Das Pharmaunternehmen Roche kann einen Test auf Antikörper gegen das Coronavirus auf den Markt bringen. „Das ist jetzt einsatzfähig“, sagte Christoph Franz, Verwaltungsratspräsident von Roche, am Montagmorgen in Gabor Steingarts „Das Morning Briefing“. Roche hat nach eigenen Angaben eine Notfallgenehmigung der US-Gesundheitsbehörde FDA für den Test bekommen. Diese ist einem Sprecher zufolge für alle Länder gültig, die die CE-Kennzeichnung für Produkte akzeptieren. Das seien unter anderem alle Länder innerhalb der Europäischen Union.

Antikörpertest von Roche: Kein Selbsttest für Zuhause

„Das ist kein Test für den Hausgebrauch“, machte der Sprecher deutlich. Es handle sich um einen Bluttest, zu dessen Auswertung man technische Geräte benötige. Wie genau der Test in Deutschland ausgerollt werden könnte, ist unter anderem Sache des Bundes. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schauten sich am Vormittag mit Franz das Roche-Entwicklungslabor im oberbayerischen Penzberg an, um sich über den neuen serologischen Test Elecsys Anti-Sars-CoV-2 zu informieren.
„Er ist wesentlich sensitiver und spezifischer als die Tests, die heute verfügbar sind“, hatte Franz zuvor bereits im Interview erklärt. Der Test habe eine Sensitivität von 100 Prozent und eine Spezifität von 99,8 Prozent. Erstere gibt den Prozentsatz der Betroffenen an, bei denen die Infektion tatsächlich erkannt wird. Letztere sagt aus, wie viele Gesunde von dem Test auch tatsächlich als gesund erkannt werden.

Ziel des Antikörpertests von Hoffmann-La Roche: Mehr testen in der Bevölkerung

Es gehe darum, in der Bevölkerung breit zu messen und einzelnen Menschen ein klares Signal zu geben, sagte Franz. „Jeder weiß dann, wo er auch steht.“
Roche kann demnach Tests in einer hohen zweistelligen Millionenzahl pro Monat weltweit anbieten. Weil Antikörpertests vergleichsweise günstig seien, könnten sich Staaten diese auch leisten, so Franz.
Spahn sagte im Aufschluss an den Termin, der Test könne Auskünfte über den tatsächlichen Stand der Corona-Infektionen in Deutschland geben. Spahn verwies am Montag im bayerischen Penzberg darauf, dass etwa 80 Prozent der Infektionen symptomfrei verliefen. Die neuen Tests entsprächen einem neuen Qualitätsstandard. Mit Auslieferung an die Labore stehe der Test grundsätzlich jedem zu Verfügung, aber nicht für jeden übernehme die Krankenversicherung die Kosten.

Corona-Tests von Roche: Drei Millionen Tests bereits im Mai

Die Bundesregierung vereinbarte laut Spahn mit dem Pharmahersteller Roche, dass bereits diesen Monat drei Millionen Tests für das Gesundheitswesen zu Verfügung stünden, für die Folgemonate seien es fünf Millionen pro Monat. Spahn und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) informierten sich am Montag bei einem Besuch am Roche-Standort in Penzberg über den Antikörper-Test. Die dort entwickelten Tests sollen in Penzberg in hoher Stückzahl produziert werden.
Der Test sei "grundsätzlich, wenn man selbst zahlt, für jeden nach Verfügbarkeit" zu erhalten, sagte Spahn. Für welche Bereiche die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten übernehme, werde in einem Gesetz geregelt, das diese Woche in erster Lesung im Bundestag behandelt wird.

Nachweis des Coronavirus laut Roche bei 100 Prozent

Nach Angaben von Roche kann mit dem Antikörper-Test mit fast 100-prozentiger Sicherheit nachgewiesen werden, ob jemand mit dem Coronavirus infiziert war. Der Test kann als Bluttest aus der Vene in Arztpraxen oder im Krankenhaus abgenommen werden. Bluttests bieten dem Unternehmen zufolge im Vergleich zu Speicheltests deutlich genauere Ergebnisse.
Spahn nannte den Test eine "wichtige Wegmarke" im Kampf gegen das Virus und hob die hohe Zuverlässigkeit hervor. Die Tests ermöglichten es, nach und nach einen Überblick zu bekommen, wie das Infektionsgeschehen jenseits der offiziell bekannten Fälle verlaufe. Die Frage, ob das Vorhandensein von Antikörpern die Immunität vor einer Neuinfektion bedeute, sei noch nicht abschließend belegt, fügte der Minister hinzu.

Roche-Test: Wichtiger Schritt in der Corona-Krise?

Es ist, bevor Bundeskanzlerin Merkel am Mittwoch mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer über das weitere Vorgehen und mögliche weitere Lockerungen berät, ein weiterer leichter Hoffnungsschimmer in der Corona-Krise.