Gesellschaft Das Nachtleben in Sydney ist interkulturell

Mit der erleuchteten Oper im Hintergrund: Cruise Bar in Sydney.
Mit der erleuchteten Oper im Hintergrund: Cruise Bar in Sydney. © Foto: Anson Smart Tourism Australia
Sydney / Barbara Barkhausen 31.08.2018

Es ist Winter in Sydney. Doch trotz kühlerer Temperaturen findet das Leben selbst am Abend noch draußen statt. Im Stadtteil Chippendale drängt sich ein buntes Gemisch an Leuten in einer engen Gasse zusammen. Männer mit nach hinten gegelten Haaren, Frauen mit stark gezeichneten Brauen, junge Asiatinnen in engen Jeans, Surfertypen im Sweatshirt – wer eine „australische“ Identität erwartet, der wird enttäuscht. Die Szene ist interkulturell, jeder hat seinen eigenen Stil.

Es ist 19 Uhr am Abend, die Spice Alley ist gut besucht. Für gerade mal 12 bis 14 Dollar speist man hier fürstlich – ob koreanisch, thailändisch oder chinesisch. Ein junger Fernsehkoch hat eine Dessertbar eröffnet, um die Ecke sitzen die Leute – Wärmelampen sei Dank – im Freien.

Später am Abend geht es in hippe Bars ganz in der Nähe. „Ich mag besonders das Old Clare in Chippendale, die haben sogar einen Pool am Dach“, sagt Astrid, eine deutsche Grafikdesignerin, die in Sydney lebt. Eine junge Urlauberin hat sich dagegen in das Gin Lane ein paar Türen weiter verguckt. „Das ist die romantischte Cocktailbar, die ich kenne.“

Chippendale ist einer der Stadtteile, die sich „gemausert“ haben. Vom industriellen Slum hat sich die Ecke hinter Sydneys Hauptbahnhof in einen hippen Ort verwandelt. Gleich neben der Space Alley an der Kensington Street türmt sich eines der imposantesten Hochhäuser Sydneys auf: das One Central Park, ein Meisterwerk des französischen Architekten Jean Nouvel, dessen bunte Lichtinstallationen abends die Stimmung mitbestimmen.

Die Spice Alley ist typisch für Sydneys Nachtleben, das ähnlich wie die versteckte kleine Gasse eher im Verborgenen stattfindet. „Insider“ erfahren oft erst am gleichen Abend, wo die beste Party stattfindet. „Kleine Bars, Lagerhäuser oder sogar Privathäuser sind immer mehr die ‚angesagte‘ Sache“, sagt der Stadtplaner Ben. „Wir tragen uns in geheime Facebook-Gruppen ein und erfahren die Details in letzter Minute.“

Um 1.30 Uhr sind die Türen zu

Selbst viele Bars sind nicht sofort als solche erkennbar. Das Baxter Inn in der Innenstadt beispielsweise liegt in einem Hinterhof der Clarence Street. Stufen führen in einen Keller, wo die Barkeeper den besten Whiskey Sydneys ausschenken. Wie in der Spice Alley ist das Publikum gemischt – Jung und Alt kommen nach der Arbeit auf einen Drink.

Strenger geht es dagegen in den Nachtclubs zu. „In der Oxford Art Factory, der World Bar, dem Home, dem Marquee oder dem Greenwood sind die Leute jünger“, sagt Ben. Hier achteten die Türsteher auf schicke Kleidung. „Flipflops, kurze Hosen oder rüpelhaftes Benehmen sind nicht angesagt.“

Wie viele junge Australier stört sich Ben an den strengen Gesetzen der Stadt. Denn von 1.30 Uhr morgens an lassen die Clubs keine Gäste mehr ein, von 3 Uhr an wird kein Alkohol ausgeschenkt. Die Partys in den Lagerhäusern seien eine direkte Reaktion auf diese Gesetzgebung, sagt er.

Doch Sydneys gutem Klima sei Dank hat das Nachtleben noch mehr „Ausweichmöglichkeiten“ gefunden. In Stadtteilen wie Walsh Bay und Barangaroo hinter der Hafenbrücke – wo alte Hafenanlagen in schicke neue Zentren verwandelt wurden – spielt sich das Leben oft auf Terrassen oder Dächern ab. Die Smoke Bar auf dem Barangaroo Haus verkörpert vieles von dem, was den Flair der Stadt ausmacht. Wer Sydney bei Nacht „einsaugen“ will, findet ähnliches aber auch an touristischeren Orten – in der Opera Bar oder der Cruise Bar gegenüber der Oper.

Surfern haben es dagegen die Strandvororte Bondi oder Manly angetan. „Ich muss zugeben, dass Manly etwas Besonderes ist“, sagt Mike. Der Amerikaner, der die Partyszene in L.A. gewöhnt ist, nimmt die halbstündige Fährfahrt von der Innenstadt gerne in Kauf.

„Manly ist mehr eine Szene“, sagt er. „Du triffst die Leute am Strand und danach hängst du mit ihnen weiter rum.” Zum Beispiel im Hotel Steyne gegenüber dem Strand, wo es – versteckt hinter einer düsteren Fassade – gleich mehrere Bars gibt.

Tipps zum Ausgehen

Im hippen Stadtteil Chippendale hinter der Innenstadt von Sydney:
– Spice Alley hinter der Kensington Street
– The Old Clare Hotel, schickes Hotel mit schicker Bar, 1 Kensington Street,  www.theoldclarehotel.com.au
– Gin Lane, die vielleicht romantischte Bar, 16A Kensington Street, ginlanesydney.com.au

Nachtclubs
– Oxford Art Factory, mit Live-Musik, 38-46 Oxford Street, Darlinghurst, oxfordartfactory.com
– The World Bar, in einem alten viktorianischen Haus, 24 Bayswater Road, Potts Point,  theworldbar.com
– Home, großer Club über drei Ebenen, 101/1-5 Wheat Road, Darling Harbour, www.homesydney.com
– Marquee, The Star – mit internationalem Publikum, Pirrama Road, Pyrmont, www.marqueesydney.com

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