Kein Mehl, kein Toilettenpapier und lange Schlangen an den Kassen: In vielen Supermärkten herrscht durch den Corona-Ausbruch Ausnahmezustand. Solche Situation haben die meisten Menschen in diesem Land noch nie erlebt. Worauf sollte man beim Einkaufen in Krisenzeiten achten? Ein Überblick:

Wird es genug Lebensmittel geben?

Die Nachfrage nach Lebensmitteln in Deutschland ist stark angestiegen. 14 Prozent mehr Waren als sonst verkauften Supermärkte in der vergangenen Woche, sagt das Forschungsinstitut GfK. Dabei stieg der Umsatz von Fertigsuppen um 112 Prozent im Vergleich zur Vorwoche, bei Fisch- und Obstkonserven um je 70 Prozent, bei Teigwaren um 73 Prozent.

Der Einzelhandel betont, dass die Versorgung mit Lebensmitteln gewährleistet sei. Aber: „Bedingt durch die stark erhöhte Nachfrage, kann es in bestimmten Fällen zu Engpässen kommen“, sagt Kai Falk, Geschäftsführer beim Handelsverband Deutschland (HDE). „Wir bitten daher unsere Kundinnen und Kunden, vor allem weiterhin in haushaltsüblich Mengen einzukaufen.“ Die Logistikketten arbeiteten zwar unter Volllast, aber sie funktionieren, hieß es.

Wie soll in Supermärkten eingekauft werden?

In Deutschland sind seit Anfang der Woche die meisten Schulen und Kindergärten erst einmal geschlossen, vielen Menschen sind im Homeoffice, Kantinen arbeiten Notbetrieb. Rewe rät seinen Kunden die Einkäufe auf die Wochentage zu verteilen. „Es wäre sinnvoll, wenn die Leute, denen es möglich ist, den Einkauf nicht nur Freitagnachmittag und Samstagmorgen vornehmen“, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Somit hätten Mitarbeiter auch eine Chance, die Regale schnell genug wieder zu befüllen.

Was wird getan, damit Lieferengpässe ausbleiben?

Derzeit arbeiten die Logistikzentren auch am Wochenende. „Die Logistikketten arbeiten unter Volllast, aber sie funktionieren“, sagte Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). Sollte es in der nächsten Zeit doch zu Problemen kommen, wenn Mitarbeiter der Logistik ausfallen, könnten Bundeswehrsoldaten, Reservisten und Polizisten diese Arbeiten übernehmen.

Am Wochenende hatten Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), solche Überlegungen ins Spiel gebracht. Scheuer: „Wenn 25 Prozent der Kräfte aus Polen, die wichtig sind für die Versorgungslogistik des täglichen Lebens, fehlen, haben wir ein echtes Problem. Wenn wir dann zu Engpässen kommen, kann die Bundeswehr die Versorgung auffangen.“ Das sei ein Worst-Case-Szenario, „so weit sind wir noch nicht“, sagte Scheuer.

Erst einmal sollten die Kommunen über die Nachtbelieferung von Supermärkten reden, um da flexibler zu sein, hieß es.

Achtung Fake News: Supermärkte nur noch an zwei Tage geöffnet

In sozialen Medien gab es in den vergangenen Tagen immer wieder Gerüchte, dass die Supermärkte in Deutschland nur noch am Montag und am Freitag geöffnet seien, dabei handelt es sich um Falschinformationen, um Fake News. Am Wochenende wurde via Facebook ein Foto mit einem gefälschten Screenshot, der eine Meldung der Nachrichtenseite Focus zeigen soll, geteilt. Darin heißt es, die großen Supermarktketten Aldi, Lidl, Rewe und Edeka hätten sich abgesprochen und würden ab kommender Woche nur noch sehr eingeschränkt öffnen. „Das ist falsch! Und an all die, die so einen Unsinn verbreiten: Das ist kein Spaß, Ihr spielt mit der Angst der Leute. Das ist unanständig!“, schreibt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) via Twitter.

Gibt es genug frisches Obst und Gemüse?

Durch Grenzschließungen innerhalb Europas und der damit verbundenen Grenzkontrollen verlängern sich die Lieferzeiten. Dazu kommt, dass aufgrund der Corona-Krise in Deutschland viele Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland fernbleiben. In vielen Gewächshäusern fehlt das Personal und auch auf dem Feld, wo in einigen Gebieten bereits die Spargelernte beginnt, wird gesucht. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) will in dieser Lage auch „unkonventionelle Wege“ gehen. Die CDU-Politikerin schlägt vor, dass Mitarbeiter aus der Gastronomie in der Landwirtschaft einspringen. Laut Klöckner muss geprüft werden, welche bürokratischen Anforderungen während der Krise heruntergefahren werden könnten. Betroffen seien vor allem Betriebe mit Gemüse-, Kräuter- oder Obstanbau.

Ist die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln stabil?

Nach Auskunft des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) liegt der Selbstversorgungsgrad in Deutschland bei „Kartoffeln, Getreide, Milcherzeugnisse, Schweinefleisch und Käse bei über 100 Prozent“. Das heißt, von diesen Produktion produziert Deutschland mehr, als es verbraucht. Somit sei man nicht auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen, hieß es.

Was wird wann gekauft?

Experten der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) haben errechnet, dass, der Lebensmittelhandel über mehrere Wochen mit einem anhaltenden Plus von zehn bis 15 Prozent rechnen kann. BCG-Einzelhandelsexperte Markus Hepp macht in Deutschland in der Coronavirus-Krise drei Phasen aus. In der ersten Krisenwelle seien vor allem Produkte wie Desinfektions- oder Reinigungsmittel gekauft worden. In Welle zwei seien Lebensmittelvorräte gebildet worden, nachdem klar gewesen sei, dass mit längerfristigen Auswirkungen zu rechnen sei. Aktuell befinde sich Deutschland in Welle drei: Es gibt teils starke Einschränkungen im sozialen Leben. Dadurch steige die Nachfrage nach frischen Produkten. Aber auch nach Fertiggerichten, weil vermehrt zu Hause gekocht werde.