Nachdem Kroatien als eines der ersten Länder in Europa seine Grenzen für Urlauber geöffnet hatte, gab es einen regelrechten Ansturm auf das Land an der Adriaküste. Bald schon waren die vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsmaßnahmen vergessen und es wurden wilde Partys an den Küsten gefeiert - dicht an dicht - das mit Folgen. Die Zahlen stiegen und das Auswärtige Amt hat Reisewarnungen für die Bezirke Šibenik-Knin und Split-Dalmatien ausgesprochen. Österreich hingegen hat das komplette Land zum Risikogebiet erklärt.

So ist die Infektionslage in Kroatien

Seit Juli sind die Zahlen in Kroatien wieder stark angestiegen und liegen weit über den Zahlen im Frühjahr. Zwar wurde innerhalb von sieben Tagen der Schwellenwert (50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner) nicht erreicht, trotzdem wurde für die zwei Bezirke eine Reisewarnung ausgesprochen. Derzeit liegt die Zahl der Infizierten bei 10.123. Davon sind 184 an oder mit dem Virus gestorben. 7212 sind bereits genesen.

Schönt Kroatien seine Corona-Zahlen?

Wie die Süddeutsche Zeitung in einem Bericht schreibt, wird auf dem Balkan deutlich weniger getestet als andernorts und kommt zu dem Ergebnis, dass es weniger nachgewiesene Corona-Fälle gibt. Zwar hat das Auswärtige Amt die Regionen Split-Dalmatien und die bei deutschen Urlaubern beliebten Inseln Hvar, Vis und Brac an der Adriaküste zum Risikogebiet erklärt und vor Reisen in diese Gegend gewarnt, aber hat trotz der stark ansteigender Infektionszahlen im Land keine komplette Reisewarnung ausgesprochen, wie etwa Österreich oder ganz aktuell Ungarn, das Land, dass zum 1. September seine Grenzen zu Kroatien schließt. Wie die SZ weiter berichtet würden Laborärzte bei zwölf Prozent aller Abstriche in Kroatien das Coronavirus nachweisen, und dies sei „ein deutlicher Hinweis darauf, dass das Land zu wenig testet“. So sei auch die 7-Tage-Inzidenz, die stets unter dem kritischen Wert 50 blieb, „nur bedingt aussagekräftig“.

RKI berichtet regelmäßig über Deutsche die sich im Urlaub infiziert haben

Wie ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums mitteilt, wäre es "derzeit unverhältnismäßig", ganz Kroatien zum Risikogebiet zu erklären. Ob ein Land ausreichend teste, lasse sich nicht genau sagen. Die Bundesregierung ist keinesfalls auf die Daten aus den Reiseländern angewiesen, da das Rober-Koch-Institut regelmäßig über deutsche Reiserückkehrer die sich infiziert haben. So kamen in der vergangenen Woche 940 Personen zurück die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben, so viele wie aus keinem anderen Land. Der Wert dürfte deutlich höher liegen. Dadurch, dass Kroatien noch nicht zum Risikogebiet erklärt wurde, müssen sich Reiserückkehrer nicht testen lassen.