Seit einiger Zeit schon gelten in Deutschland strenge Kontaktbeschränkungen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Vor allem für Singles ist diese Zeit nicht ohne: Keine Dates, soziale Kontakte soll man auf ein Minimum reduzieren.

Ria Göhler ist Inhaberin der Partnervermittlung Ria Goehler coacht dort ihre Kunden. Die Agentur mit Sitz in Heidelberg vermittelt bundesweit. Sie weiß, wie es momentan um die Singles steht.

Wie geht es den Singles in der Corona-Zeit?

Die Zeit in der Corona-Pandemie erleben Alleinstehende sehr intensiv. „Jeder wird sich bewusst, dass er als Single lebt. Durch die Kontaktsperre ist es schwierig, sich zu verabreden“, sagt Ria Göhler. Für Menschen, die gerne alleine sind, sei das kein Problem. „Für die Personen, die sich einen Partner wünschen, ist es schlimmer“, sagt die Expertin.

Allerdings machen auch die äußeren Umstände viel aus. Wenn jemand zum Arbeiten geht und sich ab und zu mit einem Freund oder einer Freundin zum Spazieren gehen treffen kann, stecke er die Corona-Situation besser weg. Ist jemand allerdings nur im Homeoffice und hat auch sonst niemanden, den treffe die momentane Lage schon härter.

Wie können Singles das Alleine-Sein nutzen?

Wie Ria Göhler findet, hat es auch sein Gutes, dass viele Menschen viel Zeit mit sich alleine verbringen müssen. „Die Zeit kann gut genutzt werden, um zu reflektieren. Sich darüber bewusst zu werden, was man möchte“, sagt sie. Damit meint die Expertin:

  • Sich darüber klar zu werden, welche Wünsche und Ansprüche Singles an eine Beziehung haben.
  • Was sie bereit sind, in einer Beziehung zu geben.
  • Oder ob sie nur Spaß und die guten Seiten einer Beziehung wollen, oder das Gesamtpaket, das „Durch-Dick-und-Dünn-Gehen“.

Auch auf Twitter ist das Single-Dasein in Corona-Zeiten ein Thema.

Wie funktioniert die Partnervermittlung momentan?

Bei einer Partnervermittlung ist es üblich, persönliche Gespräche zu führen. Das ist in der Corona-Krise nicht unbedingt möglich. Trotzdem ruht die Partnervermittlung von Ria Göhler nicht. „Wir starten mit Videogesprächen, um interessierte Kunden kennenzulernen.“ Dann schlägt die Agentur beiden Seiten vor, ob sie sich jetzt treffen möchte oder nach der Krise. Sprich: Lieber Spazieren gehen mit Distanz oder später gemeinsam einen Café trinken?

Für die Zeit nach der Corona-Krise, wenn Dates, Küssen und Sex für Singles wieder möglich sind, erwartet Ria Göhler eine Explosion. „Ganz viele werden auf die Suche gehen. In der Isolation haben sie gemerkt, dass sie gerne einen Partner hätten.“

So verändert Corona das Sexualverhalten

Apropos Sex. Die Münchner Sexual- und Paartherapeutin Heike Melzer glaubt, dass die Corona-Krise den Umgang mit Sex ändert. Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie, dass der Umgang mit Berührungen bewusster werde. „Dieses Turbomäßige bei Dates, Sex jenseits von Beziehungen, One-Night-Stands oder einfach mal eine schnelle Nummer am Rande einer Feier und Alkohol, das fällt weg.“

Generell sei es auch nicht schlimm, wenn man mal über längere Zeit keine Berührungen habe. Singles seien dies gewohnt. Momentan steige aber die Nachfrage nach Haustieren zum Schmusen und Streicheln.

Pornoseiten werden in der Corona-Zeit häufiger besucht

Manch einer ihrer Klienten befasse sich jetzt auch in der Quarantäne intensiver mit sich selbst. Einige wollen den Pornokonsum drosseln oder gar stoppen. Das sei häufig schwerer als allgemein angenommen.

Es gibt aber auch das Gegenteil. Wie Melzer erklärt, würden sich andere gerade jetzt die Zeit mit Pornos und Selbstbefriedigung vertreiben. Oft, um ihre Sorgen vor Krankheit und Arbeitslosigkeit zu betäuben. „Die Zugriffsraten bei Seiten wie Pornhub oder xHamster sind seit der Quarantäne rasant gestiegen“, so Melzer. Auf den Seiten geben es etwa „Corona-Sex“-Filmchen mit Schutzkleidung. Das erfreue sich einer neuen Fangemeinde.

Belastungstest für Partnerschaften und Familie

Auch für Partner und Familien, die sich wegen der Corona-Krise ständig auf engstem Raum befinden, ist die Situation schwierig. So traurig es klingt: „Die Schlupflöcher von Dienstreisen, Messebesuchen und Firmenworkshops fallen aktuell weg und damit auch die damit verknüpften Freiheitsgrade für sexuelle Eskapaden jeglicher Art“, sagt Melzer. Dafür würden handgreifliche Streits zunehmen, schließlich gebe es kaum mehr Möglichkeiten, um den Partner zu umgehen.

So hat sich die Tinder-Nutzung in der Corona-Krise verändert

Dating-Apps wie Tinder dürften in der Corona-Krise stark gefragt sein. Wie das Unternehmen selbst angibt, habe sich die durchschnittliche Gesprächsdauer in einem Chat im März im Vergleich zum Februar um 10 bis 30 Prozent verlängert. Die Zahl der täglichen Nachrichten stieg um europaweit um bis zu 25 Prozent an.