Massive Kritik übt der Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Andreas Pinkwart (FDP), an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrer ausschließlichen Orientierung an Inzidenzwerten. „Es gibt andere medizinische Möglichkeiten als vor zwölf Monaten“, sagte Pinkwart bei „19 – die Chefvisite“ mit Blick auf inzwischen die verfügbaren Antikörpertherapien gegen Covid-19. „Wir müssen das Thema Therapie in den Mittelpunkt rücken“, so der aktuelle Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz. Denn sie reduzierten das Risiko von Todesfällen im Zusammenhang mit dem Coronavirus und ermöglichten Lockerungen des Lockdowns. Der Kanzlerin warf er vor, sie lasse sich einseitig von einer „kleinen Gruppe“ falsch beraten. Merkel höre zum Beispiel keine Stimmen aus der Krankenhausmedizin, so Pinkwart.
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Pinkwart berichtete, dass die NRW-Landesregierung „auf eine nationale Teststrategie ab 1. März gebaut“ habe, um Freiheiten zu ermöglichen, „wenn es einen gewissen Schutz durch Tests gibt“. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe aber „nichts vorbereitet“, kritisierte Pinkwart. Es gebe weder eine zentrale Bestellung von Tests noch eine einheitliche App zur digitalen Erfassung der Ergebnisse. „Wir müssen in Eigenregie machen, was eigentlich Aufgabe des Bundes gewesen wäre“, rügte Pinkwart.
Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, nannte die Möglichkeit, den Osterurlaub auf Mallorca zu verbringen „absolut absurd“: „Die werden mit Mutanten zurückkommen“, warnte Werner in der Sendung. „Und das kleine Hotel im Schwarzwald muss zubleiben.“ Minister Pinkwart will Mallorca-Rückkehrer „strikt testen und in Quarantäne nehmen“. Das müsse beim Treffen der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin nächste Woche beschlossen werden, forderte er. Die Öffnung von Hotels in Deutschland über die Feiertage bezeichnete der FDP-Politiker als „vernünftige Alternative“. Er verweist auf bewährte Hygienekonzepte.