Es ist so etwas wie ein Albtraum für Reisende: Eine Familie aus Cottbus kommt via Nürnberg aus dem Mallorca-Urlaub nach Hause – und Eltern wie Töchter sind mit dem Coronavirus infiziert. Die Stadt Cottbus wollte sich auf Anfrage von SWP Online nicht äußern. Pressesprecher Jan Gloßmann verwies darauf, dass der Fall noch nicht abschließend geklärt sei.
Fest steht laut Flugportalen und Datenbanken jedoch, dass nur zwei Verbindungen in Frage kommen: Einerseits handelt es sich um einen Ryanair-Flug am frühen Morgen von Palma nach Nürnberg mit einer Boeing 737-800, der rund 20 Minuten früher als geplant in Nürnberg eintraf. Andererseits geht es um eine Verbindung von Billigflieger Corendon Airlines, die ebenfalls mit einer Boeing 737-800 durchgeführt wurde. Diese Maschine kam am Sonntagnachmittag mit über 40 Minuten Verspätung in Nürnberg an.

Kein Corona-Fall bei Corendon, Ryanair schweigt

Gegenüber SWP Online bestritt Corendon Airlines ausdrücklich, dass es an Bord des eigenen Flugs einen Corona-Fall gegeben habe. Ryanair wollte auf wiederholte dringende Anfrage keine Stellung nehmen.
Nach den Regeln des Robert-Koch-Instituts müssen nun möglichst zügig die direkten Kontakte ermittelt werden. Das vorgesehene Protokoll betrifft in solchen Fällen folgende Personen:
  • alle, die in derselben Reihe sowie zwei Reihen vor und hinter der mit SARS-CoV-2 infizierten Person gesessen haben
  • sowie andere Personen, die während des Aufenthalts im Flugzeug einen engeren Kontakt mit der infizierten Person hatten. „Dies kann zum Beispiel im Rahmen eines längeren Gesprächs oder häufigem Service an Bord sein“, heißt es in einem Musteranschreiben des RKI an Fluggesellschaften, wobei per Definition „mindestens 15 Minuten Gesichtskontakt oder Kontakt zu Sekreten oder Körperflüssigkeiten des Infizierten“ vorausgesetzt sind.
  • Besatzungsmitglieder

Corona-Ansteckung im Mallorca-Flieger recht unwahrscheinlich

Luftfahrtexperten gehen indes von einem geringen Infektionsrisiko aus, da Krankheitserreger von der aggressiven Lüftung in Flugzeugen in der Regel schnell abgetötet werden und an Bord Maskenpflicht herrscht. Angaben dazu, wo und wie lange die nun auf Mallorca betroffene Familie Urlaub gemacht hat, gibt es derzeit nicht. Um die Öffentlichkeit nicht zu beunruhigen, wird in Spanien üblicherweise noch nicht einmal die Gemeinde bekannt gegeben, in der sich neue Corona-Infektionen ereignet haben.

Ulm/Palma de Mallorca

Infektion auf Mallorca oder schon vor der Reise?

Theoretisch ist es sogar möglich, dass sich mindestens ein Elternteil oder eine der beiden Töchter der Familie schon vor der Abreise nach Mallorca infiziert hat. Da Cottbus und die Lausitz als weitgehend coronafrei gelten, ist jedoch eine Ansteckung auf dem Weg in den Urlaub oder auf Mallorca wahrscheinlicher. Alle Familienmitglieder befinden sich in Quarantäne und sind bisher sympomfrei. Die Kontakte im Flugzeug und auf Mallorca sollen nun in Zusammenarbeit mit spanischen Behörden ermittelt werden. Zum Hinflug der Familie ist bisher nichts bekannt.
Trotz einer Zunahme von Corona-Infektionen auf dem Festland gilt Spanien bisher nicht als Risikogebiet für deutsche Urlauber. Auf Mallorca ist die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche besonders gering und bewegt sich in etwa auf dem gleichen Niveau wie in Deutschland.