Einsatz größerer, rein bodengebundener Löschmannschaften.

Wettervorhersage könnte Lage weiter verschärfen

Vor Ort droht den Kräften ein Wettlauf gegen die Zeit. Für Schweden sagen die Wetterdienste in den kommenden Tagen weiterhin hohe Temperaturen voraus. „Das verschärft die Waldbrandgefahr zusätzlich“, sagt Hodapp. In Griechenland erschweren hohe Temperaturen um die 40-Grad-Marke und starker Wind den Einsatzkräften die Arbeit.

Auch in Deutschland erhöhte Brandgefahr

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der hohen Temperaturen klettert die Gefahr von Wald- und Flächenbränden bundesweit auf die zweit- bis höchste Warnstufe.

Regional ist insbesondere Brandenburg betroffen – aber auch einzelne Teile von Baden-Württemberg erreichen am Mittwoch die höchste von fünf Warnstufen.

In der Vergangenheit brannten in Deutschland und Baden-Württemberg immer wieder Wälder und Flächen. Die Anzahl der Brände, die betroffene Fläche und die Ursachen der Brände erfasst das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung. Die aktuellsten vorliegenden Zahlen sind aus dem Jahr 2016; die Statistik für 2017 wird in den nächsten Wochen veröffentlicht.

Waldbrände sind besondere Herausforderungen

Wenn es brennt, ist die Feuerwehr gefordert. Sie muss schnell und effizient löschen, Menschenleben retten und Sachwerte schützen. Gerade bei Wald- und Flächenbränden ist diese Aufgabe aber alles andere als einfach.

Wald- und Flächenbränden stellen Feuerwehren vor besondere Herausforderungen.
Wald- und Flächenbränden stellen Feuerwehren vor besondere Herausforderungen. © Foto: @fire

Vegetationsbrände unterscheiden sich wesentlich von Gebäude- oder Zimmerbränden“, erklärt Sebastian Hodapp. Wald- und Flächenbrände könnten in den seltensten Fällen sofort komplett gelöscht werden; ihre Bekämpfung erfordere ein hohes Maß an Taktik. Leider würden sie weder in der Ausbildung von Feuerwehrleuten noch in der Literatur bislang ausreichend gewürdigt.

„Wir stellen aber fest, dass es in Deutschland ein immer stärkeres Umdenken gibt“, sagt Hodapp. @fire bietet aufgrund seiner Erfahrung auch Ausbildungen für kommunale Feuerwehren an. Dies werde immer mehr in Anspruch genommen.

„Die besonderen Herausforderungen von Vegetationsbränden liegt zum einen in der Dynamik, die sie aufgrund von Bewuchs, Geländeform und Wetterbedingungen entwickeln können“, sagt Hodapp. Häufig belasteten Dimension und Unübersichtlichkeit der Einsatzstelle sowie hohe Temperaturen die Kräfte zusätzlich.

Unterstützung für lokale Wehren

@fire ist in der Lage, speziell für den Vegetationsbrand ausgebildete und ausgerüstete Einsatzkräfte zu entsenden. Von einzelnen Fachberatern, die örtlichen Feuerwehren bei schwierigeren Lagen beraten können, bis hin zu größeren Löschmannschaften, die völlig autark von jeglicher Infrastruktur für mehrere Tage im Einsatz sein können, ist alles denkbar.

Die Hilfsorganisation @fire verfügt bundesweit über speziell für den Vegetationsbrand ausgebildete und ausgerüstete Einsatzkräfte.
Die Hilfsorganisation @fire verfügt bundesweit über speziell für den Vegetationsbrand ausgebildete und ausgerüstete Einsatzkräfte. © Foto: @fire

Alle der über 150 Mitglieder von @fire arbeiten ehrenamtlich und unentgeltlich. Sie sind vornehmlich Mitarbeiter von Berufsfeuerwehren, freiwilligen Feuerwehren und Rettungsdiensten, die sich zusätzlich ehrenamtlich in der internationalen Hilfe engagieren.

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