Chaotische Regeln zum Maskentragen und deren schwierige Kontrolle rügt der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, bei „19 – die Chefvisite“. So dürften Fußgänger in Düsseldorf nicht stehen bleiben und müssten „quasi permanent gehen“, sagt Werner – „und Polizisten sollen das kontrollieren“. In Hamburg gelte eine Maskenpflicht für Jogger an der Außenalster, dort seien statt Eltern mit Kinderwagen jetzt Polizisten in Peterwagen unterwegs. „Auswüchse“, urteilt der Mediziner. Er fordert „klare, verständliche Regeln“. Sonst würden sich die Menschen nicht mehr daran halten, warnt Werner.
Für dringend nötig hält der Klinikchef die Ausweitung von Schnelltests: „Wir müssen den Menschen die Selbstverantwortung geben, zuhause einen Spucktest durchzuführen.“ So lasse sich eine bessere Übersicht zum Infektionsgeschehen gewinnen – Super-Spreader, die viele Menschen anstecken, könnten schneller identifiziert werden. Zwar böten die Schnelltests keine 100-prozentige Sicherheit. Aber auch die genaueren PCR-Tests seien nicht der „Heilige Gral“. Sie könnten ebenfalls falsche Ergebnisse liefern, wenn etwa der dazu nötige Abstrich nicht korrekt gemacht worden sei. „Wir müssen lernen, mit Fehlern zu leben“, so Werner.
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Schnelltests könnten auch die Debatte um die Präsenzpflicht in Schulen vorantreiben, sagt Joachim Huber, Leiter des Medienressorts vom Berliner „Tagesspiegel“, in der Sendung. Das Lehrerkollegium der Grundschule, an der seine Frau unterrichtet, habe solche Tests selbst organisiert. Das habe die „leichte Hysterie aus dem Lehrkörper herausgenommen“ und Diskussionen, ob Kinder wieder in die Schule dürften, „in ganz andere Spuren gebracht“, berichtet der Journalist. Huber, der bereits im März 2020 lebensbedrohlich an Covid-19 erkrankt war, nimmt zurzeit an einer Studie der Charité zu den Folgen der Infektion teil. „Ich habe nach einem Jahr noch ausreichend Antikörper im Blut“, so Huber. Trotzdem wolle er sich gerne impfen lassen, „wenn irgendwo noch ein Tröpfchen Impfstoff übrig ist“: „Ich misstraue dem Virus, ein ganz böses Ding.“