UTE GALLBRONNER  Uhr
Viele Lehrer an weiterführenden Schulen sind wesentlich toleranter als die eigenen Eltern, was die Handschrift in Schulheften angeht. Wenn die Sauklaue allerdings unzumutbar wird, drohen schlechtere Noten.

Wie bringen wir unseren Kindern das Schreiben bei ohne dabei allzu große Schmerzen, Frustrationen oder gar bleibende Schäden zu verursachen? Vor allem in den USA mehren sich die Stimmen: Gar nicht! Im PC-Zeitalter ist die eigene Handschrift herzlich überflüssig. Zumindest was Bewerbungen angeht, trifft das zu. Handschriftliches wird nur noch selten verlangt.

Auch hierzulande wird eifrig übers richtige Schreiben lernen diskutiert. In Ulm und dem Alb-Donau-Kreis wird nach der "Druckschrift Süd" in Lateinischer oder Vereinfachter Ausgangsschrift geübt, im Landkreis Neu-Ulm folgt auf die Bayerische Druckschrift einheitlich die Vereinfachte Ausgangsschrift. In der Testphase ist die Grundschrift, die im vergangenen Jahr im Norden der Republik heftige Diskussionen ausgelöst hat.

Vorreiterin im Kampf gegen diese Schrift ist Susanne Dorendorff. Sie verursache "in Kinderhirnen extreme Verwirrung", schreibt die selbst ernannte "Philografin" auf der Homepage ihres Fördervereins für schreibgeschädigte Kinder. Dort kann man auch ein von ihr entwickeltes Buch erwerben, mit dem die besonders leidenden Jungs ihre Sauklaue auch im fortgeschrittenen Alter verbessern können.

Fragt man Ulmer Jugendliche selbst, so haben sie keine Sorgen um ihre Schrift, so lange es keine Abzüge bei den Noten gibt. "Es ist nicht gerechtfertigt, dass Lehrer wegen der Handschrift Punkte abziehen", findet der 16-jährige Vadik. Paula (11) hatte dagegen "schon öfter" Stress zuhause bei diesem Thema. "Meine Eltern meinen, dass ich schöner schreiben sollte", sagt auch Moritz (12): "Aber die Lehrer können ja auch nachfragen, wenn sie was nicht lesen können." Mit dieser Meinung steht er bei den Schülern nicht alleine da.

Die meisten finden ihre eigene Schrift "schön" oder zumindest "individuell". Nur Jonas gibt zu: "Ich habe eine ziemliche Sauklaue, obwohl eine schöne Schrift meinen Eltern wichtig ist. Ich probiere, etwas daran zu ändern." Trotz aller Einsicht hat der Fünftklässler die Grundschulzeit in schlechter Erinnerung: "Ich fand es unfair, dass schön schreiben da so wichtig war."

Das findet auch Isabell A., die seit Wochen im Clinch mit der Lehrerin ihres Sohnes liegt, die ganze Seiten des Zweitklässlers durchstreicht und "Noch mal" drunterschreibt. Das ärgert die Mutter. "Marcel wird immer bockiger. Schöner schreibt er deshalb nicht, ganz im Gegenteil." Die Begründung der Lehrerin: Der Junge müsse lernen auf der Zeile zu schreiben, da er sonst später Probleme bekomme. Frei nach dem Motto: Übung macht den Meister. Nun soll die Schulleiterin zwischen beiden vermitteln.

An weiterführenden Schulen ist Schrift an sich kein Thema mehr. Wenn der Lehrer das Gekrakel aber nicht entziffern kann, leidet die Note. Nachfragen, was es heißen sollte, muss er nicht. Wie die Schrift besser wird? Besondere Problembuchstaben gezielt üben, zur Not auf Erstklasslinien, raten Experten.

Info Erste Hilfe für Schreibgeschädigte www.lesbar-schreiben.org. Mehr zur Grundschrift unter www.die-grundschrift.de