Erdbeben auf Lombok Damit haben die Retter vor Ort zu kämpfen

Trümmer in einem indonesischen Dorf nach einem Erdbeben der Stärke 6,4.
Trümmer in einem indonesischen Dorf nach einem Erdbeben der Stärke 6,4. © Foto: AULIA AHMAD (afp)
Jakarta / Amrei Groß / dpa 06.08.2018
Schon wieder wird die indonesische Ferieninsel Lombok von einem Erdbeben erschüttert – diesmal noch schlimmer als vor einer Woche. Jüngste Bilanz: mindestens 142 Tote. Hunderte Gebäude wurden zerstört. Auch die Nachbarinsel Bali ist betroffen. Wie Michael Lesmeister, Geschäftsführer der internationalen Katastrophenhilfeorganisation I.S.A.R. Germany, die Situation vor Ort sieht.

Nach dem neuen schweren Erdbeben auf der indonesischen Ferieninsel Lombok ist die Zahl der Todesopfer am Montag sprunghaft angestiegen. Bei dem Beben starben nach Angaben der zuständigen Provinzbehörden am Sonntagabend mindestens 142 Menschen. Zudem gab es auf der Nachbarinsel von Bali mehrere hundert Verletzte. Tausende flohen in Panik aus ihren Häusern.

Die Stärke des Bebens hatte die indonesische Behörde für Wetter, Klima und Geophysik zunächst mit 7,0 angegeben und später auf 6,9 korrigiert. Auch die US-Erdbebenwarte USGS führte die Stärke mit 6,9. Am Montag gab es immer wieder kräftige Nachbeben. Erst vor einer Woche sind bei einem Beben auf Lombok 16 Menschen getötet worden.

Derzeit keine internationale Hilfe angefragt

Das neue Beben hatte die Insel gegen 19.46 Uhr Ortszeit am Sonntag erschüttert. Das Zentrum des Bebens lag rund 18 Kilometer nordwestlich des Bezirkes East Lombok in etwa 15 Kilometern Tiefe, wie die Behörde für Wetter, Klima und Geophysik jüngsten Angaben zufolge weiter präzisierte. Die größten Schäden gab es an der Nordküste. Auch die Hauptstadt Mataram wurde sehr in Mitleidenschaft gezogen.

Derzeit sind die indonesischen Rettungskräfte in der Lage, den Einsatz mit eigener Manpower zu bestreiten. Der Geschäftsführer der internationalen Katastrophenhilfsorganisation I.S.A.R. Germany, Michael Lesmeister, beobachtet die Situation vor Ort über ein spezielles Portal der Vereinten Nationen. „Ich glaube zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht, dass internationale Hilfe im großen Stil erforderlich wird“, sagt er. Denkbar sei, dass Nachbarstaaten den indonesischen Kräften zu Hilfe kommen könnten.

Wettlauf gegen die Zeit

„Die Rettungskräfte vor Ort sind relativ gut aufgestellt“, weiß Lesmeister. Nach den schweren Erdbeben der Vergangenheit sei in Indonesien viel in Ausbildung und Infrastruktur investiert worden.

Für die Helfer auf Lombok hat ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen. Rund 72 Stunden haben sie Zeit, um Verschüttete aus den Trümmern eingestürzter Gebäude zu befreien. Danach sinken die Überlebenschancen drastisch. „Wir haben aber auch schon Menschen nach fünf Tagen lebend gerettet“, sagt Lesmeister, dessen Team unter anderem nach den Erdbeben in Nepal 2015 und in Haiti 2010 internationale Hilfe leistete. Auch in Indonesien war I.S.A.R. Germany bereits im Einsatz – nach einem schweren Erdbeben im Jahr 2009.

Vermutlich kaum Hohlräume für Verschüttete

Wer nach einem Erdbeben in einem Hohlraum unter den Trümmern festsitzt und Zugang zu Wasser hat, hat gute Chancen auf Rettung. Das Problem: Vor allem in den ärmeren ländlichen Regionen Indonesiens werde viel mit Ziegeln, Steinen, Wellblech, Holz und Bambus gebaut. „Wenn so ein Gebäude von einem Erdbeben getroffen wird, bilden sich keine großen Hohlräume“, sagt Lesmeister. Die Trümmer seien klein und bröckelig, die Chancen, nach einem Einsturz Menschen lebend retten zu können, entsprechend gering.

I.S.A.R. Germany wäre in 12 Stunden abflugbereit

Sollte Indonesien internationale Hilfe anfordern, wären Lesmeister und sein Team bereit. „Wir beobachten die Lage“, sagt er. Im Bedarfsfall könne die Organisation binnen 12 Stunden abflugbereit am Flughafen in Frankfurt stehen.

I.S.A.R. Germany ist eine gemeinnützige Hilfsorganisation. Sie wurde 2003 in Duisburg gegründet und kommt weltweit zum Einsatz. Der Name I.S.A.R. steht für „International Search-and-Rescue“ und ist ein Zusammenschluss aus Spezialisten verschiedener Hilfsorganisationen und dem Bundesverband Rettungshunde e.V. Ihre Aufgabe ist es, internationale Hilfe unter anderem nach Naturkatastrophen, Unglücksfällen und bei humanitären Katastrophen zu leisten. Dazu gehört zum Beispiel die Suche und Rettung von Erdbebenopfern.

Zertifiziert von den Vereinten Nationen

Seit 2007 arbeitet I.S.A.R. Germany unter dem Dach der Vereinten Nationen. Damals wurde die Hilfsorganisation als weltweit erstes Team von der UN-Organisation INSARAG als so genanntes „Medium Team“ geprüft und zertifiziert. I.S.A.R. musste damals nachweisen, dass sich das Team bei weltweiten Einsätzen mindestens 10 Tage autark in Katastrophengebieten bewegen kann und internationale Standards bei der Suche und Rettung von vermissten und verschütteten Menschen eingehalten werden. In den Jahren 2012 und 2017 konnte die Zertifizierung erfolgreich wiederholt werden.

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