Das Coronavirus SARS-CoV-2 ist seit mehr als einem Jahr weltweit aktiv und stellt die Menschheit vor gewaltige Probleme. Mehr als 2,3 Millionen Menschen sind an oder mit Covid-19 gestorben. Der Kampf gegen die Ausbreitung des Virus und gegen die Krankheit Covid-19 mittels
läuft schleppend – und nicht überall gleichermaßen effektiv. Das Problem: Das Virus passt sich an und verändert sich - es mutiert. Mittlerweile gibt es zahlreiche „Mutanten“. Die bisher bekanntesten Varianten des Coronavirus kommen aus
  • England (B117),
  • Südafrika (B1351/501.V2) und
  • Brasilien (P.1)

Virus-Mutationen sind ansteckender - Erkrankungen und Symptome schwerer

Diese Varianten sind deutlich ansteckender und die Verläufe bei erkrankten Patienten sind teilweise schwerer. Der Anteil der Neuinfektionen durch Mutationen soll aktuell bei 20 Prozent liegen, im von B117 schwerst getroffenen Portugal waren es zeitweise mehr als 50 Prozent. Außerdem wirken bestimmte Impfstoffe wie der von Astrazeneca nicht so gut bei Mutationen, insbesondere bei der Variante aus Südafrika. Zudem können bereits infizierte Menschen bei der Variante aus Südafrika und Brasilien nicht mehr immun sein.
Jetzt verbreitet sich eine neue, veränderte Form der britischen Virus-Variante B117. Denn: Es handelt sich quasi um eine Mutation der Mutation. Sie enthält eine Veränderung, die E484K genannt wird.

Neue Mutation der englischen B117-Variante mit E484K ist besonders gefährlich

Diese veränderte Form der britischen Coronavirus-Variante B.1.1.7 ruft bei britischen Wissenschaftlern besondere Besorgnis hervor. Wie das Gesundheitsministerium in London berichtet, wurde die zuerst in Bristol entdeckte Mutante als „Besorgniserregende Variante“ (Variant of Concern) eingestuft, weil sie die zusätzliche E484K-Mutation aufweist.
Das bedeutet, dass die in Bristol entdeckte Variante gefährliche Merkmale der britischen und anderer Varianten in sich vereinen könnte. Eine ähnliche Mutante wurde auch in Liverpool festgestellt. Beide zusammen wurden in Großbritannien bislang in bisher 76 Fällen nachgewiesen.

Dritte Corona-Welle: Experte Karl Lauterbach warnt vor neuer Mutation aus England

Die neue Virus-Variante mit E484K könnte die Dritte Welle auch in Deutschland noch verstärken. Der Gesundheitspolitiker und Experte Prof. Karl Lauterbach (57/SPD) warnt auf Twitter vor der neuen Variante aus England: „Kombination der UK/B117 Variante mit der E484K Südafrika Mutation dürfte nur Frage der Zeit sein. B117 steckt besser an, E484K infiziert auch Vorinfizierte/Geimpfte.“

Virus-Mutante mit E484K schon mehrfach aufgetreten

„Mit dem, was wir über die Infektiösität von B117 wissen, der dominanten Variante in Großbritannien, beobachten wir das mit besonderer Sorgfalt“, sagte Susan Hopkins von der Gesundheitsbehörde Public Health England Medien gegenüber. Sie schränkte jedoch ein, dass die E484K-Mutation seit vergangenem April in unterschiedlichen Varianten immer wieder aufgetreten und dann wieder verschwunden sei.

Mutationen breiten sich im Raum München aus

Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, breitet sich die neuen Varianten des Coronavirus auch im Raum München weiter aus. Das legen zumindest Daten des Münchner Testlabors Becker & Kollegen nahe, das positive Corona-Proben aus der Region mit speziellen PCR-Tests auf Mutationen untersucht.

Impfung weniger wirksam: Das ist die Veränderung 484K bei Corona-Mutationen

Die Veränderung E484K im Erbgut des Virus ist von der südafrikanischen Mutation (B1351) und der brasilianischen Mutation (P1) bekannt und wird mit einer verminderten Immunreaktion bei Menschen in Verbindung gebracht, die bereits eine Coronavirus-Infektion durchgemacht haben oder geimpft wurden.
Die britische Variante (B117) wies bislang die Mutation E484K nicht auf. Das kann sich aber dank anderer Veränderungen schneller ausbreiten als die weltweit vorherrschende Variante. Gegen sie wirken aber nach ersten Erkenntnissen die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Astrazeneca.
Zweifel gibt es jedoch inzwischen an der Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffs bei der südafrikanischen Variante, zumindest bei milden und moderaten Fällen.

Experte Karl Lauterbach: Dritte Welle klein halten und Impfung vorantreiben

Was tun angesichts der mutmaßlich auch in Zukunft weiteren auftretenden Varianten des Coronavirus? Karl Lauterbachs Ansage und Empfehlung angesichts dieser neuen Bedrohung ist klar: „(...) 3. Welle klein halten, Bevölkerung impfen, parallel Impfstoffe weiterentwickeln. Massiv Produktionskapazitäten für Impfstoffe aufbauen, auch viel schnellere Logistik der Impfung. Die zweite Impfrunde muss während der ersten vorbereitet werden. Wir müssen schneller werden.“