Berlin Countdown beginnt

Zumindest der Fußboden glänzt schon: das Studio der Show "Wetten, dass . . ?" wird in Erfurt aufgebaut.
Zumindest der Fußboden glänzt schon: das Studio der Show "Wetten, dass . . ?" wird in Erfurt aufgebaut. © Foto: dpa
CARSTEN RAVE, DPA 04.10.2014
Letzte Runde für "Wetten, dass . . ?": Noch drei Sendungen in diesem Herbst, davon heute die erste, dann ist Schluss mit Deutschlands Show-Flaggschiff. Nachfolgeshows sind nicht in Sicht.

Das Jahr 2014 wird in die deutsche Fernsehgeschichte als Jahr der großen Showkrise eingehen. Experimente sind fehlgeschlagen, Platzhirsche stehen vor dem Aus. Prominentestes Beispiel: der ZDF-Klassiker "Wetten, dass . . ?", der noch drei Mal zu sehen ist, mit Markus Lanz als Gastgeber. Heute die drittletzte Folge, sie kommt aus Erfurt. Die vorletzte am 8. November kommt aus Graz, die letzte am 13. Dezember aus Nürnberg.

Die Show ist nach dem Abgang Thomas Gottschalks (64) im Herbst 2011 stark in die Kritik geraten. Dessen Fußstapfen waren für Nachfolger Lanz (45) offenbar ein paar Nummern zu groß. Anstatt wie Gottschalk souverän und galant durch die 33 Jahre alte Show zu führen, verzettelte sich Lanz, indem er selber an Spielen teilnahm, und brachte nie die Ruhe in die Show, die sie gebraucht hätte, um Deutschlands Nummer eins zu bleiben.

Trotz der Quotentalfahrt unter Lanz: "Wetten, dass . . ?" ist immer noch die am meisten gesehene Fernsehshow in Deutschland. Zwar hatte die Ausgabe am 5. April, als Lanz im Schlussapplaus das Ende der Sendung für den Herbst ankündigte, nur noch halb so viele Zuschauer wie zu seinem Einstieg im Oktober 2012. Aber das waren immerhin 6,84 Millionen und damit mehr als alle anderen Formate haben.

Denn inzwischen ist klar: Neue Shows wie "Rising Star" (RTL), "Keep Your Light Shining" (Pro 7) "Millionärswahl" (Pro 7) und auch konservative Unternehmungen wie Michelle Hunzikers "große Überraschungs-Show" (ZDF) sind alle gescheitert.

Vor einigen Wochen ist das Gerücht aufgeflackert, das ZDF werde "Wetten, dass . . ?" nach dem Abgang von Markus Lanz wiederbeleben. Denn die Rechte an der Show liegen beim Sender. Auch personell hat sich etwas getan: ZDF-Unterhaltungschef Oliver Fuchs, im April noch verantwortlich für die Show, musste nach dem Skandal um manipulierte Rankinglisten seinen Hut nehmen. Vielleicht steigt auch mit seinem Nachfolger Oliver Heidemann, der als Interimslösung antrat, die Lust an einer Fortsetzung.

Nicht wenige mutmaßen, der alte Zampano Gottschalk könnte es wieder richten. Denn kein "Wetten, dass . . ?" ist auch keine Lösung der Showkrise im deutschen Fernsehen.

"Dann hätte ich das Ding auch gleich selbst an die Wand fahren können", hat Gottschalk "Spiegel Online" im April verärgert gesagt. Und der Nachrichtenagentur dpa sagte er: "Natürlich habe ich eine ganz besondere Verbindung zu ,Wetten, dass . . ? und kann eine leichte Wehmut nicht leugnen. Ich trauere, wie man so schön sagt, still. Und das will bei mir was heißen."

Lanz sagte in einem Radiointerview damals, "Wetten, dass . . ?" sei etwas, "was das deutsche Fernsehen eigentlich dringend braucht. Aber offenbar passt es im Moment nicht mehr so richtig in die Zeit."

Lanz-Bashing war Mode vor einigen Monaten. Aber einige warnten auch davor, ihm den Schwarzen Peter zuzuschieben. Der Schauspieler Til Schweiger beispielsweise sagte der "Bild"-Zeitung, er könne die Entscheidung nachvollziehen, die Show abzusetzen. Offenbar treffe die Sendung nicht mehr den Geist der Zeit, aber "unfair finde ich, dies Markus Lanz alleine in die Schuhe zu schieben."

Lanz wörtlich: "Die gleichen Leute, die diese unsägliche Anti-Lanz-Kampagne fahren und sich nach Gottschalk zurücksehnen, haben, als Gottschalk noch moderiert hat, auf ihn eingeschlagen. Jeden Montag, nach jeder ,Wetten, dass . . ?-Sendung. Schon vergessen?"

In Erfurt sollen die Band Tokio Hotel und der Popsänger Bryan Adams die Quoten der Sendung erhöhen. Außerdem ist ein Vorgeschmack auf das Musical "Das Wunder von Bern", das im November in Hamburg Premiere feiert, geplant. Lanz empfängt unter anderen die US-Filmschauspielerin und Regisseurin Diane Keaton und die deutsche Schauspielerin Christine Urspruch ("Tatort"), die demnächst Hauptdarstellerin in der ZDF-Vorabendserie "Dr. Klein" sein wird.

Info "Wetten, dass . . ?" läuft heute Abend um 20.15 Uhr im ZDF

Die meisten wollen die Show nicht mehr

Umfrage 58 Prozent der deutschen Fernsehzuschauer trauern der ZDF-Show "Wetten, dass . . ?" nicht nach. Das zeigt eine von der "Hörzu" in Auftrag gegebene Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Nur 22 Prozent wünschten sich demnach, "Wetten, dass . . ?" möge weitergehen.

Dagegen 66 Prozent der Befragten, die einen höheren Schulabschluss haben, begrüßen das Ende der Show. Ebenso 64 Prozent der 45- bis 59-Jährigen insgesamt und 61 Prozent der Männer. Die Gottschalkfrage: 69 Prozent insgesamt würden die Show auch dann nicht mehr schauen, wenn Thomas Gottschalk sie wieder moderierte.

Dafür 33 Prozent der 14- bis 29-Jährigen wünscht sich, die Show würde wieder zurückkommen. Die Gottschalkfrage: 55 Prozent würden öfter einschalten, würde Thomas Gottschalk als Moderator zurückkehren. dpa

SWP