„Wir begegnen der Pandemie mit dem Rechenschieber“: Der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, fordert den Einsatz Künstlicher Intelligenz für „verlässliche Berechnungen und Vorhersagen unter Berücksichtigung aller Faktoren“ der Corona-Ausbreitung. Bei „19 – die Chefvisite“ kritisiert Werner, dass immer noch die „isolierte Betrachtung“ von Daten wie die Zahl der Neuinfektionen oder der Sieben-Tages-Inzidenz den Kurs im Kampf gegen Covid vorgebe. In eine erweiterte Betrachtung müsste aus Sicht des Mediziners auch ein „Digitalisierungsfaktor“ einfließen. Dann könnten in Regionen, wo zum Beispiel das Gesundheitsamt mit Software statt mit Fax arbeitet oder Kontakte per App digital nachverfolgt werden, höhere Inzidenzwerte toleriert werden. „Ein solches Anreizsystem würde digital aufgeschlossenen Regionen Freiheiten geben“, so Werner.
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Als „schwierig nachvollziehbar“ wertet der Direktor des Münchner Tierparks Hellabrunn, Rasem Baban, die drohende vollständige Schließung seines Zoos, sollte der örtliche Inzidenzwert drei Tage lang über 100 liegen. Denn der Tierpark verfüge über Freiflächen von mehr als 40.000 Quadratmetern, auf denen sich „die Besucher wunderbar verteilen können“. Diese werden zurzeit nach Voranmeldung eingelassen und müssen FFP2-Masken tragen. „An der frischen Luft ist das Ansteckungsrisiko äußerst gering“, so Baban in der Sendung. Die Tierhäuser hat er gleich zu Pandemiebeginn ohnehin geschlossen. Der Grund: „Dort schreien die Aerosole Party.“ Den Zootieren geht es laut Baban gut – ihnen fehle nur Unterhaltung in Form von Besuchern.
Von nur zwei Infektionen unter den Häftlingen und einigen milden Corona-Fällen unter den Bediensteten berichtet der Leiter der Justizvollzuganstalt Kassel I, Jörg-Uwe Meister: „Wir sind ganz gut durch die Krise gekommen bis jetzt.“ Die Pandemie-Notfallpläne mussten nicht umgesetzt werden. Dann hätten zwei Teams im 14-tägigen Wechsel die Insassen überwacht. Die Wärter „hätten dann auch im Gefängnis geschlafen“, so Meister. Mehr Aggressionen unter den Häftlingen hat er nicht beobachtet: „Sie verhalten sich umsichtig und haben selbst Sorgen um ihre Gesundheit.“ Strikte Hygiene führe dazu, dass auch Resozialisierungsmaßnahmen weiterliefen. „Unsere Freigänger können mit Maske ganz normal außerhalb der JVA arbeiten“, sagt Meister.