Die Situation rund um das Coronavirus entspannt sich in ganz Deutschland zunehmen. Jedoch zeigen lokale Ausbrüche, wie etwa zuletzt in Nordrhein-Westfalen, dass die Gefahr noch nicht gebannt ist.
Dennoch wird der Ruf nach einer Abschaffung der Maskenpflicht immer lauter. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin hatte zuvor angekündigt, die Maskenpflicht im Einzelhandel abschaffen zu wollen. Wenn das Infektionsgeschehen in seinem Bundesland so gering bleibe wie derzeit, sehe er keinen Grund für diese Auflage, sagte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) der „Welt am Sonntag“.

Baden-Württemberg bleibt bei Maskenpflicht

Die baden-württembergische Landesregierung lehnt ein Ende der Maskenpflicht oder Lockerungen der Vorgabe strikt ab. „Die Maskenpflicht bleibt ein zentraler Bestandteil unserer Strategie“, sagte eine Sprecherin des Staatsministeriums am Montag in Stuttgart der dpa.
Gemeinsam mit dem Abstandsgebot sei die Pflicht zur Mund-Nase-Bedeckung ein wirksames Mittel im Kampf gegen das Coronavirus und weitere Infektionen. Es gebe keinen Anlass zur Entwarnung, zumal die Ansteckungszahlen weltweit gesehen immer weiter anstiegen. Über eine Maskenpflicht in Baden-Württemberg entscheidet nach Angaben des Staatsministeriums die grün-schwarze Landesregierung.

Jens Spahn widerspricht Plänen zur Abschaffung der Maskenpflicht

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mahnt zur Vorsicht. Er verstehe zwar „die Ungeduld und den Wunsch nach Normalität“, schrieb Spahn im Kurzbotschaftendienst Twitter. Doch sei das Coronavirus „noch da“. Wo in geschlossenen Räumen der nötige Abstand nicht immer gesichert sei, bleibe deshalb die Alltagsmaske geboten, betonte der Bundesgesundheitsminister.
Auch andere Bundesländer prüfen offenbar die Abschaffung der Maskenpflicht in Geschäften. „Wir schauen uns gerade an, ob wir beim Einkaufen auf die Maskenpflicht verzichten können“, sagte Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) laut „Welt am Sonntag“. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) plädierte dafür, die Pflicht in eine Empfehlung umzuwandeln.

Mehrere Bundesländer wollen an Maskenpflicht festhalten

Gegen ein zeitnahes Ende der Pflicht für den Mund-Nasen-Schutz in Geschäften sprachen sich am Sonntag Bayern, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Hamburg aus. „Die bayerische Staatsregierung sieht nicht den geringsten Anlass, die Maskenpflicht aufzuheben“, sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) der „Süddeutschen Zeitung“. „Im Gegenteil: Die weltweit steigenden Infektionszahlen und die Hotspots in Deutschland zeigen uns, dass wir bei Corona weiterhin höchste Vorsicht walten lassen müssen“, unterstrich Herrmann.
Eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums betonte: Eine jetzige Aufhebung der Maskenpflicht wäre das falsche Signal: „Gerade die Ferienzeit und die Zeit nach den Ferien werden entscheidend sein, um zu beurteilen, wie sich das Infektionsgeschehen weiter entwickelt.“

Merkel: Maskenpflicht ist „zumutbare Zumutung“

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans plädierte ebenfalls für die Beibehaltung der Maskenpflicht. Wenn alle Bürger in den Geschäften weiter einen Atemschutz trügen, „haben wir einen großen Teil von Infektionsmöglichkeiten eingedämmt“, sagte er. Nach Angaben von Walter-Borjans stimmt er in dieser Frage mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) überein. Er habe am Sonntag mit Merkel telefoniert und sei sich mit ihr einig, dass das Maskentragen in Geschäften eine „zumutbare Zumutung“ sei.

Warnungen vor Abschaffung der Maskenpflicht

Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene hat sich gegen eine Aufhebung der Maskenpflicht im Einzelhandel ausgesprochen. „Ich persönlich sehe das als schwierig an“, sagte Martin Exner der Deutschen Presse-Agentur. Zwar sei Deutschland derzeit in einer günstigen Lage, allerdings sei unklar, ob die Situation so bleibt. Eine Aufhebung der Pflicht sende das falsche Signal, dass die Situation im Griff sei. „Das können wir aber so nicht feststellen.“ Die Maske sei nach wie vor ein wichtiges Element der Präventionsstrategie. Insbesondere in Innenräumen, in denen der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gewahrt werden kann.
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach plädiert dafür, die Maskenpflicht im Handel beizubehalten. „Die Maskenpflicht im Handel ist eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen das Coronavirus“, sagte der Bundestagsabgeordnete der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.