• Die Corona-Zahlen in Bayern steigen
  • Das Landeskabinett hat nach der MPK über die neuen Regeln gesprochen
  • Diese Regeln werden in der Verordnung angepasst
Nach dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern, auch MPK genannt, hat das bayerische Kabinett am Dienstag (11.01.22) über die Umsetzung der von der MPK beschlossenen Regeln im Freistaat entschieden. Insbesondere ging es darum, ob Bayern die vereinbarte 2G-Plus-Regel auch in Restaurants anwenden will oder nicht. Nun wurde von Ministerpräsident Markus Söder und seinen Kabinett entschieden: Es gilt weiterhin die 2G-Regel und nicht 2G Plus in Gaststätten und Restaurants. In diesem Artikel beantworten wir die Fragen:

Corona und die Gastronomie: 2G+ ist in Bayern nicht notwendig

Ungeachtet der rasant steigenden Omikron-Welle und anders als fast alle anderen Bundesländer verzichtet Bayern auf schärfere Corona-Regeln für Gaststätten. Im Freistaat bleibt es dabei, dass Geimpfte und Genesene ohne zusätzlichen Test beziehungsweise ohne Auffrischungsimpfung in Restaurants gehen dürfen - auch wenn Erst- und Zweitimpfung schon viele Monate her sind. Es gilt also weiterhin die 2G-Regel und nicht 2G Plus, wie Bund und Länder vergangenen Freitag mehrheitlich vereinbart hatten. Jedenfalls „Stand heute“ bleibe man in der Gastronomie bei der 2G-Regel, sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am 11.01. nach einer Kabinettssitzung in München.
Bayern weicht hier neben Sachsen-Anhalt als einziges Bundesland von der Bund-Länder-Linie ab. Dafür bleiben - anders als in anderen Ländern - in Bayern Kneipen, Bars und Discos weiter ganz geschlossen.

Corona-Regeln in Bayern: Das hat das Kabinett noch beschlossen

Vorab: Die Gültigkeit der geltenden bayerischen Corona-Verordnung wird um weitere vier Wochen, zunächst also bis 9. Februar, verlängert. Die weiteren Themen nachfolgend in der Übersicht:

Die Regeln zu Quarantäne und Isloation in Bayern wurden angepasst.
Die Regeln zu Quarantäne und Isloation in Bayern wurden angepasst.
© Foto: Bodo Marks/DPA


Bayern verkürzt Quarantäne und Isolation

Bayern setzt die Verkürzung von Quarantäne und Isolation um: Künftig beträgt die Dauer der Isolation für Infizierte und der Quarantäne für enge Kontaktpersonen in der Regel zehn Tage. Bereits nach sieben Tagen ist eine Freitestung mit einem negativen PCR- oder Antigen-Schnelltest möglich - wobei man nach einer Infektion zusätzlich mindestens 48 Stunden symptomfrei sein muss. Für Beschäftigte etwa in Kliniken und Altenheimen ist ein PCR-Test Pflicht, oder es müssen fünf Tage lang täglich negative Schnelltests vorliegen. Schülerinnen und Schüler, Kita- und Kindergarten-Kinder, die als Kontaktpersonen in Quarantäne müssen, können sich bereits nach fünf Tagen freitesten. Kontaktpersonen, die eine Booster-Impfung haben, frisch geimpft oder genesen sind, sollen - anders als bei Omikron bisher - ab Freitag oder Samstag nicht mehr in Quarantäne müssen, sobald der Bund dafür nötige Rechtsänderungen umgesetzt hat.

Booster in Bayern: Ab wann gilt man als geboostert?

Für Menschen mit Corona-Auffrischungsimpfung entfällt die zusätzliche Testpflicht in 2G-Plus-Bereichen künftig unmittelbar nach der Booster-Impfung und nicht erst nach zwei Wochen. Das hat das Kabinett am Dienstag beschlossen. Zudem gibt es eine entsprechende Erleichterung für Menschen mit vollständiger Grundimmunisierung, die anschließend eine Corona-Infektion überstanden haben, also für Menschen mit einem sogenannten Impfdurchbruch. Auch für diese entfällt in 2G-Plus-Bereichen (etwa Theatern, Kinos) die Pflicht zur Vorlage eines zusätzlichen Tests.

Corona-Regel für Kitas in Bayern: Testpflicht ab 10.01.2022 auch für Kinder

In Bayern ist am 10. Januar 2022 eine Änderung für Kindertageseinrichtungen, Heilpädagogischen Tagesstätten und Kindertagespflegestellen in Kraft getreten. Kinder ab einem Jahr dürfen nur dorthin, wenn sie in der Einrichtung an PCR-Pooltestungen teilnehmen, ihre Eltern dreimal wöchentlich einen negativen Corona-Test des Kindes nachweisen können.
Kinder und Jugendliche, die in der Schule regelmäßig auf eine Corona-Infektion getestet werden, bleiben auch weiterhin von der Nachweispflicht in einigen 2G-Bereichen befreit. Die Ausnahmeregelung gilt - wie bisher - in Hotels und in der Gastronomie, aber auch bei sportlichen, musikalischen oder schauspielerischen Betätigungen.

Mehr Corona-Tests für mehr Sicherheit an Schule und Kita in Bayern

Mit dem Schulstart am 10.01.22 ging auch das regelmäßige Testen auf das Coronavirus weiter. Das gilt jetzt auch verpflichtend für alle Kinder, egal ob geimpft oder genesen – und auch für die ganz Kleinen ab einem Jahr.
Vor allem die Eltern von Krippen- und Kindergartenkindern müssen sich umgewöhnen: Wenn sie künftig nicht dreimal in der Woche einen negativen Test ihrer Kinder nachweisen, dürfen diese die Einrichtungen nicht betreten. Die Änderungen bei den Tests in den Schulen hingegen sind minimal. Alle Infos zur neuen Corona-Regeln zur Testnachweispflicht ab 10. Januar an Schule und Kita in Bayern in der Übersicht.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte die beschlossene Verkürzung der Quarantänezeiten für Schülerinnen und Schüler. Für Schülerinnen und Schüler wird die Absonderungszeit Scholz zufolge auf fünf Tage verkürzt, wenn ein Test negativ ausfällt. „Dadurch setzen wir alle, die sich an Schulen aufhalten, einer erhöhten Infektionsgefahr aus“, sagte der stellvertretende GEW-Vorsitzende Andreas Keller den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Auch der Deutsche Lehrerverband äußerte Kritik an dem Beschluss. „Wenn diese Aufweichung der Quarantäneregeln dazu führt, dass mehr Infizierte unerkannt in Schulen herumlaufen, wird der Schuss nach hinten losgehen“, sagte der Vorsitzende des Verbands, Heinz-Peter Meidinger, den Funke-Zeitungen.

Hotspot-Regel mit 1000er-Inzidenz: BIHK fordert Lockerung

Aus Angst vor finanziellen Einbußen fordert der Bayerische Industrie- und Handelskammertag höhere Inzidenz-Grenzwerte bei der Verhängung strengerer Corona-Auflagen. „Die Omikron-Variante lässt die Infektionszahlen in ganz Bayern leider rapide ansteigen. Bereits in wenigen Tagen werden voraussichtlich einige Regionen Bayerns über die 1000er-Inzidenz rutschen“, sagte Klaus Josef Lutz, Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) am Dienstag in München. Bleibe die bisherige Regelung unverändert, könnten die betroffenen Landkreise und Städte schnell in einen Teil-Lockdown mit schweren wirtschaftlichen Schäden rauschen.
Die sogenannte Hotspot-Regelung sieht Auflagen wie die Schließung der Gastronomie vor, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die Sieben-Tage-Inzidenz über 1000 ansteigt. Die Wirtschaft hoffe, dass die Staatsregierung spätestens bei der nächsten Kabinettssitzung entsprechende Änderungen und Anpassungen an der Hotspot-Regelung vornehme, sagte Lutz. „Handelt die Politik nicht, droht Gastronomen, Hoteliers sowie Betreibern von Kultur-, Freizeit- und Sporteinrichtungen inklusive Seilbahnen landesweit die Betriebsschließung. Das wäre fatal und würde zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer in Existenznot bringen.“

Omikron-Variante in Bayern: So will der Freistaat in Richtung Fasching weitermachen

Bayern will seine Corona-Schutzmaßnahmen in naher Zukunft nach Worten Herrmanns stärker den Notwendigkeiten der hoch ansteckenden Omikron-Variante anpassen. Beispielsweise solle überlegt werden, ob ein regionaler Lockdown bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 1000 bei Omikron noch zeitgemäß sei. „Passt die Delta-Logik auch auf Omikron? Das ist die Kernfrage, die sich stellt“, sagte Herrmann. Auf die Omikron-Variante gehen derzeit nach Herrmann Angaben mehr als 43 Prozent der Neuinfektionen in Bayern zurück - Tendenz deutlich steigend. Eine mögliche Antwort sei, in der Gastronomie von der bisherigen 2G-Regelung eben doch auf 2G Plus zu wechseln - also nur noch Geboosterte oder damit Gleichgestellte einzulassen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz über 1000 geht. Ein erhöhter Schwellenwert für einen kompletten Landkreis-Lockdown sei ebenfalls denkbar.
Gedanken müsse man sich auch weiterhin über den Umgang mit dem Bereich der Jugendarbeit machen und mit Kunst und Kultur. Hier werde es in den nächsten Tage Gespräche mit den zuständigen Fachministern geben. Beispielsweise solle die Kapazitäts-Grenze von 25 Prozent in Kinos und bei anderen Kulturveranstaltungen diskutiert werden.
Klar wurde zudem: Wegen der unsicheren Lage durch die Omikron-Variante kann sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) derzeit keine Faschingsveranstaltungen vorstellen. Er würde „momentan keine größere Summe darauf verwetten“, dass die Feiern stattfinden, „sondern eher das Gegenteil“, sagte er. Aktuell werde niemand eine Faschingsparty abhalten „können und wollen und dürfen“. Er sehe dabei aber auch die große Betroffenheit der Vereine und Verbände und die Gefahr, dass die Geselligkeit weiter verloren gehe, sagte Aiwanger. Niemand könne heute sagen, wie die Lage im Februar sein werde. Gegebenenfalls wäre es eine Lösung, den Sommer für solche geselligen Veranstaltungen - auch Volksfeste - zu nutzen, wenn die Situation deutlich entspanne.

Markus Söder zur MPK: Corona-Gipfel kam zu früh

Der jüngste Corona-Gipfel zwischen Bund und Ländern zum weiteren Vorgehen in der Pandemie kam aus Sicht des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) „möglicherweise ein paar Tage zu früh“. Die bisherigen Erkenntnisse zur Verbreitung der Omikron-Variante seien noch nicht ausreichend, um auf der Grundlage tragfähige Entscheidungen zu treffen, sagte der CSU-Chef am Donnerstagmorgen vor der MPK bei „Bild live“: „Mir ist es lieber, wir beraten dann morgen und entscheiden dann lieber ein paar Tage später, wenn die wissenschaftliche Basis definitiv besser ist.“
Ihm liege noch „kein abschließendes Empfehlungspapier für eine weitreichende Entscheidung, die dann getroffen werden soll, für Millionen von Menschen vor“, sagte Söder. Das sei „keine sehr stabile Grundlage für eine Beratung.“
Er forderte eine „klare Expertengrundlage und juristische Klarheit“ - „auch angesichts der aufgewühlten gesellschaftlichen Situation“. Gerade für den Mittelstand und Selbstständige gehe es in der Corona-Krise inzwischen wirtschaftlich „ans Eingemachte“. Für sie forderte er „mehr Unterstützung, Hilfe und Sensibilität“.

Aktuelle Corona-Regeln für Gastronomie in Bayern: Sperrstunde, 2G, Personenobergrenze

Aktuell gilt sowohl in Innen- als auch in Außenbereichen der Restaurants und Cafés in Bayern die 2G-Regel. Ausschließlich Geimpfte und Genesene haben Zutritt. In der Gastronomie dürfen sich zudem auch mehr Personen treffen, solange es sich nicht um eine geschlossene Gesellschaft handelt. Kinder unter 14 sind von der 2G-Regel ausgenommen. Außerdem gilt eine Sperrstunde von 22 Uhr bis 5 Uhr.

2G-Plus in Bayern: Keine Testpflicht für Menschen mit Booster-Impfung

Die zusätzliche Testpflicht bei Corona-Zugangsregeln im Sinne von 2G+ fällt in Bayern für Menschen mit Booster-Impfung weg. Menschen, die geboostert wurden, müssen lediglich in Kliniken, sowie Alten- und Pflegeheimen einen zusätzlichen Test vorlegen. Die Voraussetzung ist, dass die Booster-Impfung mindestens zwei Wochen zurückliegt. 2G-Plus gilt für:
  • Veranstaltungen außerhalb privater Räumlichkeiten
  • Sportstätten wie Fitnessstudios und Boulderhallen
  • den Kulturbereich mit Theatern, Opern, Konzerthäusern, Bühnen, Kinos, Museen, Messen, Tagungen, Kongressen, Ausstellungen, Gedenkstätten, zoologischen und botanischen Gärten
  • Freizeiteinrichtungen wie Bädern, Thermen, Saunen, Solarien, Seilbahnen und Ausflugsschiffen, Führungen, Schauhöhlen und Besucherbergwerken, Freizeitparks, Indoorspielplätzen, Spielhallen und -banken, Wettannahmestellen und den touristischen Bahn- und Reisebusverkehr

Einkaufen in Bayern: Diese Geschäfte sind von der 2G-Regel ausgenommen

Auch im Einzelhandel in Bayern gilt die 2G-Regel. Geschäfte des täglichen Bedarfs bilden hier eine Ausnahme. Das sind:
  • Lebensmittelhandel (Supermärkte)
  • Getränkemärkte
  • Drogerien
  • Reformhäuser
  • Babyfachmärkte
  • Spielzeugläden
  • Schuhgeschäfte
  • Apotheken
  • Sanitätshäuser
  • Optiker und Hörakustiker
  • Tankstellen
  • Zeitungskioske
  • Post
  • Buchhandlungen
  • Blumenläden
  • Tier- und Futtermittelmärkte
  • Baumärkte
  • Gartenmärkte
  • Großhandel

Sport und Kultur in Bayern: Diese Regeln gelten für Veranstaltungen

Für große überregionale Sport- und Kulturveranstaltungen sowie vergleichbaren Veranstaltungen sind in Bayern aktuell keine Zuschauer zugelassen.
Bayerns Ministerpräsident Söder hat den Klubs der Fußball-Bundesliga mit Blick auf das Zuschauer-Verbot allerdings ein wenig Hoffnung gemacht. "Wir müssen sehen, wie es sich mit Omikron entwickelt", sagte der CSU-Politiker im Doppelpass bei Sport1: "Wenn die Gefahr für die Krankenhäuser nicht mit der Delta-Variante vergleichbar sein sollte, müssen wir das zugrunde legen und schauen, wie wir damit umgehen."
In Bayern sind derzeit wie in weiten Teilen Deutschlands die Fans komplett ausgeschlossen. In einigen Bundesländern gibt es Ausnahmen, dort sind wenige Hundert oder wenige Tausend Zuschauer erlaubt.
Söder nannte die unterschiedlichen Regelungen "besonders ärgerlich". Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund hatte zuletzt eine Stadion-Auslastung von zehn Prozent gefordert, da der Fußball Geisterspiele finanziell nicht mehr lange durchhalten würde.